
Im Online-Streaming: die Comedy-Slasher „Cocaine Bear“. Ein Film, der das Publikum verzweifelt zum Lachen bringen will. Aber das gelingt ihm schlecht.
Mitte der 80er Jahre ereignete sich in den USA ein ziemlich wilder Vorfall, an den nur Anhänger von Verschwörungstheorien glauben konnten. Über dem Waldschutzgebiet im Bundesstaat Georgia stürzte ein einmotoriges Flugzeug ab, das bis zum Rand mit Kokain beladen war. Bevor das Flugzeug abstürzte, warf der Pilot einen Teil der Ladung über dem Wald ab, wo ein wilder Bär sie fand und fraß.
Am Ende starb der arme Bär, ohne jemandem zu schaden, aber der Drehbuchautor von „Cocaine Bear“, Jimmy Warden (der die annehmbare Komödie „The Babysitter: Killer Queen“ schrieb), griff diese Geschichte begeistert auf. Er verwandelte den Bären in eine Bärin, ließ sie nicht nur die Schockdosis Kokain überleben, sondern auch verrückt werden und alles zerfleischen, was ihr vor die Augen kommt. Im unglückseligen Wald befinden sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Personen: der Besitzer der Ladung selbst (letzte Rolle von Ray Liotta) mit seinen Komplizen, eine verzweifelte Mutter (Keri Russell), die ihre die Schule schwänzende Tochter und deren Freund sucht, ein Trio von örtlichen Schlägern, ein Detektiv, der den Kriminellen auf der Spur ist (Isiah Whitlock Jr.), und die Ranger des Schutzgebiets.

„Cocaine Bear“, dessen einfallsreiches Konzept (Tony Montana im Bärenfell - unfassbar) dank viral gegangener Ausschnitte in den sozialen Medien der offiziellen Premiere weit vorausgeeilt war, erwies sich am Ende als ziemlich oberflächliches Machwerk.
Nach der Idee der Autoren sollte das Konzept selbst mit seinem wahren Hintergrund dem Zuschauer sofort den Boden unter den Füßen wegziehen und ihm ein nervöses Kichern entlocken, der Rest sei reine Technik. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es bleibt nur, die Bärin ordentlich zu rendern (was gelungen ist, aber stellenweise 50/50) und alles um sie herum mit abgerissenen Gliedmaßen (die wirklich erschreckend sind) zu übersäen. Um den Rest hat man sich entweder im Eifer des Gefechts nicht mehr gekümmert oder im Nachhinein einfach die Hand aufgegeben.
Bei einem guten Leinwandtempo, das genau im Takt des Getrampels der Bärin hinter ihrem nächsten Opfer herläuft, entbehrt „Cocaine Bear“ völlig des Witzes. Jenes Witzes, der den Film von Elizabeth Banks in eine Reihe mit „Tucker & Dale vs. Evil“ oder etwa „Dead Snow“ gestellt hätte. Denn Humor ist nicht nur ständiges Herumgerenne, albernes Geplapper (das alles ruft ungeschickt nach Tarantino) und Szenen im Stil des Exploitationkinos der 70er. All das ruft nicht einmal ein sarkastisches Lächeln hervor, und mehr kann der Film einfach nicht bieten. Abgesehen von der Szene, in der das Pulver auf die Bärin wirkt wie der Käse auf die Maus Rocky aus „Chip und Chap: Die Ritter des Rechts“. Aber das wird schnell langweilig.

„Cocaine Bear“ versucht ohne jede Einschränkung, in einem Gefäß einen ausgelassenen Splatter, ein Familiendrama (unerwartet), Aussagen über die Schädlichkeit von Drogen und die Wechselbeziehung (bzw. deren Fehlen) zwischen Mensch und Natur zu vereinen. Mit dem richtigen Werkzeug und einer sicheren Hand der Filmemacher hätte die Verbindung zumindest interessant sein können. Aber leider ist weder das eine noch das andere bei Elizabeth Banks und ihrem Team zu sehen.
In manchen Momenten wird im Film ständig die Frage gestellt: „Was stimmt nicht mit diesem Bären?“ Mit ebenso großer Sicherheit könnte man sie auch an die Autoren des Films richten, denn die ganze Faktur liegt auf der Hand, alle Bestandteile eines guten Unterhaltungsfilms liegen direkt in der Hand, die körnigen 80er mit bunten Kostümen und lackierten Karren sind vorhanden. Mit solchen Daten hätte man sich einen Film gewünscht, der auch zahniger ist. Aber wie man so sagt: Unsere Erwartungen sind unsere Probleme.
Am Ende ist „Cocaine Bear“ nur in seinem Titel einfallsreich geworden. Ansonsten ist es ein nicht unbedingt notwendiger, überladener und etwas langweiliger Film. Aber es besteht die Hoffnung, dass beim nächsten Mal, wenn so etwas Ähnliches herauskommt (und die Filmemacher haben bereits Haie unter Drogen in Planung), die Erwartungen erfüllt werden.
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