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Die Kochkunst wurde 2022 zu einem der beliebtesten Themen im Kino. Auf die Leinwand kamen Projekte wie „Boiling Point“ (eineinhalb Stunden, in einer einzigen Einstellung gedreht) und das satirische „The Menu“. Aber warum spricht man in der Awards-Sai...

Der junge und vielversprechende Chefkoch Carmen Berzatto (Jeremy Allen White), der in den besten Restaurants Amerikas gearbeitet hat, muss nach Chicago zurückkehren, um nach dem Tod seines Bruders Mikey (Jon Bernthal) ein kleines Familien-Schnellrestaurant zu führen. Vor Ort sieht sich Carmen mit einem unkontrollierbaren Personal, Schulden, hygienischen Problemen sowie persönlichen Dilemmata konfrontiert.

Die Beschreibung von „The Bear“ klingt nicht gerade einzigartig. Die Nachricht vom Tod eines Verwandten ist ein Standardmittel in Dramen, und der Twist mit der Rückkehr in die Heimat und dem Verzicht auf großen Erfolg ist im Kino recht klischeehaft. Aber wenn man Skepsis und Zweifel beiseite lässt, wird einen „The Bear“ bereits ab der ersten Folge überraschen. Vor allem durch das rasante Tempo und das endlose Chaos, mit dem der Protagonist Tag für Tag in Chicago konfrontiert wird – sowohl in der Küche als auch im Leben. Carmen muss lernen, seine eigene Version des Koch-Rock'n'Roll zu tanzen, um zwischen persönlichen Problemen, Konflikten mit dem Personal und Verwandten sowie der Bewältigung der finanziellen Schwierigkeiten seines neuen Arbeitsplatzes zu balancieren.

The Bear

„The Bear“ ist eine Dramedy, die auf einer wahren Geschichte eines Familiencafés in Chicago basiert. Die Serie wirft sowohl den Helden als auch den Zuschauer von einem Extrem ins andere. Drama grenzt an Komödie, Tragik und Ironie gehen Hand in Hand, und nicht selten begegnet man einem Lachen unter Tränen. Die Episoden der Show haben keine klare Verbindung zueinander, jede ist eine eigenständige Geschichte, die einen Tag aus dem Leben erzählt. Doch trotz der Fragmentierung und Unordnung fügt sich alles Geschehene letztlich zu einem Ganzen zusammen, das einem einzigen Leitmotiv folgt. Wie die verschiedenen Zutaten, aus denen in diesem Chicagoer Imbiss die typischen Sandwiches zubereitet werden.

Eine Verschnaufpause gibt es in der Serie nicht nur wegen der sprunghaften Handlung, sondern auch aufgrund der visuellen Gestaltung. Viele Szenen wurden hier offensichtlich mit einer Handkamera gedreht, was den Bildern Energie, Anspannung sowie Zittern und sogar Hysterie verleiht. Als bevorzugte Aufnahmemethode in „The Bear“ kann man die Ein-Kamera-Aufnahme bezeichnen, so häufig kommt sie hier vor. Das verleiht Lebendigkeit, dokumentarischen Charakter und fesselt an den Bildschirm, so dass man Angst hat zu blinzeln, falls man etwas Wichtiges verpasst.

The Bear

Am Ende entstand keine Show über die Qual der Wahl der Creme für Brioche-Brötchen oder der Sauce für Tortillas, sondern ein kulinarischer Thriller, bei dem die Hauptfrage ist, wer in dieser Küche bis zum Ende überlebt. Und anstelle des freundlichen Kochs Jamie Oliver bekommen wir einen gebrochenen, erschöpften, aber weiterkämpfenden Jeremy Allen White. Zusammen mit dem lauten und charismatischen Team, gespielt von Ebon Moss-Bachrach, Ayo Edebiri, Lionel Boyce, Liza Colón-Zayas, Edwin Lee Gibson und Corey Hendricks.

Für seine Rolle in „The Bear“ erhielt Jeremy Allen White einen Golden Globe und gewann den Preis der Critic's Choice Awards 2023 (dem größten Zusammenschluss von US-Filmkritikern). Nach den hohen Bewertungen und der öffentlichen Anerkennung ist es nicht verwunderlich, dass die Show für eine zweite Staffel verlängert wurde, die 10 Episoden umfassen wird (zwei mehr als die erste). Es erwartet uns also mindestens eine weitere Staffel über die Schattenseiten der Arbeit in einem Chicagoer Imbiss, in dem ständig etwas dampft, kocht, gehackt wird oder anbrennt, während parallel dazu Geschrei und endlose Schimpftiraden zu hören sind.