
Wir haben lange gewartet und es ist soweit! Die erste Folge von „The Last of Us“ ist erschienen! Wie ist sie geworden? Ist es den Machern gelungen, den Geist des Spiels einzufangen und etwas Neues in die Erzählung einzubringen? Finden wir es gemeinsa...
Ein paar Worte zum Spiel
The Last of Us – ein Spiel von Neil Druckmann und dem Studio Naughty Dog, das 2013 erschien. Die Handlung des Spiels erzählt uns von einer postapokalyptischen Welt, die von einem Virus befallen ist, der durch einen gefährlich mutierten Cordyceps-Pilz ausgelöst wurde.
Das Spiel erlangte Kultstatus aufgrund seiner interessanten Handlung, der gut geschriebenen Charaktere, gespielt von Troy Baker und Ashley Johnson, und des Gameplays, das ein Action-Adventure mit Survival-Horror-Elementen darstellt.

Was wurde anders gemacht?
Einer der ausführenden Produzenten und Drehbuchautoren des Projekts ist Neil Druckmann selbst, daher versicherte uns HBO, dass die Serie den Geist des Spiels so genau wie möglich einfangen würde. Allerdings konnten wir bereits in der ersten Folge einige kleine Änderungen sehen.
Infektion
Menschen infizieren sich nicht mehr über das Gas, das von Pilzsporen abgesondert wird. Die erste Folge zeigt, dass man immer noch durch einen Biss zum Überträger des Virus werden kann. Andere Möglichkeiten sind derzeit unbekannt.
Zeit der Handlung
Laut Spiel fanden die globale Mutation und die darauffolgende Pandemie im Jahr 2013 statt. Die Serie erzählt uns, dass die Ereignisse im Jahr 2003 begannen.
Achtung: Im Folgenden gibt es Spoiler zur 1. Folge der Serie „The Last of Us“
Worum geht es in der ersten Folge?
Vorwort
Ganz am Anfang zeigt uns die Serie einen Ausschnitt aus einer Sendung der 60er Jahre. Ein skeptischer Moderator (Josh Brener) stellt Wissenschaftlern Fragen zu Viren. Einer der Gäste (John Hannah) spricht über eine mögliche Mutation von Pilzen im Zusammenhang mit der globalen Erwärmung, die, wenn sie eintritt, der Menschheit keine Überlebenschance lassen würde. Eine beredte Pause entsteht.
Diese kleine, aber charmante Episode ist eine Art Prolog und Vorhersage. Sie erklärt uns die Ursachen der Tragödie in der Zukunft.

Im Spiel erfahren wir solche Details durch die Erkundung der Welt. Da uns diese Möglichkeit in der Serie fehlt, fand ich diesen erzählerischen Schachzug sehr passend.
Die Familie Miller
2003.
Die ersten Bilder stellen uns Sarah Miller (Nico Parker), die Tochter von Joel Miller (Pedro Pascal), dem Protagonisten, vor. Sarah ist ein normales Teenager-Mädchen in den 00ern: Sie trägt ein rosa T-Shirt, an ihrer Wand hängen Poster, und im Nebenzimmer hat ihr Vater, ein Veteran des „Sturms in der Wüste“ und Bauarbeiter Joel, der zufällig heute Geburtstag hat, mal wieder verschlafen.
Die Serie widmet Sarah und dem Alltag der Familie Miller etwas mehr Zeit. Wir lernen ihre Nachbarn kennen, die nette ältere Familie Adler, die Rosinenkekse mag, sehen Sarah in der Schule und schauen Joels Lieblings-Actionfilm auf DVD – all das gab es im Spiel natürlich nicht. Aber für die Serie ist es sehr wichtig, beim Zuschauer Empathie für die Charaktere zu wecken, und das gelingt ihr sehr gut.
HBO hat schon oft gezeigt, wie viel Aufmerksamkeit sie den Details widmen (die Serie „Chernobyl“ ist ein lebendiger Beweis dafür). Die Augen bleiben an einem Tastenhandy in einer sehr vertrauten Hülle hängen, an einem Fernseher, der in meinem Zimmer in der Schulzeit stand, am Design von Sarahs T-Shirt, das genau das gleiche Muster wie Sarahs aus dem Spiel hat, aber in einer anderen Farbe und einem anderen Schnitt, was es zu einem lebendigen Teil ihrer Zeit macht.

An dieser Stelle möchte ich besonders die schauspielerische Leistung von Nico Parker hervorheben. In der kurzen Leinwandzeit weckt sie Sympathie, und das Bild eines Teenagers, der scheinbar mehr auf seinen Vater aufpasst als umgekehrt, ist ihr sehr gut gelungen.

Wie begann die Epidemie?
Den Autoren der Serie und dem Regisseur der ersten Folge, Craig Mazin, ist es gelungen, die Spannung zu vermitteln, die das Spiel einst auslöste. Einige Szenen sind identisch kopiert, dabei aber organisch in die neue Erzählung eingefügt.
Sarah, die beim Filmeschauen mit Joel eingeschlafen ist, wacht unerwartet in ihrem Zimmer auf. Ihr Vater ist nicht da. Das Mädchen hört Nachrichten und schaut bei den Nachbarn vorbei. Sie sieht, wie die alte Frau, die vor ein paar Stunden noch im Rollstuhl saß, ihre Schwiegertochter verschlingt.
Das Aussehen der Infizierten unterscheidet sich hier leicht vom Spiel. Aus ihrem Mund kommt so etwas wie Fühler heraus (was mich persönlich irgendwie an „Der Block“ erinnerte). Sarah flüchtet entsetzt aus dem Haus, wo sie Joel und seinen Bruder Tommy (Gabriel Luna) trifft. Sie steigen ins Auto und verlassen die Gegend.

Nach einer packenden Episode, in der die Helden versuchen, die Blockade zu durchbrechen, werden sie von einem Soldaten eingeholt, der den Befehl erhält, Joel und Sarah zu erschießen. Tommy schießt auf den Soldaten, aber zu spät – der hat Sarah bereits tödlich verwundet. Die Tochter stirbt in Joels Armen.
Was geschah 20 Jahre später?
In der ersten Einstellung des Jahres 2023 sehen wir ein etwa achtjähriges Mädchen (Marley Grace Becker) in auffälligen, einprägsamen Turnschuhen. Sie erreicht einen Kontrollpunkt im postapokalyptischen Boston, wo sie von Soldaten empfangen wird.
Mit nur wenigen Bildern erobert mich die Serie als Fan des Spiels. Mit großer Liebe wurden die urbanen Landschaften nachgebildet, in denen die einst zivilisierte Stadt zerstört und ihre Gebäude völlig überwuchert sind.

Uns wird klar, dass das Mädchen infiziert ist. Ihr wird eine Art Medikament verabreicht, das nächste Mal sehen wir ihren toten Körper in denselben Turnschuhen, als Joel die Leichen der Infizierten verbrennt.
In dieser kurzen Episode versteht der Zuschauer: In 20 Jahren hat die Menschheit kein Heilmittel gegen dieses Virus gefunden.
Joel ist in der Serie nicht nur Schmuggler, sondern auch Gelegenheitsarbeiter. Er überlebt in der neuen Welt, so gut er kann. Vor drei Wochen hat er den Kontakt zu seinem Bruder Tommy verloren und plant nun, die Mauer zu überwinden und ihn zu finden. Dafür braucht er eine Autobatterie.
Hier führt die Serie Tess (Anna Torv) ein, Joels Partnerin. Gemeinsam versuchen sie, das Problem mit der Batterie zu lösen, was sie zum Versteck der terroristischen Gruppe „Fireflies“ führt.

„Fireflies“
Die „Fireflies“ sind kanonisch – sie sind immer noch eine extremistische Gruppe, die sich seit langem der „FEDRA“ widersetzt, einer militaristischen Organisation, die Boston regiert. Die „Fireflies“ erleiden immer wieder Niederlagen.

In einem der Räume sehen wir ein Mädchen an einer Kette. Sie stellt sich als Veronica vor. Die Anführerin des Widerstands, Marlene (Merle Dandridge), besucht das Mädchen. Die Frau erzählt ihr, dass sie ihren richtigen Namen kennt – Ellie (Bella Ramsey) – und erklärt, dass das Mädchen etwas Besonderes ist und dass Ellie gerade wegen dieser Besonderheit für die „Fireflies“ wichtig ist und sie noch heute Boston verlassen werden.

Das Treffen von Joel und Ellie
Im Versteck der „Fireflies“ bittet die nach einem Angriff verwundete Marlene Joel und Tess um Hilfe – Ellie zu ihrem Hauptquartier hinter der Mauer zu bringen. Als Gegenleistung verspricht sie ihnen jeden Vorrat, den sie verlangen.
Nach dieser Episode sehen wir eine sehr berührende Szene, die visuell fast bildgenau aus dem Spiel kopiert ist, aber mit erzählerischen Ergänzungen. Joel und Ellie kommen in ihrer Wohnung an. Ellie findet ein Nachschlagewerk mit Musik-Hits, in dem ein Zettel mit einem Code liegt. Das findige Mädchen versteht sofort, dass, wenn im Radio ein Song aus den 80ern läuft, das bedeutet, dass alles schlecht ist.

Die Hauptfiguren von „The Last of Us“ schaffen es nicht ohne Probleme hinter die Mauer. Während der Flucht erfährt Tess, dass Ellie infiziert ist. Es stellt sich heraus, dass das Mädchen vor drei Wochen von einem Infizierten gebissen wurde, aber immer noch lebt. Die Helden beschließen, die Klärung auf einen sicheren Ort zu verschieben und gehen.
Die letzte Szene
Die Folge endet mit einer Einstellung, in der wir im bereits erwähnten Radio den Song Depeche Mode – „I’m taking a ride with my best friends“ hören. Die Szene wirkt wie eine ironische Vorhersage, denn trotz des optimistischen Titels ist er aus den 80ern...

Eindrücke
Die erste Folge macht einen guten Eindruck. Sie ist fesselnd, spannend. Die Macher haben der Musik große Bedeutung beigemessen – es werden dieselben Instrumente verwendet wie im Soundtrack des Spiels, was nicht verwunderlich ist, da sich dem HBO-Projekt auch der Komponist des Originalspiels angeschlossen hat – der zweifache Oscar-Preisträger für den besten Soundtrack, Gustavo Santaolalla.
Die Drehbuchautoren der Serie „The Last of Us“ haben Joels Motivation geändert, wodurch die Figur von Pedro Pascal sentimentaler geworden ist, was mehr Empathie hervorruft.
Die Wahl der Schauspielerin Bella Ramsey für die Rolle der Ellie wurde heftig kritisiert, vor allem wegen des fehlenden äußerlichen Ähnlichkeit. Die Ellie aus dem Spiel hat weichere Gesichtszüge. Teilweise deshalb glaubt man, dass das Mädchen trotz ihres kämpferischen Charakters definitiv Schutz braucht. Bella Ramseys Gesichtszüge sind gröber, außerdem hat sich die Schauspielerin durch ein anderes Projekt des Studios HBO – „Game of Thrones“ (Lyanna Mormont) – bereits das Image einer kämpferischen, eigenständigen Figur erarbeitet.
Aber ich finde, dass Bella das sehr gut macht, der jungen Britin gelingt es sogar, einen amerikanischen Akzent zu imitieren (obwohl in dem Satz „I’m actually outside“ bei ihr der innere Engländer durchkam). Vielleicht wird ihre Ellie etwas anders, aber nicht weniger charmant und interessant.
Tess, gespielt von Anna Torv, ist hinreißend. Sie ist bezaubernd, gefährlich, dabei klug und einfallsreich.

Als großer Fan des Spiels freue ich mich auf die weitere Entwicklung der Handlung. Das Schwierigste, wenn es um eine Adaption geht, und noch dazu um eine Adaption eines Spiels, bei dem der Zuschauer die Ereignisse nicht nur in der Quelle gelesen, sondern buchstäblich schon gesehen hat, ist es, die richtige Balance zwischen der Treue zum Kanon des Originals und dem Einbringen von etwas Neuem zu finden, um nicht sekundär zu wirken. Und nach der ersten Folge zu urteilen, gelingt der Serie „The Last of Us“ von HBO das hervorragend.
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