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Im breiten Verleih ist der Noir-Thriller „Kentaur“, in dem Ilja Naishuller mit Hingabe seine Lieblingsfilme nacherzählt.

Tief in der Nacht fährt ein gelbes Taxi mit Tassen aus der Garage. Am Steuer sitzt der wortkarge und aufmerksame Fahrer Sascha (), der es vorzieht, tagsüber zu schlafen und in der Dunkelheit durch die leere Stadt zu „bomben“, weil es so „weniger Staus und Hektik“ gibt und man die Passagiere „besser sieht“.

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Sascha ist kein gesprächiger Taxifahrer, kann aber immer ein Gespräch führen und dabei seine Vermutungen über diejenigen überprüfen, die vorübergehend seine Mitfahrer sind. Die beruhigende Fahrt durch die Nacht lädt dazu ein, die Menschen entspannen sich, und der Weg zum Ziel wird zu einer kleinen Psychoanalyse-Sitzung oder sogar zur Beichte.

So wird es auch mit einer weiteren Passagierin in Saschas Taxi geschehen – der Escort-Dame Lisa ( Anastassija Talysina ). Das Mädchen besucht zunächst ein paar Adressen und schlägt dann Jura vor, sein Taxi für die ganze Nacht zu mieten, um einfach durch die Stadt zu fahren. Während der Fahrt erfahren Sascha und Lisa viel voneinander, und der undurchdringliche Fahrer (wie Travis Bickle aus ) fühlt eine verwandte Seele: ebenfalls ein Einzelgänger in der Großstadt, und möchte der Mitfahrerin aufrichtig helfen. „Ich habe eine Million gespart“, sagt Sascha und richtet seinen nachdenklichen Blick hoffnungsvoll von der von Nachtlichtern erhellten Straße auf Lisa.

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Standbild aus dem Film „Kentaur“

Gleichzeitig heftet sich ein dunkler Geländewagen an das Taxi, und irgendwo entlang der Route des „Nachtbombers“ zieht sich eine blutige Spur eines Serienmörders, der bereits mehrere Opfer auf dem Konto hat. Und alle sind junge Mädchen in Lisas Alter.

Aus einer so beunruhigenden Handlungseröffnung wird klar, dass diese Fahrt für Sascha oder Lisa die letzte sein könnte. Zumindest sieht der spannende Teil des Films „Kentaur“ auf dem Drehbuchblatt so aus, in Wirklichkeit wird jedoch nach den ersten 20 Minuten der Erzählung klar – wer das Opfer ist, wer der Bösewicht und wer einfach nur dabei ist. Die hier und da gesetzten Akzente führen nicht in die Irre, aber die Auflösung überrascht dennoch, wenn auch nicht sehr.

Aber das verdirbt keineswegs das solide, zutiefst genrehafte Werk, das aus der Feder des Drehbuchautors Michail Subko stammt, der an der Serie über die Arbeit von Major Tscherkassow ( „Mosgas“ ) arbeitete, und der gekonnten, präzise dosierten Regie von Kirill Kemniz ( „Zombie-Ferien“ ), über die aus dem Produzentensessel wachsam ( „Hardcore“, „Niemand“ ) wachte.

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Dank des letzteren erhielt „Kentaur“ seltene, aber hervorragend inszenierte Actionszenen, adrenalingeladene Verfolgungsjagden durch die Nacht und einfallsreiche Kämpfe, bei denen bis zum Finale Saschas Taxi die Hauptrolle spielt. Untrennbar mit dem Fahrer verbunden und ersetzt es faktisch seinen verletzten Unterkörper. Daher auch der Name – „Kentaur“.

Im breiten Verleih ist der Noir-Thriller „Kentaur“, in dem Ilja Naishuller mit Hingabe seine Lieblingsfilme nacherzählt.
Standbild aus dem Film „Kentaur“

Und wenn die Grundidee des Films durchaus originell wirkt, so sind die künstlerischen Mittel hier recht unbescheiden von längst gefeierten Vertretern des Genres kopiert. Nun, wer erkennt nicht in dem schweigsamen Sascha mit unklarer Vergangenheit („bei Rennen verletzt“, „während des Dienstes als Vertragssoldat verwundet“ – die Versionen der Verletzung sind immer unterschiedlich) den Helden von Jason Statham aus „The Transporter“ oder den Automeister Daniel aus „Taxi“, ganz zu schweigen vom bereits erwähnten Travis Bickle, dessen Bild hier wohl zentral ist. Und die in Neon getauchte Nachtstadt aus „Drive“ oder das Auto, das alle Funktionen der Hauptfigur in sich vereint, wie in Kings „Christine“? Beispiele gibt es viele, aber dafür zu tadeln besteht kein Wunsch, angesichts der meisterhaften und mit welcher Begeisterung die Filmemacher ihren „Kentaur“ erschaffen haben.

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Nun, und wohl der Löwenanteil am Erfolg des Films ist Jura Borissow, dessen markantes Aussehen und minimalistische Mimik perfekt in die allgemeine Atmosphäre der nächtlichen Poetik des Films passen. Die Leinwandchemie zwischen ihm und Talysinas Figur ist von den ersten Minuten an im Bild spürbar. Und die kompakten anderthalb Stunden Erzählzeit reichen völlig aus, um die Figuren zu entfalten und ein paar deftige Schießereien unterzubringen. Was braucht es noch, um diesen Sommer zu einem der Hits des russischen Verleihs zu werden? Nichts weiter.