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Versuche, die Vergangenheit zurückzuholen, Möglichkeiten, die Familie und sich selbst besser kennenzulernen – in unserer Auswahl inspirierender heimischer Filme, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden.

Russisches Kino kann sinnlos und gnadenlos sein. Es kann berührend und düster sein. Und manchmal – motivierend. Hier sind 10 positive und inspirierende russische Filme der letzten Jahre, die Ihnen helfen, den Glauben an das Glück und die Möglichkeiten des heimischen Kinos wiederzufinden.

„Ferne Nahe“ (2022)

Ferne Nahe

Der Geographielehrer und leidenschaftliche Hobbygärtner Boris Petrowitsch (Jewgeni Syty) bekommt von seinem Sohn zum Geburtstag ein Smartphone geschenkt. Boris Petrowitsch, der allem Modernen aus dem Weg geht, ist von dem Geschenk, gelinde gesagt, nicht begeistert und schimpft wie gewohnt auf seinen Sohn, weil dieser sich nicht um ihn kümmert. Doch nach einiger Zeit lernt der ältere Geograph über das Gerät eine ebenso begeisterte Gemüseliebhaberin kennen – Nadeschda (Jelena Jakowlewa). Das Problem: Sie lebt in der Region Moskau, und Boris Petrowitsch muss aus der Region Chabarowsk anreisen. Er überredet seinen Sohn, der Autos überführt, ihn mitzunehmen, und begibt sich auf ein Abenteuer.

Ein berührender, amüsanter, stellenweise verzweifelt naiver, aber sehr gefühlvoller Roadmovie über die Flucht vor der Einsamkeit, die Annäherung an die Familie, die Fähigkeit des Menschen, sein Leben komplett umzukrempeln und furchtlos neuen Horizonten entgegenzugehen. Der Film wird sicherlich denen gefallen, die einen ruhigen Abend mit ihren Lieben verbringen möchten.

„Der junge Mann“ (2022)

Der junge Mann

Wanja (Pawel Tabakow) ist 30 Jahre alt, aber seine früheren Erfolge in der Schule und an der Uni haben nicht zu einem erfolgreichen Leben geführt. Seine Frau betrügt ihn, bei der Arbeit bekommt er keine Beförderung, und dann erfährt er, dass sein ehemaliger Mitschüler, ein Versager, plötzlich reich geworden ist. Dieser Geschäftsmann (meisterhaft gespielt von Danila Koslowski) veranstaltet einen Wettbewerb für Oberstufenschüler mit einem Millionenpreis, und Wanja beschließt, sich als Teenager auszugeben und in ein Schullager zu fahren, um das Geld zu gewinnen und endlich sein Leben in den Griff zu bekommen.

Wer von uns hat nicht schon einmal in der Vergangenheit geschwelgt? Und wenn es eine Chance gibt, in diese Vergangenheit zurückzukehren und dabei noch ordentlich Geld zu verdienen? Klingt nach einem Plan – einem Plan für eine perfekte Situationskomödie, in der Erfahrung auf jugendliche Unverfrorenheit trifft und der gemeinsame Nenner der Song „Non Stop“ der Band Reflex in der Version von „Poshlaia Molly“ ist.

In diesem Film ist fast alles gelungen: von der präzisen Darstellung Tabakows, der einen infantil gebliebenen jungen Mann spielt, der am Ende natürlich begreift, dass man im Hier und Jetzt leben muss, bis hin zu den zahlreichen Gags, die auf dem Generationenunterschied basieren.

„Die Familie“ (2021)

Die Familie

Ein weiterer Roadmovie in unserer Sammlung, diesmal von Ilja Aksjonow, dem Regisseur der Serie „Welt. Freundschaft. Kaugummi“, das Drehbuch schrieb Schora Kryschownikow. Die Handlung: Der Vater einer großen Familie (Sergei Burunow) erfährt von einer schweren Erkrankung und beschließt, zum Gruschinski-Festival zu fahren, um dort vielleicht zum letzten Mal sein Lied vor Oleg Mitjajew zu singen. Früher hatte er schon einmal diese Chance, aber es hat nicht geklappt.

Auf diese Reise nimmt Burunows Held seine gesamte Familie mit, und dem Genre entsprechend können die Verwandten endlich alles sagen, was so lange unausgesprochen blieb. Und nebenbei erfahren sie viel Neues übereinander.

Ein etwas schrulliger, aber ungeheuer charmanter Film von Aksjonow – eine weitere Glanzleistung von Sergei Burunow, der sich harmonisch in jede Umgebung einfügt und in „Die Familie“ noch dazu das reiche Kolorit der mittelrussischen Höhen ergänzt. Der Film hat sowohl komische als auch traurige Momente, und man fiebert mit den Helden mit, als wären sie die eigenen Verwandten.

„Jura, der Hausmeister“ (2023)

Jura, der Hausmeister

Der Modefotograf Roman (Denis Wlasenko) gerät in eine unangenehme Situation, die ihn zwingt, Moskau zu verlassen und nach Hause nach Ufa zurückzukehren. In seiner Heimatstadt erwarten ihn seine geliebte Großmutter, seine Mutter, die seinen Beruf ignoriert, und der naive, geistig behinderte Hausmeister Jura (Anton Kusnezow), der von Romans Großmutter unterstützt wird. Der Fotograf macht ein Experiment und fotografiert den jungen Mann im Stil eines Bonvivanten, angeblich für das Cover der GQ. Dieser Scherz wird viral, und am nächsten Morgen sind die beiden berühmt.

Die Geschichte mag konstruiert wirken, wenn man nicht wüsste, dass sie auf wahren Begebenheiten beruht (geben Sie einfach „Jura Hausmeister“ in die Suchmaschine ein, und Sie werden das besagte Foto und alles, was darauf folgte, finden). Aber nicht einmal das macht den Film so wunderbar. Er ist unendlich optimistisch und hell. Er scheint zu sagen, dass es aus jeder Lebenssituation einen Ausweg gibt, so verrückt er auch erscheinen mag. Und das Talent des Schauspielers Kusnezow zeigt sich mit jeder neuen Rolle mehr – es scheint, als gäbe es für ihn keine unlösbaren Aufgaben, und hier wird das besonders deutlich.

„Das Paar aus der Zukunft“ (2021)

Das Paar aus der Zukunft

Jewgeni (Sergei Burunow) und Alexandra (Marija Aronowa) sind seit über 20 Jahren verheiratet. Wir schreiben das Jahr 2040, und einige gesellschaftliche Prozesse haben sich verkompliziert. Zum Beispiel kann man sich nicht mehr einfach so scheiden lassen – dafür braucht man einen anständigen sozialen Status und genug Geld. Jewgeni hat die Ehe längst aufgegeben und likt offen Fotos der Nachbarin in den sozialen Medien, während Alexandra ihren Mann für die vergeudete Jugend schilt. Die Spannung wächst von Tag zu Tag, und während eines weiteren schrecklichen Streits werden sie von einem Blitz getroffen, der sie auf wundersame Weise 20 Jahre in die Vergangenheit katapultiert. Zhenja und Sascha bekommen die Chance, sich selbst an der Heirat zu hindern und ihr Schicksal für immer zu ändern.

„Das Paar aus der Zukunft“ ist ein anspruchsloser, aber sehr positiver, lebensbejahender Film von Regisseur Alexei Nuschny, der die Herzen der Zuschauer längst mit einfachen und fesselnden Geschichten über das Leben in der Provinz erobert hat. Diese turbulente, emotionale Familien-RomCom erinnert einmal mehr daran, wie wichtig es ist, über das zu sprechen, was einen bedrückt, und einander zuzuhören.

„Die Abgefahrene“ (2023)

Die Abgefahrene

Die Moskauerin Anja (Olga Lerman) durchlebt eine Millennial-Krise, in der alles, was man tut, nicht das zu sein scheint, wovon man immer geträumt hat. Sie verlässt ihren Freund und ihr gewohntes Leben, nimmt ihr Fahrrad und ihren geliebten Dackel und macht sich auf den Weg quer durchs Land zu ihrer Mutter, mit der sie sich vor langer Zeit zerstritten hat.

Wieder eine wahre Geschichte, wieder ein Roadmovie. Und das ist nicht verwunderlich – das Genre eignet sich perfekt für erbauliche Geschichten über die Suche nach dem eigenen Ich und für die Darstellung einer Reihe von Situationen, die helfen, die entscheidenden Momente im Leben zu verstehen. Neben der philosophischen Seite bietet „Die Abgefahrene“ von Anton Maslow viele lebendige Charaktere, herzliche Episoden und humorvolle Skizzen, denen man nur auf einer Reise durch Russland begegnen kann.

„Nur ich bin normal“ (2021)

Nur ich bin normal

Der junge und unternehmungslustige Direktor des Kinderlagers „Roter Falke“, Igor (Anton Bogdanow), beschließt, die Einrichtung aus eigennützigen Motiven zu schließen. Damit es auf dem Papier transparent aussieht, wird das Lager für baufällig und für die Erholung von Kindern ungeeignet erklärt. Doch davon wusste eine Gruppe Jugendlicher mit Behinderungen nichts, die gerade zum Zeitpunkt der Schließung mit Gutscheinen im Lager ankam. Weder Bitten noch direkte Drohungen zeigten Wirkung, und so bringt Igor als letztes Argument von der Straße geprägte Teenager ins Lager.

Das Regiedebüt von Anton Bogdanow (Antocha aus „Realnyje Pazany“) hätte im Endeffekt zu einem weiteren schweren Drama über die Schwierigkeiten der Erziehung, der sozialen Schichtung und des Generationenkonflikts werden können. Doch der Regisseur hat sich bewusst von der düsteren Erzählweise abgewandt und einen lebensbejahenden, sonnigen und recht lustigen Film geschaffen, der über Ernstes in der Sprache von Empathie und Humor spricht.

„Ich nehme ab“ (2018)

Ich nehme ab

Anja (Alexandra Bortitsch) liebt es zu essen und kann nichts dagegen tun. Aber nachdem ihr Freund sie verlässt, beschließt das Mädchen, um jeden Preis abzunehmen und wieder geliebt und glücklich zu werden.

„Ich nehme ab“ ist ein hervorragendes Beispiel für motivierendes Kino. Es motiviert nicht unbedingt zum Abnehmen, auch wenn dieses Thema als Ausgangspunkt für die Handlung dient, sondern dazu, das Leben zum Besseren zu verändern. Man könnte sagen, dass es eine ganze Sammlung nützlicher Ratschläge enthält, wie man mit sich selbst, seinen Hobbys und seiner Umgebung umgehen sollte. Die Schlussfolgerungen aus diesen Ratschlägen können manchmal traurig, manchmal fröhlich sein, so wie das Leben selbst nicht nur aus einer Farbe der Trauer oder des Glücks besteht.

„Papa“ (2020)

Papa

Der junge Moskauer Maxim (Stas Starowoitow) eilt zum Flughafen, um seinen Vater (Wladimir Wdowitschenkow) abzuholen, der endlich seinen Sohn, seine Schwiegertochter und seine Enkel besuchen und gleichzeitig mit ihm seinen Geburtstag feiern möchte. Doch im letzten Moment stellt sich heraus, dass Maxims Vater die Reise doch nicht angetreten hat und lieber zu Hause bleibt. Daraufhin schnappt sich Maxim seine Familie und fährt selbst zu ihm, wobei er unterwegs an Papas Erziehungsmethoden zurückdenkt und sie unwillkürlich mit seinen eigenen vergleicht.

„Papa“ ist eine Komödie mit einem Hauch von hartem Realismus der 90er Jahre, in der man keine tiefere Bedeutung suchen muss – alles liegt an der Oberfläche. Der Film ist im Anekdotenformat gehalten – kurze, lustige Geschichten mit einem obligatorischen Pointenschluss am Ende, aber vor allem Zuschauer im Alter von etwa 30 bis 40 Jahren werden darüber lachen. Alle Gegenstände im Film, vom Teppich an der Wand bis zu den Milchtüten in Dreiecksform, scheinen längst vergessen, aber beim Anblick der Textur von „Papa“ wird alles wieder greifbar. Außerdem geht es in diesem Film nicht nur um Vater und Sohn und den Generationsbruch. Es geht um ein Land und um Menschen, die versuchen, die über sie hereingebrochenen Veränderungen zu begreifen, und vor allem zu verstehen, wie sie damit weiterleben sollen.

„Brennen!“ (2017)

Brennen

Die Angestellte einer Frauenstrafanstalt, Alevtina (Inga Oboldina), träumt insgeheim davon, auf einer großen Bühne zu singen, und eines Tages bekommt sie zu ihrem Jubiläum ein Karaoke-Gerät geschenkt. Die glückliche Alevtina schämt sich noch vor dem Publikum und singt daher allein in ihr Mikrofon. Doch irgendwann wird sie heimlich gefilmt. Das Video wird sofort viral, und schon wird Alevtina zum wichtigsten Gesangswettbewerb des Landes eingeladen, wo sie ihr Talent Millionen von Zuschauern zeigen kann.

„Brennen!“ ist ein emotionaler, lebendiger, klarer Film mit einem glatten, ausgefeilten Bild und einer gut geschriebenen Geschichte. An manchen Stellen täuscht der Regisseur Kirill Poluchin die Zuschauer und liefert ein absolut naives Ende. Aber der Verlauf der Geschichte lässt auch gar kein anderes zu. Alles ist durchdrungen von Optimismus und einem hellen Glauben an Wunder.