
Am 10. August startet das jakutische Drama des Debütanten Illarion Jakowlew „Fast wie alle“ in den Kinos. Wir verraten, was dieses Projekt auszeichnet.
Die Geschichte über einen jungen Mann im Rollstuhl ist zwar nicht neu, doch der Film versucht dennoch, seine Eigenständigkeit zu bewahren und den Zuschauer mit allen ihm bekannten Mitteln zu bezaubern.
Dima (Wladimir Dormidontow) ist ein Mensch mit Behinderung (das betont sogar die Polizei in einer Szene). Der Held bleibt freiwillig ständig zu Hause und geht nirgendwo hin. Man könnte meinen, sein Leben sei völlig aussichtslos, aber er hat ein Hobby gefunden – Dima schreibt Musik und möchte an einem Festival teilnehmen. Von außen scheint der junge Mann sogar recht zufrieden mit seinem Leben, auch wenn es auf die Wände seiner Wohnung und die Unfähigkeit, sich selbstständig fortzubewegen, beschränkt ist.
Irgendwann erinnert sich Dimas Jugendfreund Aisen (Ajaal Winokurow) an ihn und steht – zehn Jahre nach dem Unfall – ganz einfach vor der Tür des Protagonisten.
Und hier hätte der Film „Fast wie alle“ jeden beliebigen Weg der Entwicklung der Beziehungen zwischen den Helden und der Welt um sie herum einschlagen können, entscheidet sich aber dafür, wie alle zu sein. Der draufgängerische Freund zeigt dem eher phlegmatischen und vorsichtigen Dima die Vorzüge des normalen Lebens: Partys, Saufgelage und Schlägereien. Natürlich bekommt Dima nach und nach Appetit darauf und beginnt zu verstehen, wie viel er im Leben verpasst hat, eingesperrt in seinen vier Wänden.
Mit Dima ereignen sich keine besonderen Entdeckungen oder Bekanntschaften, alles verläuft nach klassischem Muster – das schönste Mädchen, die in ihrer Alltäglichkeit unsinnigsten Probleme, ein alberner Freund für eine größere Komik, die Erkenntnis der eigenen Freiheit und ein Happy End.
Einigermaßen interessant hätte die Handlung um Tante Tina sein können – Dimas jüngere Schwester seiner Mutter. Sie erscheint als unkonventionell lebhafte, aber einsame Frau, die „ihre Lebensaufgabe nicht erfüllt“ hat und vom Charakter her an die Libelle erinnert, die „den Sommer verschlafen“ hat – das heißt, sie hat weder eine Familie noch Kinder gegründet. Mit ihr hätte man eine tolle Geschichte erzählen können, aber leider ist sie nur eine Nebenfigur, und daher musste ihr Charakter nicht besonders ausgearbeitet werden.
„Fast wie alle“ ist voller Anspielungen auf bekannte Filme und Filmhelden, einige werden sogar direkt ausgesprochen. Dennoch ist festzustellen, dass der Film dadurch sogar eine eigene individuelle Note mit unbekümmerter, gutherziger Einfachheit gewinnt.
„Fast wie alle“ erhebt keinen Anspruch auf etwas Besonderes, erfüllt aber seine Aufgabe recht anständig – eine helle Geschichte von zwei Freunden zu zeigen, die einander vergeben und die Vergangenheit loslassen können.
Trailer:
Kommentare
0Noch keine Kommentare.
Melde dich an, um mitzudiskutieren.