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In den Kinos läuft „Die Eltern kennenlernen“, eine wenig bemerkenswerte Romcom, in der aus irgendeinem Grund vier Stars des goldenen Zeitalters des Genres mitspielen. Über die Merkwürdigkeiten dieses Films – in unserer Rezension.

Michelle (Emma Roberts) und Allen (Luke Bracey) streiten sich auf der Hochzeit von Freunden, weil Allen das Mädchen den Brautstrauß nicht fangen lässt. Nach dieser peinlichen Szene stellt sich heraus, dass die jungen, sich liebenden Menschen sehr unterschiedliche Ansichten über Familie und Ehe haben: Für sie ist es Glück, für ihn eine Strafe für Sünden; sie glaubt, dass das Ziel einer Beziehung die Familie ist; er, dass es die Liebe ist. Auf diesem, im Grunde genommen, nicht gerade hegelschen Widerspruch basieren die anderthalb Stunden des Films, in dem fast sofort die Probleme der Kinder durch die Probleme der Väter betrachtet werden.

Michelles Eltern sind glücklich miteinander, so glücklich, wie Richard Gere und Diane Keaton glücklich sein können, das heißt, sie lieben sich, können sich aber nicht ausstehen. Das Leben der Romcom-Helden nach dem Happy End wird wohl nicht ohne Grund nicht gezeigt – offensichtlich verläuft es in der Regel nicht wie gewünscht. Allens Eltern sind auf ihre Weise unglücklich: William H. Macy trauert um das entschwundene Glück, Susan Sarandon schreckt aufgrund des allgemeinen Niedergangs exzentrisch alle um sich herum ab. Irgendwann lernen sie sich paarweise kennen: Keaton mit Macy (Kinobesuch und Witze über die Bibel), Gere mit Sarandon (trügerischer Seitensprung, teures Hotel), aber die zerstrittenen Kinder beschließen, ein Kennenlernen der Familien zu arrangieren, und das ist offensichtlich eine schlechte Idee.

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Szene aus dem Film „Die Eltern kennenlernen“

Die etwas alberne Prämisse im Stil der Nullerjahre-Klassiker sollte einen wohl nicht verwirren – „Die Eltern kennenlernen“ ist nicht unbedingt ein lustiger Film, noch weniger hat er das, wofür man die Komödien der Nullerjahre liebte: Die Helden streiten sich nicht besonders farbenfroh, Michelle und Allen absolvieren das Pflichtprogramm, halten ein paar pathetische Monologe und verschwinden ganz aus dem Bild, und überlassen ihre Eltern und die Zuschauer den Gedanken über Liebe und Tod. Wobei es irgendwann mehr um Letzteres geht.

Ursprünglich war „Die Eltern kennenlernen“ ein Theaterstück, das gleich zwei Errungenschaften vorzuweisen hatte – es wurde vom damals rekordverdächtig jungen Autor (ca. 20 Jahre alt war Michael Jacobs) geschrieben und sehr schnell wieder aus dem Spielplan genommen. Das ist 40 Jahre her, aber beide Fakten drängen sich unwillkürlich auf: Die abgehobenen Probleme, die die Helden quälen, verraten in dem damals jungen Autor einen Menschen, der Familie und Ehe verwechselt, der nicht so sehr versteht, dass Leben und Glück endlich sind, sondern eher ängstlich davor zurückschreckt; und dass es abgesetzt wurde – nun ja, das ist irgendwie sogar verständlich, warum.

Der Film hat einen amüsanten Anfang – traurige ältere Menschen sehen sich schwedisches Arthouse-Kino an und machen Witze über die Bibel, ihre etwas weniger gewissenhaften Partner sehen sich an und besprechen die allgemeine Abscheu. Aber an die Stelle des Parallelschnitts dieser Gespräche – eher seelenvoll als geistreich – treten ein lahmer Mittelteil und ein hilfloses Ende. In diesem Sinne ist der Film natürlich ziemlich wahrheitsgetreu – so ist das Leben wohl, aber warum muss man einen ständig daran erinnern.

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Szene aus dem Film „Die Eltern kennenlernen“

Natürlich ist der Tod unvermeidlich, und irgendwann musste er die ebenso unvermeidliche Liebe der Romcoms in der Liste der Schlüsselthemen für den 14. Februar verdrängen. Aber das geschah zu schnell und nicht sehr elegant – weder Zuschauer, noch Helden, noch Schauspieler waren darauf vorbereitet. Und schon gar nicht war jemand darauf vorbereitet, dass am Ende alle wieder dort ankommen würden, wo sie angefangen hatten – bei Überlegungen, dass das Leben schwer ist, man aber leben muss, nicht aufgeben darf, vielleicht irgendwo Glück zu finden ist. Letzteres wird übrigens nur flüsternd und mit gesenktem Blick versprochen, also sollte man sich wohl nicht zu sehr täuschen lassen.

Wenn man jedoch die Ansprüche auf die Suche nach Künstlerischem oder einem klaren Gedanken in einem Melodram beiseite lässt, das wie eine Sitcom gedreht wurde (zwei Helden auf drei Schauplätzen) und in jenem spezifischen Stil geschrieben ist, in dem Bergman wahrscheinlich „Szenen einer Ehe“ geschrieben hätte, wenn er für den Sender „Domashniy“ geschrieben hätte, kann man beim Anschauen kaum einen Anflug von nostalgischen Gefühlen vermeiden. Keaton, Gere, Sarandon, Macy – alle wie aus der Familie und alle nah beieinander.

Macy spielt zudem, als gäbe es kein Morgen, so dass man an seine großartigen Rollen in „Magnolia“ und den Coens‘ „Fargo“ erinnert wird. Sarandon und Keaton verlassen nicht das klassische Repertoire an Grimassen, aber selbst als Statistinnen ist es furchtbar erfreulich, sie zu beobachten, besonders wenn man zum Beispiel mit „Annie Hall“ und „Thelma & Louise“ aufgewachsen ist. Und überhaupt kann ein Film, in dem Richard Gere sagt: „Wir müssen was trinken“, nicht völlig misslungen sein. Obwohl man vielleicht wirklich was trinken sollte.

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Ivan Kilyakov
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