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Um es gleich vorwegzunehmen: „Die Prinzessin“ ist nicht einmal ein unterhaltsamer Trash-Film. Deshalb versuchen wir herauszufinden, was dem Film fehlte und wie man ihn zu einer unterhaltsamen und lockeren Achterbahnfahrt hätte machen können.

Synopsis

Eine wunderschöne Prinzessin (Joey King) erwacht mit gefesselten Händen im höchsten Turm der Burg ihres Vaters (Ed Stoppard). Ihr droht die erzwungene Heirat mit dem blutrünstigen Tyrannen Julius (Dominic Cooper), der nach dem Thron strebt.

Doch die Schurken müssen ihren Plan zur Eroberung des Königreichs vorerst verschieben, denn die Prinzessin hat nicht vor, kampflos aufzugeben. Es bleibt nur zu klären, wer hier eigentlich der Jäger und wer die Beute ist.

„Die Prinzessin“ gegen Genre-Erwartungen

Wir leben in einer recht schwierigen Zeit, in der jeder neue Film unbedingt etwas dekonstruieren muss. Meistens sind es die Genre-Erwartungen. Früher, wenn in einem Actionfilm ein Held furchtlos gegen eine große kriminelle Organisation vorging, war ihm klar, dass man ihn nicht fürchtete und er jeden Moment vernichtet werden konnte (z. B. in „Stirb langsam“, „The Rock“ oder „Rambo“). Als Dekonstruktion bekommen wir „John Wick“, vor dem die russische Mafia bereits panische Angst hat – David und Goliath haben also die Plätze getauscht.

„Die Prinzessin“ versucht, den Zuschauer an die alten Klischees des Fantasy-Genres zu erinnern, in denen der Held mutig die Prinzessin rettet, die passiv auf ihre Befreiung wartet. Gleichzeitig fügt sich die Neudeutung dieser Klischees in Bezug auf die Hauptfigur (die namenlos bleibt) perfekt in die moderne Agenda ein, in der Frauen stark, unabhängig und kompetenter sein sollen als toxisch-maskuline Männer.

Die Prinzessin 2022

Allerdings gibt es zwei Haken.

Erstens: Wir haben diese Neudeutung von Klischees bereits so oft gesehen, dass sie selbst zum Klischee geworden ist. Leia, Fiona, Mononoke, Merida, Rapunzel, Arwen und Éowyn, Anna und Elsa … Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Zweitens: Um eine Dekonstruktion interessant genug umzusetzen, muss die Figur zumindest interessant sein, einen Charakter haben. Die Hauptfigur des Films „Die Prinzessin“ erfüllt dieses Kriterium überhaupt nicht. Ihre Persönlichkeit beschränkt sich ausschließlich darauf, dass sie gerne kämpft und nicht dem potenziellen Bräutigam „wie eine Sache“ überlassen werden will. Das war’s. Wir wissen nicht, wofür sie sich interessiert, wovor sie Angst hat, wovon sie träumt. Wir erfahren nichts weiter über sie, obwohl wir genug Rückblenden gesehen haben.

Für wen wurde „Die Prinzessin“ gedreht?

Die Probleme mit den Charakteren enden nicht bei Joey Kings Heldin. Dominic Cooper und Olga Kurylenko sind unglaublich, erstaunlich, schockierend hölzerne Antagonisten. Ihre Motivationen sind so schablonenhaft und uninteressant, dass es einfach unanständig ist. In sowjetischen Zeichentrickfilmen für die Kleinsten sind die Bösewichte besser ausgearbeitet. Genau wie alle anderen – die Mentorin, gespielt von Veronica Ngo, hatte ich zwei Minuten nach Ende des Films wieder vergessen, der König und die Königin haben offensichtlich nichts zu tun, und die kleine Schwester der Heldin versteht offenbar nicht, was sie am Set macht. Genau wie ich.

Die Prinzessin 2022

Es stellt sich zwangsläufig die Frage – für wen wurde „Die Prinzessin“ gedreht? Denn jeder erwachsene Zuschauer hat solche Handlungen schon millionenfach gesehen und kann die Geschichte nicht ernst nehmen. Er kann einfach nicht die Augen vor der Abgedroschenheit des Geschehens und der Naivität der Handlung verschließen.

Wenn Sie sagen, sie sei für Kinder gemacht – dann widerspricht die Altersfreigabe R (unter 17 Jahren nur in Begleitung eines Elternteils) dieser Behauptung. Es gibt Augenausstechen mit scharfen Gegenständen, Köpfe werden abgetrennt, und es gibt sogar einen (gescheiterten) Versuch einer Gruppenvergewaltigung einer der Dienerinnen.

Weitere Ungereimtheiten

Okay. Nehmen wir an, Sie haben nichts gegen eine extrem einfache und schlichte Handlung. Nehmen wir sogar an, Sie möchten einfach nur eine schön inszenierte Prügelei in Fantasy-Kulissen genießen. Ich muss Sie enttäuschen – das wird Ihnen kaum gelingen.

Der fehlende Budget ist überall sichtbar. Im faden Soundtrack, in den Kulissen, in den Kostümen – die Heldin läuft in einem Kleid herum, das eher einem Vorhang ähnelt. Die Drehbuchautoren haben geschlampt, wo sie nur konnten, die unglaubliche Dummheit aller Bewohner und Gäste der Burg ist zum Fremdschämen. Make-up ist kaum vorhanden, die Statisten haben sich einfach Dreck ins Gesicht geschmiert. Es gibt nicht viele Effekte, aber die sind schlechter gemacht als in „Die unglaublichen Reisen des Herkules“. Ich schwöre, ich habe eine so schlechte Animation eines brennenden Menschen gesehen, dass YouTube-Rezensenten das besser hinkriegen.

Die Prinzessin 2022

„Die Prinzessin“ besteht zu 99% aus Kampfszenen, die die Handlung oder die innere Geschichte der Charaktere in keiner Weise voranbringen. Der Einzige, der hier wie besessen gearbeitet hat, war der Kampfchoreograf. Und er hat sich ehrlich bemüht. Aber es ist unmöglich, 95 Minuten Spielzeit mit Kämpfen zu füllen, die jedes Mal originell und nicht dumm sind (besonders wenn der Regisseur einem Knüppel zwischen die Beine wirft, indem er alle Patzer in Großaufnahme zeigt). So erwarten uns göttlich dumme Entscheidungen der NPC-Charaktere, die sich absichtlich mit Schneckentempo bewegen, damit King ausweichen kann. Und wenn die Heldin von zwanzig Leuten umzingelt wird, werden sie natürlich einzeln auf sie zulaufen.

Fazit (und ein bisschen was zu Trash)

Warum wurde „Die Prinzessin“ überhaupt gedreht? Ich habe nur zwei Vermutungen – für einen unterhaltsamen Trailer und als Demo-Reel, das Joey King bei Vorsprechen für Actionfilme vorzeigen kann.

Und selbst mit dem, was der Regisseur Le-Van Kiet zur Verfügung hatte, hätte man aus den Bestandteilen etwas Interessantes machen können. Man hätte einen noch trashigeren Film als „Shoot 'Em Up!“ daraus machen können! Wenn die Macher zum Beispiel den Mut gehabt hätten, aus der Heldin eine blutrünstige Psychopathin zu machen, die grundlos Köpfe abschneidet, und Dominic Cooper im Gegenteil gekommen wäre, um sie aus dem Turm zu retten, und sich dann gegen sie wehren müsste. Dann wäre der fehlende Budget weniger aufgefallen, und die Handlung hätte viel weniger hergeben müssen.

So aber – es wurde weder Trash noch ein feministisches Fantasy. Es wurden nur anderthalb Stunden Langeweile. Also suchen Sie sich lieber etwas anderes nach Ihrem Geschmack aus der Liste.

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Roman Kowalew
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P.S. Es war sehr lustig, so viele slawische Nachnamen unter den Statisten zu sehen. Schauen Sie selbst!