
In den russischen Kinos ist „The Covenant“ gestartet, der neue Film von Guy Ritchie. Und der Regisseur selbst ist auch neu – düster und ernst, aber immer noch rhythmisch und mitreißend.
In einer kreativen Phase, in der kein Platz für leichten Humor ist, vermeidet Guy Ritchie seine geliebten Lausbuben-Tricks. Wenn er über Solidarität, Pflicht und Humanismus sinniert, scherzt der Regisseur überhaupt nicht und verwendet auch nicht seinen typischen Schnitt. Sein neues Image – oder vielmehr sein wahres Gesicht – ruft anstelle eines permanenten Lächelns den Wunsch hervor, die Fäuste zu ballen und die Nägel in die Handflächen zu graben. Ist das schlecht? Kaum. Ist es interessant? Zweifellos.
2018. Das Ende des 20-jährigen US-Militäreinsatzes in Afghanistan, der 2021 zur Machtübernahme der Taliban führen wird, rückt näher. Damals meldeten sich über 50.000 einheimische Übersetzer, um den Amerikanern im Austausch für eine Garantie auf die US-Staatsbürgerschaft zu helfen. Ob der „Pakt“ (The Covenant – der Originaltitel des Films) eingehalten wird, ist bekannt, aber Ritchie konzentriert sich nicht ausschließlich auf die Interpretation der amerikanischen Politik in Afghanistan, „die letztlich erfolglos blieb“; er untersucht Fragen der Menschlichkeit.
Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des afghanischen Übersetzers Ahmed (Dar Salim) und des US-Soldaten John Kinley (Jake Gyllenhaal) erinnert einmal mehr daran, dass man jedes Problem selbst lösen muss. So zeigt sich dies nicht in Kämpfen mit den Taliban, sondern im Umgang mit einer seelenlosen bürokratischen Maschine. Und selbst hier gelingt es Ritchie, der Gesellschaft eine eindeutige Diagnose zu stellen und gleichzeitig eine erstklassige Show mit packenden Schlachtszenen zu liefern.
Der erste Akt, der schwungvollste, ist traditionell für einen Kriegsfilm: Der Feind schläft nicht, überall lauert Gefahr. Im zweiten Akt, dem aufregendsten, verwandelt sich der Actionfilm in einen packenden Thriller. Im dritten, dem bewegendsten, wird er zu einem moralischen Urteil über eine kaputte Weltordnung. Dabei ist zwischen den genreübergreifenden Teilen eines Drehbuchs keine Dissonanz zu spüren: Ritchies ausgefeilte Dramaturgie triumphiert auch hier. So gelingt es ihm hervorragend, Action, die persönliche Geschichte der Helden und eine wütende Anklage gegen Ungerechtigkeit zu verbinden.
Für den Präsenzeffekt sorgt die Kamera des weniger bekannten Ed Wild, der Ritchies gewohnten Kameramann Alan Stewart ersetzte. Wild lieferte zahlreiche untypische visuelle Lösungen, die die Arbeiten des im Konfliktgebiet getöteten britischen Fotojournalisten Tim Hetherington zitieren, und die „dissonanten Saiten“ des Komponisten Christopher Benstead lassen einen buchstäblich im Herzen des Geschehens fühlen.
Der Wechsel zwischen dynamischer Reportageaufnahmen und epischen, mit Drohnen aufgenommenen Panoramen, die statt der erwarteten endlosen Wüste spärlich bewachsene Berge und Hügel zeigen, erinnert an die Struktur des Films „The Covenant“, in dem sich die Ereignisse bald beschleunigen, bald verlangsamen, was es erlaubt, die Aufmerksamkeit des Zuschauers über die gesamten zwei Stunden Laufzeit zu fesseln.
Trotz der Neuerungen hat Ritchie jedoch wieder einen extrem maskulinen Film über eine Männerwelt gedreht, in der es ausschließlich coole Typen gibt. Die Sache ist nur, dass die Helden selbst unter Bedingungen, in denen die Gefahr an jeder Ecke lauert, nach ihrem Gewissen handeln. Und das ist wirklich erwachsenes, großes Kino.
Trailer:
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