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Auf Apple TV+ ist die erste Staffel der Serie „Shrinking“ mit Jason Segel und Harrison Ford zu Ende gegangen. Wir erzählen von einem neuen Wohlfühlprojekt im Streaming-Angebot, bei dem jeder Charakter psychologische (und nicht nur) Probleme hat, aber...

„Shrinking“ ist eine Serie, die von Jason Segel, Brett Goldstein und Bill Lawrence entwickelt wurde. Letzterer hat Meisterwerke wie „Scrubs“ und „Ted Lasso“ in seinem Portfolio. Daher rührt auch die Ähnlichkeit in Atmosphäre und Humor zwischen den Projekten. Man möchte sie einschalten, entspannen und für die Dauer einer Episode alle Probleme vergessen. Im Grunde genau das passiert beim Anschauen.

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Roman Kovalev
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Was ist die Handlung?

Der Psychotherapeut Jimmy (Jason Segel) ist untröstlich über den Tod seiner Frau. Der Held hat sich zurückgezogen, trinkt viel und nimmt Drogen, hat den Kontakt zu seinem besten Freund Brian (Michael Urie) abgebrochen, ist seiner Arbeit überdrüssig, bei der er das Gefühl hat, den Menschen nicht zu helfen, und hat sich zudem von seiner Teenager-Tochter Alice (Lukita Maxwell) entfremdet, die ebenfalls unter dem Verlust leidet. Das Leben läuft nicht gut, und so verliert der Held eines Tages die Beherrschung und vergisst die Berufsethik, indem er seinen Patienten sagt, was er wirklich denkt. 

Unerwarteterweise trägt die Therapie Früchte und verändert nicht nur das Leben der Menschen, sondern auch sein eigenes. Seine Kollegen Gaby (Jessica Williams) und Paul (Harrison Ford) unterstützen diese Methode zwar nicht, verbieten dem Helden aber auch nicht, zu tun, was er will. Infolgedessen findet der Psychologe in einem seiner Patienten – dem Afghanistan-Veteranen Sean (Luke Tennie) – einen neuen Freund, nimmt den Kontakt zu Brian wieder auf und versucht, die Beziehung zu seiner Tochter zu reparieren, die in der Zwischenzeit von der Nachbarin Liz (Christa Miller) betreut wurde.

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Man könnte meinen, mit einer solchen Handlung und einem Haufen Probleme der Figuren sei „Shrinking“ nichts anderes als ein ernstes Drama, in dem die Helden versuchen, die schwersten Schicksalsschläge zu verkraften. Aber nein. Es ist eine sehr lustige und leichte Serie, die helfen kann, zu entspannen und die Stimmung zu heben. Das Projekt findet das Lustige dort, wo Spaß scheinbar völlig fehl am Platz ist. 

Denken Sie nur: Hilfe braucht hier so gut wie jeder. Jimmy und Alice verarbeiten den Verlust eines geliebten Menschen jeder für sich und entfremden sich voneinander. Sean leidet nach seiner Rückkehr aus Afghanistan unter PTBS und unkontrollierbarer Aggression. Gaby macht sich Sorgen wegen ihrer bevorstehenden Scheidung. Brian verbirgt hinter seinem Narzissmus seine Unsicherheit und ist verbittert darüber, dass sein Vater sich nicht vollständig mit seiner Sexualität abgefunden hat. Liz kümmert sich um das Nachbarskind und versucht so, die innere Leere zu füllen, die nach dem Auszug ihrer Söhne entstanden ist. Und bei Paul wurde Parkinson diagnostiziert, wovon er es nicht übers Herz bringt, seiner erwachsenen Tochter zu erzählen, weil er sich schuldig fühlt, dass er jahrelang nicht für sie da war. Und das ohne die Patienten von Jimmy!

Sorglos in dieser Runde ist nur Liz‘ Ehemann Derek (Ted McGinley). Er scheint von nichts belastet zu sein und freut sich immer am Leben, wobei er in alle Richtungen Witze reißt.

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Jason Segel und Michael Urie in einer Szene aus der ersten Staffel der Serie „Shrinking“ (2023)

Das Wichtigste aber ist, dass die Macher die Zuschauer trotz der Fülle an ernsten Lebensschwierigkeiten der Helden überhaupt nicht damit belasten. Die Serie hat eine sehr ungezwungene Erzählweise, so dass all diese Widrigkeiten beim Anschauen gar nicht spürbar sind. Die Helden haben so viel Leben und Optimismus, dass der Zuschauer selbst in den schwersten, unangenehmsten und dramatischsten Momenten kein Unbehagen verspürt. Man fühlt sich in der Gesellschaft dieser Menschen immer wohl und unterhalten. Eine solche leichte und entspannte Atmosphäre kann jede Stimmung verbessern.

Bei all seinem Elan ist „Shrinking“ eine völlig utopische Serie. Im wirklichen Leben wäre so etwas kaum möglich. Die Figuren werden im Handumdrehen beste Freunde (fast schon Familie), teilen leicht ihre Sorgen und lösen die meisten Probleme so schnell, dass man kaum blinzeln kann (buchstäblich in einer Episode). Auf diese Weise versuchen die Macher uns zu vermitteln, dass alle Widrigkeiten früher oder später nachlassen und das Leben sich wieder einrenken wird, aber man muss sich unbedingt an den lieben Menschen festhalten, der einem hilft, aus jedem Loch herauszukommen. 

Das Projekt gleicht einem Lächeln, das den Schmerz verbirgt. Denn wenn man diesen fröhlichen Vorhang beiseite schiebt, kann man erkennen, dass die Autoren mit den Zuschauern über viele aktuelle und wichtige Themen sprechen wollen. In „Shrinking“ werden Themen wie psychische Gesundheit, menschliche Beziehungen, Toleranz, Rassismus, Sexismus und gegenseitiges Verständnis innerhalb der Familie angesprochen. Nur wird dies in einer lockeren und natürlichen Form präsentiert, damit der Zuschauer nicht denkt, dass die Macher ihn unter Druck setzen. 

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Jessica Williams in einer Szene aus der ersten Staffel der Serie „Shrinking“ (2023)

Ein weiterer Grund für die Entstehung der Serie ist der zu Ende gehende „Ted Lasso“. Apple TV+ sucht offensichtlich einen Ersatz für den Fußballtrainer, da es das Interesse des Publikums an guten und komfortablen Projekten erkannt hat. Leider nähert sich die Geschichte von Jason Sudeikis‘ Figur ihrem logischen Ende, und seine Zuschauer müssen bei der Stange gehalten werden, daher entstand das wohlige „Shrinking“, das bereits für eine zweite Staffel verlängert wurde.

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Das Ende der ersten Staffel ist übrigens kein bisschen gut und verheißt dem Hauptdarsteller große Probleme in den neuen Episoden. Umso interessanter wird es zu beobachten, ob die Showrunner bei dieser Konstellation das Wohlfühl-Niveau halten können und wie die Figur mit den neuen Schicksalsschlägen umgehen wird.

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Die Besetzung ist genauso wohlig wie die Serie selbst. Es gibt hier keine einzige negative Figur (naja fast, in jeder Familie gibt es einen Abuser), und der Hauptantagonist ist das Leben selbst, das immer neue Prüfungen bereithält. Dadurch empfindet der Zuschauer gegenüber keinem der Helden Negativität, sei es die sich in fremde Angelegenheiten einmischende Liz oder der ungesellige und verschlossene Griesgram Paul. Die Schauspieler spielen so natürlich, dass man den Eindruck gewinnt, sie seien nicht nur auf dem Bildschirm, sondern auch am Set wie eine große Familie gewesen, die bereit war, alle Freuden und Widrigkeiten gleichermaßen zu teilen. 

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Harrison Ford und Lukita Maxwell in einer Szene aus der ersten Staffel der Serie „Shrinking“ (2023)

Besonders charmant ist der mürrische und ewig unzufriedene Harrison Ford. Seine Figur kann eine Grobheit sagen, sich unethisch verhalten oder in einem Dialog sarkastisch antworten, aber man wird trotzdem lachen und wollen, dass er öfter im Bild erscheint. Es ist einfach allen um ihn herum klar, dass sich hinter dem errichteten Schutzwall aus Sarkasmus und Herzlosigkeit ein ganz anderer Mensch verbirgt. Er hat sich einen sozialen Panzer zugelegt, um seine Unverwundbarkeit gegenüber der Gesellschaft zu demonstrieren, aber in einer Welt der Güte und des gegenseitigen Verständnisses bricht selbst die stärkste Rüstung. Paul wird schnell zum Lieblingscharakter (gleichauf mit dem großartigen Derek) dank seiner Sarkastik, Direktheit und Charisma. 

Auch mit Humor kann „Shrinking“ glänzen. Mögen manche Witze zu direkt und flach sein, so bestechen doch die Menge an Sarkasmus und eine Prise schwarzer Humor, der nicht ins Ordinäre abgleitet. Alle Gags sind sehr elegant geschrieben und präsentiert, so dass sie niemanden beleidigen und nicht auf der Kippe stehen. Alles bewegt sich im Rahmen des Erlaubten. 

Und selbst das, was in einem anderen Projekt peinlich und abstoßend wirken würde, sieht hier lustig und komisch aus. Man denke nur an die sechste Episode, die einer Party zur Verlobung eines schwulen Paares gewidmet ist, auf der Paul unter dem Einfluss von Alkohol und „Gummibärchen“ ständig an seiner Krawatte kaut und mit einer Tüte „Doritos“ durchs Haus streift, oder Jimmy, der aus Kummer wieder betrunken ist und Brians feierlichen Moment ruiniert, indem er mit ihm das Duett Joe Cockers „You Are So Beautiful“ singt (nebenbei bemerkt, für die Musikrechte hat Apple offenbar tief in die Tasche gegriffen), während dem er sich auf seinen Flügel übergibt. Unglaublich lustig. In jedem anderen Projekt wäre dem Zuschauer die Situation peinlich, aber die familiäre Atmosphäre von „Shrinking“ lässt keine negativen Emotionen gegenüber der Serie aufkommen.

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Christa Miller und Ted McGinley in einer Szene aus der ersten Staffel der Serie „Shrinking“ (2023)

Die Beziehungen der Helden sind zwar nicht ideal, aber sie sind so herzlich, dass man glauben möchte, so etwas sei in der realen Welt tatsächlich möglich. Wenn alles so einfach wäre, gäbe es auf der Erde nicht so viele Krisen und Katastrophen, und Meinungsverschiedenheiten würden schneller und, was am wichtigsten ist, mit Worten beigelegt. Alle Widrigkeiten würden die Menschen gemeinsam durchstehen und ihre Emotionen und Probleme miteinander teilen. Leider ist das nicht der Fall, aber dafür ist „Shrinking“ bereit, für eine Weile die Atmosphäre zu schenken, dass so etwas möglich ist. 

Diese kleine Gruppe von Fremden kann einen mit familiärer Wärme umgeben und helfen, einen einsamen oder traurigen Abend zu verschönern. Man muss ihnen nur eine Chance geben und ein Türchen seines Herzens öffnen, anstatt zu nörgeln und zu schimpfen, dass im wirklichen Leben niemand so handelt: weder Psychologen noch Menschen.  Aber das ist ja die Welt des Kinos, warum sollte man der Serie also nicht Naivität und Utopismus verzeihen, um angenehme Emotionen und Spaß zu haben? Ist es wirklich besser, in einer grauen Realität zu leben und nie die Probleme zu vergessen? Meiner Meinung nach ist es besser zu lachen und zu albern, als ständig an Trauriges zu denken und sich in Negativität zu vergraben, dabei die Lebenslust zu verlieren. 

Was ist das Fazit?

„Shrinking“ rechtfertigt seinen Namen voll und ganz, indem es eine positive Wirkung auf den Zuschauer ausübt. Anhand von Beispielen auf dem Bildschirm lehrt es, keine Angst vor seinen Problemen zu haben und zu versuchen, sie mit einem Lächeln im Gesicht zu lösen. Ein Projekt, in dem es allen Figuren schlecht geht, tut dem Zuschauer gut und schafft eine Atmosphäre häuslicher Gemütlichkeit. 

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Jason Segel und Luke Tennie in einer Szene aus der ersten Staffel der Serie „Shrinking“ (2023)

Wenn man die Serie in einem Satz beschreiben müsste, käme so etwas heraus wie: „Der Schuster ohne Schuhe versucht anderen zu helfen, um sich selbst zu helfen.“ Mag sie auch nicht an „Ted Lasso“ und „Scrubs“ heranreichen, so hat sie doch das Zeug, eine neue Wohlfühlserie zu werden. Hauptsache, die Macher verlieren in Zukunft nicht ihren eigenen Optimismus und machen weiterhin so, dass ihre Figuren in jeder schwierigen Situation das Leben wählen.