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Ab dem 9. Februar in den russischen Kinos: „Mehr als je zuvor“ – ein ergreifendes Melodram über die Begegnung mit dem Unvermeidlichen, das paradoxerweise zum Schwanengesang von Gaspard Ulliel wurde.

Ein kränklich aussehendes Mädchen versucht, in der Halbdunkelheit einer minimalistischen Wohnung Kraft zu sammeln, aber es gelingt ihr nicht. Ein junger Mann betritt den Raum, versucht sie aufzumuntern und bietet sogar an, ihr Make-up aufzulegen, was ihr ein Lächeln entlockt.

Mit einer solch rührenden Alltagsszene beginnt der Film „Mehr als je zuvor“ (Plus que jamais), das neue Werk der gebürtigen Berlinerin Emily Atef („3 Tage mit Romy Schneider“, „Killing Eve“), die zum ersten Mal einen Film auf Französisch gedreht und ihn so französisch wie möglich gestaltet hat.

Das besagte Mädchen, das, wie wir etwas später erfahren, an einer unheilbaren Krankheit leidet, wird von der Perle des europäischen Kinos Vicky Krieps gespielt, ihr Partner von Gaspard Ulliel. Ihre Geschichte ist der Versuch zu zeigen, wie Verliebte mit der größten Unvermeidlichkeit im Leben eines jeden Menschen umgehen – dem Tod.

Das Schicksal annehmen oder kämpfen?

Filme über Figuren mit unheilbaren Krankheiten führen unweigerlich zu einem Ergebnis, sie unterscheiden sich nur in den Wegen und Schwerpunkten. Auch „Mehr als je zuvor“ versucht nicht, unvorhersehbar zu sein: Wie der Film endet, versteht man von den ersten Minuten an. Aber das ist überhaupt nicht wichtig. Das Wesentliche sind die Nuancen und Überlegungen, mit denen die Dialoge und Handlungen der Helden gesättigt sind.

Atef stellt in „Mehr als je zuvor“ zwei Sichtweisen auf den nahenden Tod gegenüber – Akzeptanz und Kampf –, erhebt aber diplomatisch keine über die andere. Jede Seite hat ihre eigene Wahrheit, überzeugende Argumente und potenzielle Anhänger unter den Zuschauern. Allerdings werden Anhänger der Psychologie überzeugt sein, dass es sich einfach um verschiedene Phasen der Akzeptanz handelt, und werden der Wahrheit nicht fern sein.

Film Mehr als je zuvor

Benefiz der Schauspieler

Eine weitere wichtige Nuance des Films ist das Duo Krieps-Ulliel. Sie liefern einzeln starke Leistungen ab (den Großteil der Leinwandzeit verbringt die Heldin fern von ihrem Ehemann – in Norwegen), aber wenn sie auf der Leinwand wiedervereint werden, geschieht das, was in der Welt der Filmkritik als „Chemie“ bezeichnet wird.

Dieser Klischeebegriff beschreibt wie kein anderer das Zusammenspiel der Schauspieler, die buchstäblich ineinander aufgehen, sei es in Momenten des Streits oder in Episoden intimer Nähe. Daher erreicht diese Unvermeidlichkeit im Moment der Katharsis ihr Ziel und macht den Zuschauer, wenn nicht schmerzhaft, so doch definitiv traurig.

Mehr als je zuvor 2023

„Mehr als je zuvor“ – die letzte große Rolle von Gaspard Ulliel

Eine große Errungenschaft von Emily Atefs Film ist die subtile und nuancenreiche Erzählweise eines schwierigen Themas. Darüber hinaus kann man die visuelle Begleitung des Films lange loben. Die majestätischen und melancholischen Landschaften der norwegischen Fjorde fügen sich perfekt in die Geschichte über den letzten Weg ein, und die vielfältigen kameratechnischen Einfälle machen die gemächliche Erzählung farbenfroher und atmosphärischer. Aber was die Macher sicherlich nicht vorhersehen konnten, war der vorzeitige Tod eines ihrer Hauptdarsteller.

Gaspard Ulliel blickte dem Tod nicht nur auf der Leinwand in die Augen, sondern begegnete ihm auch selbst. Er hat die endgültige Version von „Mehr als je zuvor“ nicht mehr gesehen, aber wenn er es getan hätte, wäre er sicherlich zufrieden gewesen, wie sein Weg im Kino endete. Man wird ihn als jung, schön und unendlich rührend in Erinnerung behalten. Und seine bodenlosen Augen während der letzten Episode werden für immer einer der eindrucksvollsten Kinoeindrücke des Jahres 2023 bleiben.

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