
Leprechauns, ein sprechender schwarzer Kater und ein Mädchen, das unter Pech leidet – nein, das ist kein weiterer Neustart von „Sabrina – total verhext!“. Es ist das Animationsdebüt von Apple TV mit dem Titel „Glück“. Ob man es sich ansehen sollte, v...
Ein Mädchen namens Sam Greenfield könnte man als die Person mit dem größten Pech der Welt bezeichnen. Wohin sie auch geht und was sie auch tut, immer geht etwas kaputt oder fällt ihr aus der Hand. Es scheint, als würde diesem totalen Unglück kein Ende gesetzt, bis sie einem schwarzen Kater namens Bob begegnet. Diese Begegnung führt Sam in das unglaubliche Land des Glücks, wo sie den wahren Wert von Glück und Zufriedenheit kennenlernt.
Apple TV hat seinen ersten originellen Animationsfilm veröffentlicht, der versucht, alles Gute, das möglich war, von Pixar und Disney in sich aufzunehmen. Hier gibt es unglaubliche Animationen, die man ohne mit der Wimper zu zucken betrachten möchte. Peggy Holmes und ihr Team haben drei Welten erschaffen, die eng miteinander verwoben sind. Und während wir die menschliche Welt bereits in vielen Projekten gesehen haben, sind die anderen Welten noch ein nicht ganz so ausgetretener Pfad. Die denkwürdigsten Illustrationen in dieser Hinsicht waren „Seelen“, „Alles steht Kopf“ und „Coco – Lebendiger als das Leben!“. Nun, hier kann sich „Glück“ durchaus in eine Reihe mit ihnen stellen. Die Futuristik, die Lebendigkeit und die Detailgenauigkeit der in diesem Animationsfilm dargestellten Welten sind faszinierend.
Die akribische Arbeit der Animateure ist auch bei der Ausarbeitung der Charaktere bis hin zu den Katzenhaaren spürbar. Allein die Darstellung des galanten deutschen Einhorns namens Heimdall (wie ein Alter Ego von Heimdall aus Marvels „Thor“), das in den Drachen Baby verliebt ist, der Nostalgie an „Shrek“ weckt, ist bemerkenswert. Die Tänze der weißen, flauschigen Kaninchen, die an die Minions erinnern, werden selbst beim anspruchsvollsten Zuschauer ein ehrliches Lächeln hervorrufen. Und die Szene, in der Sam und Bob auf einem Motorrad fahren, wirkt wie eine Anspielung auf die Franchise „Mission: Impossible“, denn der Kater wird von niemand anderem als Simon Pegg gesprochen, dem Kollegen von Tom Cruise.
Übrigens verdient die Synchronsprecherbesetzung von „Glück“ einen eigenen Absatz. Denn zum Cast gehören neben Simon Pegg auch Jane Fonda und Whoopi Goldberg. Und insgesamt hat das gesamte Team seine Rollen hervorragend gemeistert und den Figuren Leben eingehaucht, wodurch sie von dreidimensionalen Bildern zu einzigartigen Persönlichkeiten wurden.
„Glück“ sieht aus und klingt wie ein liebevoller und netter Film, der sich sehr bemüht, zu gefallen. Und man möchte den Animationsfilm überhaupt nicht kritisieren, dennoch hinkt er in der Handlung hinterher. Zusammengefasst ist es eine Geschichte über die Einsamkeit, der jeder aus unterschiedlichen Gründen begegnet. Und das wäre ein großartiges Hauptthema gewesen, wenn es nicht so flach und plump entwickelt worden wäre, indem es auf eine schablonenhafte Handlungsentwicklung setzt. Am Ende erinnert die Protagonistin, die zu Beginn Tiefe besitzt, eher an eine oberflächliche Figur, der das Leben einfach kein Glück beschert hat.
Es gibt hier einige Überlegungen zur Bedeutung des Gleichgewichts im Leben (unter anderem durch einen symbolischen Verweis auf Yin und Yang) und zur Freundlichkeit. Die Figuren lernen, sich selbst so zu akzeptieren, wie sie sind, und gelangen zu der Erkenntnis, dass Gut und Böse relative Begriffe sind und alles davon abhängt, von welcher Seite man es betrachtet. Aber leider werden all diese Ideen trocken präsentiert: Die Figuren sprechen sie aus, aber sie leben sie nicht. Als ob die Macher zu sehr in die visuellen Abenteuer von Sam und Bob im Land des Glücks vertieft waren und vergessen hätten, dass der Inhalt auch eine Rolle spielt.
„Glück“ kann man nicht als gescheitertes Debüt von Apple TV in der Animation bezeichnen, das Team von Peggy Holmes hat sich offensichtlich Mühe gegeben. Aber die visuelle Komponente hat letztlich die eigentliche Geschichte überwogen, weshalb der Animationsfilm einfach nur nett, aber nicht besonders einprägsam geworden ist. Andererseits beginnt Apple TV gerade erst seinen Weg in die Animation, und insgesamt ist ein solcher Start ein ziemlich gutes Ergebnis für den Streamingdienst. Dem Zuschauer hingegen wird „Glück“ gute Laune und ein bisschen Ermutigung schenken, das fehlt uns allen gerade. Und was könnte an einem Abend niedlicher sein, als eine flauschige Katzenpfote des egoistischen Katers auf der Schulter eines Mädchens mit chronischem Pech zu sehen.
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