
Im Herbst erschien die Serie „Das Rudel“ über eine Gruppe jugendlicher Straftäter, die in der Wildnis auf sich allein gestellt sind. Sollte man sich die Zeit dafür nehmen?
Im September erschien auf dem Streamingdienst more.tv die Serie „Das Rudel“. Es ist nicht das erste Projekt der Plattform über schwierige Jugendliche – seit zwei Jahren läuft dort bereits „Schwierige Jugendliche“. Beide Mehrteiler zielen darauf ab, Aufmerksamkeit auf Gewaltfragen und gesellschaftliche Probleme zu lenken. Beide rufen zur Lösung dieser Probleme über anonyme Fachdienste auf. Jede Folge endet mit einer entsprechenden Nachricht mit Kontaktdaten. Uns interessiert jedoch mehr, womit die Macher von „Das Rudel“ die Zuschauer aus künstlerischer Sicht fesseln wollten. Darüber sprechen wir.
Das Rudel. Die Geschichte
Die Psychologin und Erzieherin Rita (Agata Muceniece) begleitet eine Gruppe jugendlicher Straftäter, die zur Umerziehung auf eine Bergwanderung geschickt werden. Doch während der Überquerung eines gefährlichen Bergpasses wird einer der Begleiter getötet. Die Jugendlichen erkennen, dass sie die Hauptverdächtigen sein werden, nehmen Rita als Geisel und beschließen, in den Bergen zu bleiben, wo sie sich allmählich in ein echtes Rudel verwandeln.
In der Serienbeschreibung heißt es, das Projekt sei eine Adaption der deutschen Serie „Das wilde Reich“. Man kann auch Ähnlichkeiten mit dem Projekt „“ finden, doch beim Anschauen fallen weitaus mehr Vergleiche mit William Goldings „Herr der Fliegen“ auf.
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Über 7 Folgen hinweg beobachtet der Zuschauer nicht nur die Reise der Jugendlichen durch die Berge und die entstandene Situation, sondern auch ihre Schicksale. Das Finale hingegen enthüllt die Geheimnisse von Rita, der Projektleiterin. Denn bekanntlich hat jeder von uns seine Leichen im Keller.
Das Rudel. Die Atmosphäre
Die Dreharbeiten zur Serie begannen im November 2021 und endeten im Mai 2022. Sie fanden in der Region Krasnodar, in Dagestan und Nordossetien statt. Daher spielen sich die Ereignisse vor einer Kulisse aus wunderschönen Landschaften, Bergen und Flüssen ab. Wie die Jugendlichen selbst kann auch die Umgebung trügerisch sein – jeder Stein kann fallen, ein ruhiger Fluss kann fortreißen, und eine Höhle, die wie eine Rettung erscheint, kann sich als Falle erweisen.
Neben der allgemeinen Atmosphäre, die von grünen und blauen Farben dominiert wird, sollte man auch die musikalische Untermalung beachten. Während aller Folgen erklingen Kompositionen heimischer moderner Bands und Rapper (z. B. Drummatix), die die Gefühle und Ereignisse auf dem Bildschirm widerspiegeln.
Die Zusammensetzung des Rudels
Die gesamte Serie lässt sich in zwei „Rudel“ unterteilen – die erwachsenen Schauspieler und die jugendlichen Darsteller, die den Großteil der Expedition ausmachen.
Kurz zum erwachsenen Teil der Serie, dessen Geschichte parallel zur Reise der Jugendlichen in den Bergen verläuft. Es ist schwierig, jemanden besonders hervorzuheben. Alle Figuren dienen als Hintergrund für die Geschichten der Jugendlichen selbst. So könnte man beispielsweise den Handlungsbogen um die Suche nach Ritas Ehemann während der Expedition getrost überspringen, ohne den roten Faden zu verlieren. Uns werden erneut die etablierten Prinzipien der Korruption und der mangelnden Hilfsbereitschaft vor Augen geführt, wodurch ein Bild der „erwachsenen“ Welt entsteht, gegen die sich die Jugendlichen stellen.
Mehr Aufmerksamkeit zieht natürlich die Gruppe der Jugendlichen aus der Expedition auf sich. Einige sind eher durch Zufall oder aus Dummheit hierher geraten, wie wir aus Rückblenden erfahren; andere sind gestolpert und haben ihren Emotionen nachgegeben, und einige haben tatsächlich Straftaten begangen. Aber können sie sich dennoch zusammenschließen? Denn was ist ein Rudel? Ist ein Rudel eine Familie? Eine Bruderschaft? Eine Einheit?
Auf diese Fragen müssen die Jugendlichen Antworten finden. Sie werden ihre eigenen Lebensregeln und Prinzipien aufstellen und ihnen folgen. Sie werden bereit sein, Opfer zu bringen und bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen. Aber kann jeder ins Rudel aufgenommen werden? Vielleicht bleibt jemand doch ein einsamer Wolf.
Aus dem jugendlichen Schauspielensemble sind bereits etablierte Gesichter der Filmwelt zu erwähnen – Pavel Tabakov, Yuri Nasonov, Anastasia Krasovskaya, Veronika Mokhireva. Besonders interessant ist die Beobachtung von Mokhirevas Figur, Lyusya. Sie scheint die Geschichte ihrer Figur aus der Serie „Topy“ fortzusetzen, indem sie sich mit Heilkunde und der Kenntnis von Kräutern beschäftigt und so den Jugendlichen in schwierigen Momenten hilft.
Letztendlich ist ein solides Projekt über das Überleben und den Geist des Zusammenhalts entstanden. Die Schauspieler liefern gute Archetypen für Figuren dieses Genres – den Helden, den Anführer (Leitwolf), den Heiler, den Betrüger, die Liebenden, den Narren. Nach dem Anschauen bleibt der Eindruck zurück, dass wir mit den Jugendlichen diesen langen physischen und emotionalen Weg gegangen sind und dass etwas Neues folgen wird. Ob dies hell oder genauso düster sein wird – das muss jeder selbst entscheiden.
Trailer:
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