
Die Berlinale ist oft nicht nur für ihr Hauptprogramm bekannt, sondern auch für die Sektion Panorama, um zwei herausragende Filme daraus – „Inside“ und „Reality“ – wird es in diesem Artikel gehen.
„Inside“
„Inside“ ist ein stumm schreiender Film über die Suche und den Verlust des Selbst in den Tiefen der Seele in völliger Isolation. Es ist ein Manifest über jede Kreativität und Kunst, die ohne Zerstörung oder Selbstzerstörung nicht möglich ist. Es sind ein Dutzend komplexer Fragen, die sich der Schöpfer und der Zuschauer stellen, ihre Erhebung ins Absolute, ohne eine Antwort darauf zu erhalten. Dieses Bild wird jeder von uns mit seinen eigenen Gedanken und Worten füllen, während vor unseren Augen eine unglaubliche Performance von Willem Dafoe abläuft, dessen ausdrucksstarkes Gesicht mit jeder Zelle fasziniert, so dass man sich nicht losreißen kann (die Magie der Kamera und des Kinos + Charisma beeindrucken erneut: Der Mensch im Leben ist überhaupt nicht so!).
Übrigens spielt auch die Wohnung selbst eine Hauptrolle an der Seite von Dafoe, mal spiegelt sie seinen Zustand wider, mal widersetzt sie sich ihm. Das Duett des Protagonisten mit etwas auf den ersten Blick Unbelebtem verleiht einen feinen Psychologismus und taucht auch uns, die Zuschauer, in diesen Raum ein.
Durchdringend, metaphorisch, trifft es sofort dorthin, wo es nötig ist. „Inside“ handelt von Wahnsinn und Einsamkeit, von Energie, ihren Quellen und Ausgängen, von physischer und spiritueller Transformation, sowohl des Menschen als auch seiner ihn umgebenden Mikrowelt.
Danke für deine Gastfreundschaft. Aber was für dich Kunst ist, ist für mich ein Käfig. Es tut mir leid, dass ich das zerstört habe. Aber vielleicht musste es zerstört werden. Letztendlich gibt es keine Schöpfung ohne Zerstörung.
„Reality“
Reality (ebenfalls wie „Inside“ wurde dieser Film im Rahmen des Panorama-Programms gezeigt) ist ein starkes dokumentarisches Drama über die amerikanische Geheimdienstmitarbeiterin Reality Leigh Winner, die als Übersetzerin arbeitete, geheime Materialien aus einer staatlichen Einrichtung entfernte und an eine Nachrichtenagentur schickte. Die Ereignisse spielen im Jahr 2017, als die Einmischung Russlands in die US-Wahlen untersucht wurde.
Der Regisseurin Tina Satter ist es fesselnd und packend gelungen, das Theaterstück auf die Leinwand zu übertragen und die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf das Verhör zu lenken, das tatsächlich an einem Ort mit drei Charakteren stattfindet: Reality selbst (Sydney Sweeney) und zwei FBI-Agenten (Josh Hamilton und Marchánt Davis). Der Film taucht uns abrupt in diesen Ort und diese Zeit ein und lässt uns unsere Anwesenheit in dem Haus spüren, in dem die Befragung stattfindet.
„Reality“ ist ein bis zur Gänsehaut realistischer Film, die Dialoge sind überzeugend, die echte dokumentarische Aufzeichnung des Gesprächs verstärkt den Moment gezielt. Für einen Moment dachte ich sogar, ich würde dasselbe empfinden, wenn ich in einem unerwarteten Verhör wäre, daher habe ich mich fast sofort emotional mit der Heldin „verbunden“.
Der Inszenierung von Tina Satter ist auch Humor nicht fremd, der die Atmosphäre nur zusätzlich auflädt und uns auf die unvermeidlich dramatische Auflösung vorbereitet. Sydney Sweeney, die geschickt über die Grenzen ihrer üblichen Rollen hinausgeht, hat die kluge und prinzipientreue Heldin talentiert enthüllt und ihr einen ehrlichen, lebendigen und authentischen Charakter verliehen.
Bei der Weltpremiere in Berlin waren auch die Schwester und die Eltern der echten Winner anwesend. Sydney erzählte nach der Vorführung auch, dass sie sich zur Vorbereitung auf die Rolle mehrfach mit der echten Reality in Verbindung gesetzt hatte.
Kommentare
0Noch keine Kommentare.
Melde dich an, um mitzudiskutieren.