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Vampire gehören zu den beliebtesten Monstern im Kino. In den letzten Jahrzehnten wurden sie zu verhängnisvollen Liebhabern und Romantikern, Mördern und Superhelden gemacht. 2003 kam „Underworld“ in die Kinos, das den Zuschauern ein weiteres Vampir-Un...

Kate Beckinsale ist eine Schauspielerin, die den Ruf hat, ewig jung zu sein. Sie ist jetzt 49 Jahre alt und sieht aus, als käme sie gerade vom Set von „Underworld“ im fernen Jahr 2003. Wahrlich ein Vampir in Fleisch und Blut im 21. Jahrhundert. Obwohl es wahrscheinlich eher an der Genetik und regelmäßigem Training liegt.

„Underworld“ war für Beckinsale der erste Film in einer Reihe von Filmen, die sich allerlei Monstern widmeten (für die Rolle lebte die Schauspielerin übrigens von einer Diät aus Hühnchen und Kohl). Im darauffolgenden Jahr spielte sie in „Van Helsing“ mit Hugh Jackman, gedreht vom Schöpfer der „Die Mumie“-Reihe Stephen Sommers (auch wenn er schlecht gealtert ist, war er seinerzeit in Sachen Spezialeffekte bahnbrechend). Danach kehrte sie mit wechselndem Erfolg in den schwarzen Latexanzug der unnahbaren Vampirin (und wieder zur Diät) zurück und spielte in insgesamt 3 weiteren Filmen (und einem bildlich), die das düstere, wenn auch oft unlogische Universum von „Underworld“ erweitern.

Underworld, Kate Beckinsale

In diesem Artikel zollen wir dem ersten Teil der Reihe Tribut, der vom Ex-Mann von Kate Beckinsale – Len Wiseman – gedreht wurde (in dem ihr anderer Ex-Ehemann Michael Sheen mitspielte). Der Fantasy-Thriller über den Kampf zwischen Vampiren und Werwölfen feiert in diesem Jahr stolze 20 Jahre, und im Vergleich zu den Fortsetzungen und Prequels hat das Original viel mehr Sinn und interessante Details. Und global betrachtet zeichnet sich diese Reihe dadurch aus, dass sie eines der wenigen Vampirprojekte ist, das nicht auf einem Buch, Spiel oder Comic basiert.

Mythologie

Der Name der Hauptfigur Selene wurde der griechischen Mythologie entlehnt: So heißt die Göttin des Mondes. Das ist sehr symbolisch, wenn man bedenkt, dass die Nacht die liebste Tageszeit der Vampire ist.

Darüber hinaus ließ sich der Drehbuchautor des Films, Kevin Grevioux, beim Schreiben der Heldin von einer weiteren Figur inspirieren – der Superschurkin Selene Gallio, auch bekannt als die Schwarze Königin aus den Marvel-Comics. Diese Figur war eine vampirische Hellseherin aus dem Universum der X-Men und erschien erstmals 1983 in den Comics.

Underworld, Kate Beckinsale

Nicht nur Kate Beckinsale hatte Glück mit ihrer Heldin, sondern auch Scott Speedman, der einen Menschen spielt – einen Träger eines einzigartigen Gens, das die Merkmale von Vampir und Werwolf vereint. Und der sich parallel in die Vampirin verliebt. Laut Drehbuch heißt sein Charakter Michael Corvin, was als Anspielung auf Matthias Corvinus aus Ungarn gesehen werden kann. Der Legende nach war er ein Verbündeter von Vlad Țepeș, dem, der gemeinhin als Vorbild für Graf Dracula gilt.

Handlung und Geschichte

Den ersten Film der „Underworld“-Reihe kann man dem Genre Urban Fantasy mit einer Prise Neugotik zuordnen. Wir bewegen uns in einem vertrauten Setting, das an New York erinnert (laut Handlung aber Budapest), aber aus einem anderen Blickwinkel eröffnen sich plötzlich neue Orte und unerwartete Kreaturen.

Dieses Genre mag einer der großen Fantasy-Meister, Neil Gaiman, der es zum Beispiel in seinem Roman „Niemalsland“ gut ausgekostet hat. Übrigens gibt es zwischen diesem Buch und dem Film viele Ähnlichkeiten: Eine geheimnisvolle Fremde führt den Helden in die Unterwelt Londons, wo sich ihm in den Tunneln eine ganz andere Welt offenbart. Wenn man über Filme spricht, fällt einem zum Beispiel der Comicfilm „Constantine“ von Francis Lawrence ein, der zwei Jahre später herauskam. Dort kämpft Keanu Reeves gegen andere Monster, die im Untergrund existieren.

Underworld, Kate Beckinsale

In „Underworld“ gelang es Len Wiseman, dieses Gefühl der Unwirklichkeit, des Andersseins, zu erzeugen. Wir sehen einen U-Bahnsteig, fühlen uns aber wie in einer anderen Dimension. Dieses Gefühl entsteht nicht nur durch die Geschichte, sondern auch durch düstere Farbkorrektur, Kulissen im Bild, Betonung bestimmter Details in der Szene. Und der Satz „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ verwandelt sich im Universum von „Underworld“ in ein Äquivalent von „Vampir und Werwolf sind Feinde“.

Monster werden oft als Metapher verwendet, die die Psychologie der Menschen und die Anpassung an gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt. Früher wurde Monströsität im Film genutzt, um über Rassenintoleranz zu sprechen, in letzter Zeit wird sie in Diskussionen über die Rechte verschiedener Minderheiten eingesetzt. In „Underworld“ war eine solche Subtext von Anfang an angelegt. Wie Drehbuchautor Kevin Grevioux zugab, basiert die Liebesgeschichte von Selene und Michael auf der Idee interrassischer Beziehungen. Und der Film selbst wurde ursprünglich als „Romeo und Julia für Vampire und Werwölfe“ positioniert. Erst später weitete sich das Thema zur jahrhundertealten Fehde zwischen zwei Clans verschiedener Monster aus.

Underworld, Kate Beckinsale

Solche Ideen halfen, die Hauptfiguren vor Pappmaché zu bewahren. Es gibt hier keine ausschließlich positiven und negativen Helden: Jedes „Monster“ birgt sowohl Gutes als auch Schlechtes. Und im Finale müssen die Figuren eine moralisch schwierige Wahl treffen: sich gegen die Liebe oder die Blutsverwandtschaft stellen. Eine andere Frage ist, dass im Rahmen eines actionreichen Films den Machern die Zeit (oder vielleicht etwas anderes) fehlte, um zumindest den Hauptfiguren Tiefe zu verleihen – ihre persönlichen Farben sind recht oberflächlich aufgetragen.

Die überraschende Besetzung

Man kann über „Underworld“ sagen, was man will, aber eine Tatsache ist unbestreitbar – im ersten Teil gelang es, eine gute Besetzung zusammenzustellen. Da sind die verführerische Kate Beckinsale, die kurz zuvor in Michael Bays Actiondrama „Pearl Harbor“ für Aufsehen gesorgt hatte, und der noch nicht ganz zum Star gewordene, aber bereits bekannte Scott Speedman – der Star der Jugendserie „Felicity“ mit Keri Russell. Die wahren Juwelen waren jedoch Michael Sheen, der den Anführer der Werwolfbande spielte, und Bill Nighy, der den Vampir-Ältesten darstellte.

Underworld, Bill Nighy
Bill Nighy im Film „Underworld“

Es gab sogar Gerüchte, dass Regisseur Len Wiseman David Bowie für die Dreharbeiten gewinnen wollte, damit dieser seine Vampirrolle aus dem Film „Begierde“ wiederholt. Leider ließen sich die Termine nicht abstimmen.

Angesichts des Filmgenres (und des kleinen Budgets, das keine großen Gagen erlaubte) ist es interessant zu erfahren, womit Wiseman zum Beispiel Michael Sheen und Bill Nighy überzeugte. Kate Beckinsale hingegen sagte oft in Interviews, dass die Rolle der Selene sie durch die traumatisierte Figur anzog, die viele persönliche Tragödien erleiden musste.

Underworld, Michael Sheen
Michael Sheen im Film „Underworld“

Übrigens wurden für die Rolle der Hauptvampirin Milla Jovovich und Halle Berry in Betracht gezogen. Später fand jede von ihnen ihren eigenen Film, in dem sie im Latexanzug glänzen konnte.

Kaum (fast) Computeranimation

Mystische Fantasy bedeutet immer zur Hälfte Computeranimation. Vampiren die Reißzähne einzusetzen ist eine Sache von fünf Sekunden, aber bei der Ausarbeitung der restlichen Fantasiewelt wird es schon schwieriger. Dennoch griff Len Wiseman, für den dieser Film das Debüt war, nicht übermäßig auf Computeranimation zurück und entschied sich, wenn möglich, alles live zu drehen.

So sind zum Beispiel die riesigen zotteligen Gestalten der Werwölfe echte Animatronics, also robotische Modelle der Werwölfe, die für die Dreharbeiten geschaffen wurden. Es gab auch spezielle Kostüme, die Stuntmen für Actionszenen trugen. Die Wunder der Computertechnologie mussten in den Szenen eingesetzt werden, in denen die Verwandlung eines Menschen in einen Werwolf in Großaufnahme gezeigt wird.

Ein weiteres Beispiel für Realdrehs ist der effektvolle Sprung der Hauptfigur von einem Gebäudeturm zu Beginn des Films. Er wurde in mehreren Anläufen unter Beteiligung von Stuntmen und Beckinsale selbst im Moment der Landung gedreht.

Die technische Schwierigkeit der Inszenierung einiger Szenen ist ein Markenzeichen von „Underworld“. In der Szene, in der Michael Sheen als Werwolf bei einer Verfolgungsjagd mit dem Auto auf über 50 Meilen pro Stunde beschleunigt, wurde beispielsweise eine spezielle Schleppvorrichtung verwendet. Dadurch war es möglich, diesen Moment einzufangen und real das Gefühl von rasender Geschwindigkeit zu erzeugen.

Anspielungen und Zitate

„Underworld“ ist nicht nur reich an Vampirzähnen und haarigen Werwolffellen, sondern auch an Anspielungen auf die Popkultur. Die schwarzen Latexanzüge sind beispielsweise eine Hommage an Matrix, der 1999 den Trend zu solchen Outfits in der Popkultur losgetreten hatte.

Underworld, Kate Beckinsale

Anfang der 2000er Jahre sprach man in der Musikindustrie intensiv über die Band Evanescence. Sie schoss unter anderem durch den kraftvollen weiblichen Gesang von Amy Lee im Vergleich zu anderen Rockbands der damaligen Zeit mit männlichen Sängern in die Höhe. Und 2003 erschien das Album „Fallen“, das ihnen zwei Grammys einbrachte. In der Popkultur erlangte Evanescence Berühmtheit durch den Film „Daredevil“ mit Ben Affleck und Jennifer Garner: Bei all seinen Mängeln sind die Soundtracks „My Immortal“ und „Bring Me To Life“ unbestreitbare Vorzüge. „Underworld“ zollt der Rockband ebenfalls Tribut, indem es im Sound die Gothic-Ikone Amy Lee zeigt.

Wenn man über Filmzitate spricht, gibt es in Len Wisemans Film eine Szene, die uns zum Sci-Fi-Film Nemesis 2 aus dem Jahr 1995 führt, in dem übrigens der Regisseur von „John Wick“, Chad Stahelski, mitspielte. Dort schießt die Heldin ebenfalls Magazine leer, zeichnet einen Kreis um sich und durchlöchert den Boden, um vor Feinden zu fliehen.

Eine weniger offensichtliche, aber dennoch interessante Anspielung wurde in der Tunnelszene verwendet, in der die Heldin auf einen Werwolf trifft. Im Hintergrund hört sie ein Wolfsgeheul: Dieser Soundeffekt wurde aus „American Werewolf in London“ von 1981 entlehnt.

Insgesamt war die Atmosphäre der Vampirhöhle, deren Spitze aus Aristokraten in ausgefallenen Kleidern besteht, von alten Vampirhorrorfilmen inspiriert. Dort wurden die Blutsauger oft als Elite der Gesellschaft dargestellt. Gleichzeitig wollten die Macher von „Underworld“ diese Sichtweise erneuern, indem sie Latex, moderne Waffen und andere Attribute des beginnenden 21. Jahrhunderts hinzufügten.

Teil des Vampir-Film-Universums

In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre entfernten sich Vampire vom Image des Liebhaberhelden oder des Hauptmonsters in Horrorfilmen, manchmal auch Komödien, und begannen aktiver, die Rolle einer Art Superhelden anzunehmen. Erste Ansätze zeigen sich in der Jugendserie Buffy – Im Bann der Dämonen, in der wir den Vampir Angel auf der Seite des Guten kennenlernen, und später Spike – eine von Natur aus zwielichtige Figur, die letztendlich positiv wird. Der erste vollwertige Superheld aus dem Vampirgeschlecht ist jedoch Blade, dargestellt von Wesley Snipes im Jahr 1998. Er lebt im Untergrund, hat keine Angst vor der Sonne, unterdrückt den Durst mit einem speziellen Serum und tötet seine Artgenossen. Und Selene ist im Grunde die weibliche Version von Blade, nur mit Lichtscheu.

Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen den Vampirwelten von Selene und Blade: Die darin lebenden Wesen befolgen die gleichen Überlebensgesetze, befinden sich im Krieg mit Werwölfen und untereinander, sie haben Untergrundorganisationen, und vor allem gibt es dort eigene Rebellen, die sich mit Menschen zusammenschließen. Es überrascht nicht, dass die Macher von „Underworld“ ein Crossover mit der „Blade“-Reihe machen wollten, um Kate Beckinsale und Wesley Snipes auf der Leinwand zu vereinen. Sie wandten sich mit einem solchen Vorschlag an Marvel, aber die lehnten ab.

Underworld, Kate Beckinsale
Selene kann mit dem Schwert umgehen, genau wie Blade, wenn auch nicht so virtuos.

Dennoch gab es eine gewisse Verbindung zwischen den beiden Reihen dank des Schauspielers Tony Curran, der Marcus Corvinus in „Underworld: Evolution“ spielte. Er war auch in der Rolle des Vampirs namens Priester in „Blade 2“ zu sehen.

Interessanterweise war die Idee eines Crossovers nicht nur mit „Blade“ da. Produzent David Kern dachte während der PR-Kampagne für „Underworld: Blood Wars“ darüber nach, vorzuschlagen, die Vampirwelt mit der Zombiewelt aus der „Resident Evil“-Reihe zu vereinen. Aber er wagte nicht, diese Idee öffentlich zu äußern, und später erklärte Paul W. S. Anderson selbst, dass er einen solchen Twist nicht gutheißen würde.

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Nadezhda Vasilyeva
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Nachwort

Latexanzüge, Neugotik, die verführerische Kate Beckinsale mit blauen Kontaktlinsen, eine Fülle von qualitativ hochwertiger Action und Hintergrundfakten zusammen mit einer guten Besetzung und einer düsteren visuellen Atmosphäre (dank der Art Direction) bescherten dem ersten Film eine ausreichende Fangemeinde, die treu die nicht gerade gelungensten Sequels und Prequels der Reihe ertrug.

Das originale „Underworld“ wurde zu einem weiteren Baustein in der Geschichte der Vampir-Superhelden, wobei es zwar sexualisierte, aber dennoch weibliche Bilder in den Vordergrund rückte. Daher kann man getrost behaupten, dass der Film seinen Beitrag zum Prozess der Neubewertung der Rolle von Vampiren in der Popkultur des frühen 21. Jahrhunderts geleistet hat, was ihm den Status eines Kultfilms zumindest unter Genre-Fans eingebracht hat.

Underworld, Kate Beckinsale

Und man muss sagen, dass „Underworld“ auch nach 20 Jahren nicht wie ein gealterter Film wirkt, sondern im Gegenteil – immer noch ein ziemlich guter atmosphärischer Actionfilm im Fantasy-Genre. Und angesichts all des oben Geschriebenen kann man sogar behaupten, dass der erste Film, der eine ziemlich große Reihe startete, eine Bedeutung für das gesamte Vampir-Film-Universum hat, das sich seit vielen Jahrzehnten formt und die unterschiedlichsten Figuren umfasst.