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„Gottkomplex“ spricht über die Nachlässigkeit von Eltern und die Natur grausamer Gedanken, aber bisher zu direkt und steril.

Am 3. Februar startet auf KION die Serie „Gottkomplex“ mit Kirill Kjarо und Daniil Strakhov in den Hauptrollen. Und dieses Projekt hat alle Chancen, ein Streaming-Hit zu werden. Das könnte man mit größerer Zuversicht sagen, wären die Autoren weniger didaktisch und lockerer. Wir analysieren das Gesehene in den ersten beiden Folgen der Show.

Sind Gedanken strafbar?

Die achtjährige Tochter des berühmten Pianisten Konstantin Sobnin (Schamil Chamatow), Sonja, langweilt sich und stört die Erwachsenen beim Feiern des Endes eines weiteren Konzerts, daher erlauben die Eltern ihr leichtsinnig, einen Spaziergang zu machen. Diese fatale Entscheidung führt dazu, dass Sonja spurlos verschwindet.

Gottkomplex Serie

Zur gleichen Zeit wendet sich der umstrittene Geschäftsmann Wladimir Nesterow (Daniil Strakhov) an den Psychotherapeuten Alexei (Kirill Kjarо) und fragt beim ersten Treffen, ob der Arzt auf seiner Seite sein werde, wenn er sein Kind töte. Und während der von dem ungewöhnlichen Fall gefesselte Alexei versucht, Kontakt zu dem von Zwangsgedanken geplagten Klienten aufzunehmen, beginnt die Polizei, die Leichen anderer Mädchen zu finden.

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Viele Autoren beschäftigen sich gerne mit der Frage, ob grausame Gedanken an sich schon ein Verbrechen sind. In einem Fall wurde die Handlung sogar auf der Verhinderung geplanter, aber noch nicht begangener Untaten aufgebaut. Das ist verständlich. Diese Frage berührt die Moral, und es gibt kaum etwas Subjektiveres als die Moral. Der faszinierende „Gottkomplex“ fungiert als Lackmustest, mit dem jeder Zuschauer seine eigenen Schlüsse über den Zusammenhang zwischen Gedanken und tatsächlichen Vergehen ziehen kann.

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Roman Kowaljow
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Zwei Ermittlungen in einer

Die Figur des infernalischen Daniil Strakhov denkt darüber nach, Mädchen zu schaden, und zieht damit den Verdacht der Zuschauer und den Verdacht seines Therapeuten auf sich, der in einer völlig gegensätzlichen, sanften Art von Kirill Kjarо gespielt wird. Dadurch entwickeln sich in der Handlung gleich zwei Ermittlungen: die Hauptermittlung, die von der Polizei durchgeführt wird, und sozusagen die psychologische.

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In der Hauptermittlung liegt der Schwerpunkt mehr auf Fragen der Nachlässigkeit der Eltern. Ein zweifellos wichtiges Thema, das in unserem Kino nicht allzu abgedroschen ist. Aber es wird leider zu direkt und plump untersucht.

Der Ermittler, gespielt von Michail Troinik, spricht direkt über die Statistik schuldiger Eltern beim Verschwinden und Tod von Kindern und stellt Sonjas Vater belehrende Fragen zur Erziehung. Die übermäßige Didaktik macht den „Gottkomplex“ weniger subtil und metaphorisch, dadurch vorhersehbarer und einfacher. Anspruchsvolle Zuschauer werden diese Entscheidung der Drehbuchautorin Aljona Swanzowa (Autorin der unendlich schönen „Tauwetter“ und „Himmlisches Gericht“) wohl kaum zu schätzen wissen.

Dadurch verschiebt sich das Zuschauerinteresse stark hin zur Interaktion des Duos Strakhov-Kjarо. Diese ist eleganter gespielt und aus dialogischer Sicht geistreicher geschrieben. Sobald diese beiden von der Leinwand verschwinden, wandert die Hand daher immer wieder zur Spultaste.

Gottkomplex online

Gleichzeitig scheint es Swanzowa und der Regisseurin des Projekts Fljusa Farchschatowa an Mut gemangelt zu haben, den Grad an Wahnsinn und Grausamkeit auf das Maximum zu drehen. Vielleicht greifen wir vor, aber vorerst ist in allem eine gewisse Gehemmtheit und Sterilität zu spüren. Den Episoden mit Nesterows Halluzinationen fehlt die eigentliche Halluzinogenität, den Überlegungen zur Grausamkeit die unmittelbare Grausamkeit im Bild. Dabei ist das Potenzial sowohl für das eine als auch für das andere vorhanden.

Wird der „Gottkomplex“ in Zukunft überraschen?

Die ersten beiden Episoden dienten als gründliche Exposition. Die wichtigsten Handlungsstränge sind skizziert, die Verdächtigen sind für die Zuschauer offensichtlich geworden. Nun stellt sich die Frage, wie die Autoren mit den Erwartungen der Zuschauer und dem offensichtlich vermuteten Gedankenspiel(en) umgehen werden.

Wenn die Rätselhaftigkeit und Mehrdeutigkeit der Figur von Daniil Strakhov noch dynamischer entwickelt wird und ihre Beziehung zum Therapeuten den Weg einschlägt, den zuvor das Duo Dancy-Mikkelsen in der Serie „Hannibal“ gebahnt hat, dann kann man von einem eindeutigen Erfolg für KION sprechen. Wir werden den „Gottkomplex“ mit Interesse verfolgen und auf angenehme Überraschungen in Handlung und Inszenierung hoffen. Wenn die Autoren nur mehr Mut und Abkehr von belehrenden Untertönen hätten...