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Auf dem Weg zur versunkenen Insel solltet ihr High Heels, einen lila Pailletten-Overall und Ekzem-Creme einpacken. Mit diesem Gepäck stürzen sich die Helden der Komödie „Die verlorene Stadt“ auf Schatzsuche im Dschungel.

Die bekannte Schriftstellerin Loretta Sage, die sich mit erotisch-abenteuerlichen Romanen einen Namen gemacht hat, wird von einem verrückten Multimillionär entführt. Er ist besessen von einem alten Schatzgrab, stiehlt den Star direkt von einer Buchvorstellung und bringt sie auf eine entlegene Insel mitten im Atlantik. Um die in Not geratene Autorin zu retten, reist Alan an – der Held aller Frauenfantasien und das Cover-Model von Lorettas Büchern.

„Die verlorene Stadt“ der Brüder Nee ist eine feurige Mischung aus Action, Komödie und absurden Abenteuern mit einer leichten Prise Romantik. „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ von Robert Zemeckis ist eine der ersten Assoziationen, die beim Anschauen des Films kommen. Doch die Liste der Querverweise lässt sich um die naive Komödie George – Der aus dem Dschungel kam von Sam Weisman mit dem jungen und charmanten Brendan Fraser erweitern. „Die verlorene Stadt“ eint mit „George“ die allgemeine Stimmung und Leichtigkeit, die man beim Zuschauen spürt. Und die Abenteuer von Frasers Figur, die im Dschungel aufgewachsen ist, ähneln stark denen der etwas tumben Figur von Channing Tatum, der sich im tropischen Regenwald wiederfindet.

Doch das absolute Highlight der Komödie der Brüder Nee ist zweifellos Sandra Bullock, die sich an ihre wilden Tage in der Dilogie „Miss Undercover“ erinnerte, als sie auf High Heels und in engen Kleidern die Welt rettete. Jetzt bahnt sie sich in einem Pailletten-Overall ihren Weg durch den Dschungel, findet alte Grabstätten und kümmert sich nebenbei um das Privatleben ihrer Heldin. Trotz ihrer Bemerkung im Film, dass sie für solche (Miss-)Geschicke schon zu alt sei, beweist der 57-jährige Hollywoodstar das Gegenteil – nicht mit Worten, sondern mit Taten. Bullock hat nichts von ihrem Charme verloren und schafft es als wahre Wonder Woman, selbst Channing Tatum zu bezaubern und Emotionen zu entlocken: Ihre Leinwandchemie überrascht angenehm.

Die verlorene Stadt

Eine besondere Freude für die Zuschauer ist der langhaarige Brad Pitt, der in einer sehr charakteristischen Rolle im Film auftaucht. Und der verrückte Daniel Radcliffe als exzentrischer Millionär fügt sich perfekt in das allgemeine Chaos ein (und ruft kaum das Bild von Harry Potter hervor). Man spürt, dass alle Schauspieler Freude an den Dreharbeiten hatten.

„Die verlorene Stadt“ erfüllt seinen Zweck hervorragend: Sie schenkt dem Zuschauer anderthalb Stunden puren Eskapismus. Dies gelang vor allem deshalb, weil die Brüder Nee nicht versuchen, etwas völlig Neues zu erfinden. Sie verwenden bewährte Handlungsschemata, in denen ein Schriftsteller zum Helden seines eigenen Romans wird, und Stadtbewohner in die wilde Natur geraten und gezwungen sind, einander zu ertragen, um zu überleben (hier weht der Geist von Ivan Reitmans Komödie Sechs Tage, sieben Nächte). Ja, es sind Klischees, aber sie funktionieren zuverlässig. Und obendrauf wird alles durch Tatums hervorragende Selbstironie über seine Vergangenheit und Bullocks komödiantisches Talent aufgewertet.

Darüber hinaus begegnen die Regisseure den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sehr würdevoll, ohne sich zu plumper Nachahmung der Konventionen des modernen Hollywood herabzulassen. Ganz nach den Normen des alten Kanons rettet in „Die verlorene Stadt“ ein durchtrainierter, gutaussehender Mann die Dame in Not. Doch gleichzeitig erweist sich die maskuline Figur als emotional verletzlich und die tollpatschige Schriftstellerin als intellektuell beschlagene Person. Auf merkwürdige Weise gelingt es, das Geschlechtergleichgewicht zu wahren und Feminismus klug einzusetzen.

Die verlorene Stadt

„Die verlorene Stadt“ entpuppt sich als unerwartet gediegene Komödie mit wirklich witzigen Gags und Abenteuern, wenn auch auf einer am Computer gezeichneten Insel. Das Duo Sandra Bullock und Channing Tatum funktioniert, und Brad Pitt schürt das Feuer, sodass wir anderthalb Stunden lang auf einer Achterbahn aus absurden Situationen und unbedachten Aktionen dahinrasen. Aber vielleicht liegt gerade in dieser Absurdität und Albernheit der eigentliche Reiz des Films.

P. S. Verpasst nicht die Szene nach dem Abspann