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Am 10. November kommt der solide, äußerst harte und naturalistische Debütfilm von Alisa Jerochina „Am Vorabend“ in die Kinos. Ein Film, der aus Klischees gewebt ist und ebendiese Klischees geistreich zerstört.

Der Film „Am Vorabend“ war Teilnehmer des Filmfestivals „Fenster nach Europa“ in Wyborg, wo er den Preis für die beste weibliche Hauptrolle (Darja Jekamasowa) gewann und warme Kritiken der Presse erhielt. Und nun erreicht das Debüt von Alisa Jerochina den breiten Kinostart, um die Zuschauer für sich zu gewinnen, die sich nach bodenständigem Kino sehnen, das jedoch nicht ohne originelle Wendungen sowohl im Drehbuch als auch in der Regie auskommt.

Ein Teenager auf der Suche nach Liebe

Im Zentrum der Geschichte steht ein minderjähriger Junge namens Max (Artjom Jakowlew), der ziellos durch die Straßen von Sankt Petersburg streift, versucht, seiner windigen Freundin (Weronika Schukowa) Vernunft beizubringen, und sich bemüht, die Beziehung zu seinem Vater zu verbessern, der die Familie verlassen hat. Letzteres beunruhigt ihn besonders, denn der Elternteil weigert sich ständig, ihm Zeit zu widmen, und findet allerlei Ausreden.

Max findet heraus, dass sein Vater eine Geliebte namens Anna (Darja Jekamasowa) hat. Und in ihr sieht er die Wurzel all seiner Probleme. Also muss dieses Problem gelöst werden.

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Alisa Jerochina taucht in „Am Vorabend“ die Zuschauer in die moderne Welt problematischer Teenager ein, versucht aber nicht, dem einen Anstrich von längst abgedroschenem Sozialkitsch und Tristesse zu verleihen. Obwohl ihr Held mal Süßigkeiten im Laden stiehlt, mal in unnötige Schlägereien verwickelt wird und sich am liebsten auf einer Müllhalde ausruht, interessiert sich die Regisseurin mehr für die innere Welt des verlorenen und daher einsamen Max.

Der Held zappelt auf der Suche nach dem besten Weg, die Einsamkeit loszuwerden. Er provoziert seine Nächsten, um ihre Emotionen hervorzurufen. Er stürzt sich kopfüber in Abenteuer, um sich selbst zu beweisen, dass er lebendig ist. Es ist, als ginge er Wege, die längst von den tragischen Figuren Gus Van Sants getrampelt wurden. Und in einem Moment könnte es scheinen, als wüsste man bereits, was er tun wird, welche Entscheidung er treffen wird. Doch dann macht die Regisseurin einen überraschenden Zug und ändert abrupt die Perspektive auf die weibliche…

Ein starkes Bild einer schwachen Frau

In einem Fremden sieht man leicht das, was man sehen will. Auch Max sah in Anna den „Feind“, die Familienzerstörerin, die selbstverliebte Femme fatale. Doch im zweiten Akt unterstreicht Alisa Jerochina eine einfache, aber wie es scheint oft vergessene Wahrheit – jeder hat seine eigene Wahrheit.

Darja Jekamasowa verkörpert mal elegant, mal authentisch ein für das zeitgenössische heimische Kino nicht alltägliches Bild – eine einsame und unsichere Frau, die vom Glück träumt.

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Ihre Anna ist keine femme fatale (sie fühlt sich bei Speed-Dates unbehaglich, weiß nicht, worüber sie reden soll – über das Horoskop oder ihre Arbeit als Hundeausführerin), Wohlstand kümmert sie wenig (sie lebt in einer bescheidenen Wohnung mit ihrer Schwester und spricht mit dem Geliebten nicht über Materielles). Es fällt ihr leichter, mit vierbeinigen Freunden eine gemeinsame Sprache zu finden als mit anderen Menschen. Und die Beziehung zu Max‘ Vater entwickelt sich eher gegen den gesunden Menschenverstand.

Die zweiteilige Erzählung soll verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Situation zeigen, damit der Zuschauer selbst Schlüsse ziehen kann. Nicht darüber, was in diesem Fall richtig und was falsch ist. Eher darüber, wie skurril das Leben manchmal ist, welche Aufgaben es einem Menschen stellt.

Klischees im Film

„Am Vorabend“ geht geschickt mit den Klischees des Teenagerkinos und Filmen über Ehebruch um, indem es diese Handlungsstränge in bisher unerforschte Richtungen lenkt. Dadurch wirkt die einfache Handlung interessant, und die Geschichte lässt einen noch einige Tage nach dem Anschauen nicht los.

Man kann nur bedauern, dass das äußere Erscheinungsbild des Films im Gegensatz zum inhaltlichen Drehbuch eher den Klischees der heimischen Schule folgt – karge kameratechnische Lösungen und der Wunsch, das Bild pseudodokumentarisch zu gestalten, unterscheiden „Am Vorabend“ nicht vom durchschnittlichen Autorenkino der Mitte der 2010er Jahre. Dabei wären, wenn es um das Geistige und nicht um das Soziale geht, originelle visuelle Einfälle genau richtig. Hier fehlen sie leider. Und keine Verweise und Referenzen (Interessierte können problemlos sogar eine Reverenz in Richtung der Coen-Brüder finden) können das wettmachen.

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Eine andere Geißel des Films ist die miserable Tonarbeit. Dies hängt wiederum mit dem Wunsch zusammen, den Film so natürlich und realistisch wie möglich zu gestalten. Aber dadurch gehen etwa fünfzig Prozent der hiesigen Dialoge an den Ohren der Zuschauer vorbei. Solchen Mumblecore brauchen wir nicht.

„Am Vorabend“ ist ein solider Film für einen Debütanten, wenn auch mit seinen Mängeln. Er enthält viele interessante Gedanken (Jerochina tritt hier auch als Drehbuchautorin auf), hat originelle Regieeinfälle (eine Art adaptierte Variation von „Rashomon“ kam hier gerade recht), und die Schauspieler sind buchstäblich in ihren Figuren aufgegangen (man würde nicht sagen, dass der Schauspieler Jakowlew überhaupt kein Profi ist, obwohl es genau so ist).

Trailer: