
Am 30. März kommt „Aita“ in die Kinos, der neue Film des jakutischen Regisseurs Stepan Burnaschow („Schwarzer Schnee“), in den sich diesmal auf einmal Fincher, Winding Refn und Carpenter vereint zu haben scheinen. Diesen Film kann man nicht nur sehen...
Jakutische Provinz. Heutzutage. Ein Mädchen namens Aita hinterlässt vor einem Selbstmordversuch einen Zettel, auf dem der Name Afonja steht. Am Vorfall hatte der örtliche Polizist Afanassi, für Freunde – Afonja (Andrei Fomin), Aita nach einer Party mit dem Dienstwagen mitgenommen. Aufgrund dieser beiden Tatsachen wird der Gesetzeshüter zum Hauptverdächtigen des Unglücks, und die sozialen Netzwerke brandmarken ihn blitzschnell als Pädophilen.
Die Unschuldsvermutung wurde nicht aufgehoben, daher versucht der Ermittler Nikolai (Innokenti Lukowzew), trotz des Wunsches der örtlichen Bevölkerung, an Afanassi Selbstjustiz zu üben, der Wahrheit auf den Grund zu gehen, bevor ein Unglück geschieht.
Mensch gegen Mensch...
Regisseur Stepan Burnaschow nahm eine wahre Geschichte zur Grundlage, die ihm Bekannte erzählten, und baute darauf einen einfachen, aber starken Konflikt auf. An die Stelle des vielerorts überdrüssig gewordenen Themas des Kampfes des Menschen gegen das System trat eine weitaus schrecklichere Konfrontation – Mensch gegen Mensch. Und im Grunde gibt es hier keine Rechten und Schuldigen. Es ist eine Frage der Perspektive.
Dabei geht es nicht einmal um den offensichtlichen Konflikt zwischen dem Vater des Mädchens, der um jeden Preis Rache am Täter nehmen will, und dem Angeklagten, der im Film weitgehend ausgeklammert wird, sondern um den Polizisten, der versucht, in einer Situation rational und leidenschaftslos zu denken, in der dies äußerst schwierig ist. Letzterer muss entweder gegen sein eigenes Volk oder gegen seine eigenen Ansichten und Überzeugungen handeln.
Neben dem Thema der Suche nach Gerechtigkeit auf verschiedenen Wegen streifen die Autoren auch beiläufig, aber ohne die Kanten zu glätten, Fragen des Chauvinismus. In diesem Fall findet eine für unser Kino ungewohnte Inversion statt – in der Minderheit, als Fremder, befindet sich ein Russe. „Alle Russen sehen gleich aus“, sagt einer der Charaktere zur zusätzlichen Abschreckung.
Aber so wie Nikolai, der Afonja nicht als Russen oder Kollegen, sondern als Menschen betrachtet, wird auch dem Zuschauer angeboten, die Situation insgesamt breiter zu sehen und immer in erster Linie Menschen zu bleiben, nicht Vertreter von Nationalitäten oder Ethnien. Und die aufgeworfenen Themen sind ebenfalls universell, ob sie nun im jakutischen oder im koreanischen Kino erzählt werden.
Nur Gott wird vergeben
Der Reiz des Films „Aita“ liegt darin, dass er inhaltlich klug und philosophisch ist (die Themen Rache und Vergebung koexistieren hier gemütlich) und formal sehr spektakulär. Man kann ihn einen Art-Blockbuster nennen, und das ist nicht im Geringsten gelogen.
Trotz des offensichtlich bescheidenen Budgets kann „Aita“ mit einem stilvollen körnigen Bild aufwarten, das den Zuschauer einzuhüllen und weit weg zu entführen scheint. In manchen Episoden könnte man meinen, dies sei nicht von einem unserer Landsleute gedreht worden, sondern von einem Nicolas Winding Refn, der sich an der Schönheit der auf den ersten Blick unvereinbaren säurehaltigen Neonlichter und des Polizeiwagens im jakutischen Feld berauscht.
Weitere Referenzen, die einem in den Sinn kommen:
- John Carpenter mit seinem „Angriff auf Polizeistation 13“, aber während der Amerikaner eine fast apodiktische Trennung von Gut und Böse hatte, gibt es bei Burnaschow einen vor Kummer wahnsinnigen Vater, den man kaum böse nennen kann, und in puncto Spektakel sind die Arbeiten durchaus vergleichbar;
- David Fincher mit seinen frühen Thrillern. Wie beim Hollywood-Meister spielen Atmosphäre und Ambiente bei Burnaschow eine wichtige Rolle, daher hört der Regen im Bild nicht auf, der zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht nur Hintergrund, sondern eine am Geschehen beteiligte Figur wird.
Solche Vergleiche an sich sollten dem jakutischen Regisseur schmeicheln, aber seine Verdienste nicht schmälern. Sein „Aita“ ist in jeder Hinsicht ein eigenständiger Film, den man sich gerne ansieht und analysiert, und mögliche Anspielungen oder Verbeugungen vor den Großen sind zumindest respektabel.
„Aita“ ist ein faszinierender Film. Man hätte ihn auf Autorenfestivals und in der Reihe der Publikumsfilme sehen können. Dank dieser Balance kann man ihn als hundertprozentigen Glücksfall für das jakutische und russische Kino bezeichnen.
Trailer:
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