
Die FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully brauchten 11 Staffeln, um zu verstehen, ob es Außerirdische gibt und ob man mit ihnen Kontakt aufnehmen kann. Jordan Peele brauchte in seinem neuen Film „Nope“ 2 Stunden und 10 Minuten, um die Frage zu beant...
Die Familie Haywood besitzt seit mehreren Generationen eine Ranch, die Hollywood Pferde für Filmaufnahmen liefert. Doch im Zeitalter von CGI werden solche Dienste immer weniger nachgefragt. Zudem stirbt das Familienoberhaupt unter ungeklärten Umständen und hinterlässt seinem Sohn OJ (Daniel Kaluuya) und seiner Tochter Emerald (Keke Palmer) dieses wenig profitable Geschäft. Und an einem nicht gerade schönsten Tag, in einem Moment großer Verzweiflung, erscheint am Himmel eine seltsame Wolke – mal ein Vorbote von Profit, mal eine Quelle des Chaos.
Nach „Get Out“ und „Wir“ wurde der Name des Regisseurs Jordan Peele mit einer neuen Welle intellektueller und vor allem scharf sozialkritischer Horrors assoziiert. Aber sein neuer Film „Nope“ wird Liebhaber des gewohnten Horrors etwas enttäuschen, denn diesmal ist ihm eine kräftige Mischung aus Genres gelungen: Horror, Western und Sci-Fi. Wobei hier das Übergewicht dennoch auf der Seite der Science-Fiction liegt, wo es ihm gelungen ist, sich an das Lieblingsthema amerikanischer Filme der 80er und 90er Jahre zu erinnern und es erfolgreich neu zu interpretieren – allerlei Theorien über UFOs und Außerirdische. Und auch die Zuschauer an Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ zu erinnern.
Langsames Tempo, unglaubliche Atmosphäre, gut ausgearbeitete Charaktere, packendes Ende – das alles sind Slow-Burner-Filme.
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Dabei vergisst Jordan Peele nicht die Achillesferse der amerikanischen Gesellschaft und seinen ideologischen Favoriten – die Rassenungleichheit. Die Geschichte beginnt mit der Erzählung über den ersten schwarzen Jockey – einen Vorfahren der Haywoods, der auf Film festgehalten, aber in Hollywood vergessen wurde. Der Protagonist kämpft für seine Ranch und gleichsam für die Rechte aller Afroamerikaner, die in der Traumfabrik arbeiten. In einer Szene ist zu sehen, dass auf dem T-Shirt von Kaluyas Figur „Jordan“ steht – der Name des Regisseurs, der als einer der wenigen Schwarzen im Filmgeschäft laut und offen über den immer noch in der US-Gesellschaft existierenden Rassismus spricht.
Ein nicht minder wichtiger Leitmotiv, das im Film betont wird – Hollywood ist so verdorben, dass es für Ruhm bereit ist, sogar Tragödien auszubeuten. Wie man sagt, ist jedes Mittel zur Unterhaltung recht, und die ganze Wucht dieser Botschaft erfährt die Figur von Steven Yeun, der nach den traurigen Ereignissen am Set eines Projekts populär wurde. Und das Museum, in dem Gegenstände und Kulissen von diesem Tag aufbewahrt werden, ist eine beredte Illustration der Gnadenlosigkeit der Filmindustrie, die im Film gleichermaßen grausam zu Menschen wie zu Tieren ist. Daher wirkt die Einstellung mit einer Hand und einer Pfote symbolisch – ein Versuch der Vereinigung zweier betroffener Seiten.
Es scheint, dass Peele nur damit beschäftigt ist, das kollektive Bild Hollywoods zu kritisieren. Aber in Wirklichkeit ist „Nope“ auch eine Liebeserklärung des Regisseurs an das Kino. Dieses Gefühl vermitteln die Hauptfiguren – Bruder und Schwester und der schrullige Typ, gespielt von Brandon Perea. Sie glauben, dass Kino ihr Leben verändern kann, dass die Kamera die Wahrheit zeigen kann, auch über diese geheimnisvolle Wolke. Deshalb sind sie bereit, dem unverständlichen Objekt hinterherzujagen, um die beste Aufnahme zu bekommen, dank der sogar Oprah selbst über sie sprechen wird. Und schließlich kann nur ein wahrhaftig in das Kino Verliebter Witze über den Sender CW machen. „Das Unmögliche im Kino möglich zu machen“, wie einer der Helden erklärt, ist anscheinend auch das Motto von Jordan Peele selbst.
Gemeinsam mit Jordan Peele arbeitete an dem Film „Nope“ der bekannte Kameravirtuose Hoyte van Hoytema („Interstellar“, „Tenet“, „Dunkirk“). Selbst wenn Ihnen aus irgendeinem Grund die Handlung und die Ideen des Films nicht gefallen, werden Sie sich an den dynamischen Verfolgungsjagden, interessanten Kameraperspektiven, großformatigen Aufnahmen und im Dokumentarstil gedrehten Szenen (erinnert an „Cloverfield“) erfreuen. Am Ende mimt der Film visuell mal den Horror, mal den Abenteuer-Sci-Fi.
Warum heißt der Film „Nope“? Vielleicht ist es eine Antwort an Hollywood, das lange Zeit versuchte, den Beitrag von Menschen verschiedener Rassen zur Industrie zu ignorieren. Vielleicht ist es die Meinung des Regisseurs darüber, ob man für die Spektakularität Zugeständnisse an das Gewissen machen sollte. Vielleicht ist es eine Aussage für diejenigen, die glauben, dass Horrors keine Genremischung sein können und keine Tiefe haben. Oder vielleicht ist es ein kurzer, aber wichtiger Rat für diejenigen, die es gewohnt sind aufzugeben, anstatt bis zum Ende zu kämpfen. Geben Sie sich nicht mit weniger zufrieden, gehen Sie bis zum Sieg, auch wenn über Ihnen eine riesige kannibalistische Wolke schwebt.
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