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Was wäre, wenn man „Die Schöne und das Biest“ modernisieren und diese Geschichte ins Internet, genauer gesagt ins Metaversum, verlegen würde? Heraus kommt der farbenfrohe Anime „Die Schöne und der Drache“, der Motive des klassischen Märchens und von...

Am 14. April startet in den russischen Kinos „Die Schöne und der Drache“ (Ryu to Sobakasu) ein neuer Anime von Mamoru Hosoda, einem der wichtigsten Autoren des Genres und Schöpfer der berühmten „Das Monsterkind“, „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ und „Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft“. Dieses Mal hat der Meister die abgedroschene Handlung von „Die Schöne und das Biest“ als Grundlage genommen und sie mit einer frischen Hülle in Form eines Metaversums gewürzt, in dem sich beide titelgebenden Helden bewusst verstecken. Mit der neuen Form kamen auch andere Materien in den Beziehungen zwischen den Figuren, die durch ihre Ambivalenz sowohl erfreuen als auch enttäuschen können.

Der Artikel enthält geringfügige Spoiler (diese werden markiert)

Willkommen in der Welt U

Die Schülerin Suzu ist in der realen Welt ein verschlossener und schüchterner Mensch, der weder seine Gefühle gestehen noch in der Öffentlichkeit singen kann, trotz großer Sehnsucht. Für Menschen wie Suzu gibt es den virtuellen Raum U, in dem jeder einen Avatar mit einzigartigem Aussehen erschaffen und der werden kann, der er immer sein wollte. So erschafft die Protagonistin ein neues Ich die großäugige, rosa-haarige Schönheit Belle, die über Nacht dank ihres engelsgleichen Gesangs und des Aussehens einer Disney-Prinzessin zur Sensation in U wird.

Die Schöne und der Drache Anime

Die Welt U ist als sicherer Raum für alle und jeden geschaffen. Daher wird das Auftauchen des streitsüchtigen und ungeselligen Drachen, der die Grundsätze der örtlichen Ordnungshüter verletzt, als Eindringen in die persönlichen Grenzen der Besucher von U wahrgenommen. So denken alle, außer Belle, die unerwartete Sympathie für den allgemeinen Außenseiter empfindet.

Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband

„Die Schöne und der Drache“ spricht, dem Original folgend, den längst offensichtlichen, aber immer noch aktuellen Gedanken aus, dass das Äußere nicht das Wichtigste ist. Aber während es im Original hauptsächlich das Biest betraf, kann man in Hosodas Version dasselbe auch über die Schöne sagen. Es geht hier weniger um das Äußere im wörtlichen Sinne, sondern um das Image und die Etiketten, die uns die Gesellschaft aufdrückt. Alle halten Suzu für einen Introvertierten und Sonderling, und selbst sie beginnt, daran zu glauben. Aber hinter diesem Image verbirgt sich viel mehr. Und ihr wahres „Ich“ offenbart sich gerade im virtuellen Raum. Vielleicht kann man dies, und nicht die Beziehung der Hauptfiguren, als die zentrale Erzähllinie des Animes bezeichnen.

Die Schöne und der Drache 2022

Dabei hat sich in Hosodas Geschichte auch das Paradigma der Beziehungen zwischen den Figuren verändert. Hier wird von der „Schönen“ nicht mehr allumfassende Liebe, Empathie und die Fähigkeit, hinter den Vorhang zu schauen, verlangt, sondern auch gegenseitige Verletzlichkeit. Und dieser Moment mag für manche Zuschauer widersprüchlich und ambivalent erscheinen.

WEITER SPOILER

Der Autor zwingt die Heldin, ihr „Ich“ aus dem Online-Bereich aufgrund seiner „Unechtheit“ aufzugeben. Und kaum glaubt der Zuschauer, dass das Internet und das Metaversum nach Hosoda eine positive Zukunft sind, in der man man selbst sein kann, wird ihm beiläufig der Gedanke eingeflößt, dass man in der realen Welt leben muss.

Darin liegt keine übermäßige Moralisierung, aber es entstehen Widersprüche darin, dass Menschen nicht nur wegen Komplexen, sondern auch aufgrund äußerer Einflüsse ins Internet gehen. Und für viele ist es eine echte Rettung (wie zum Beispiel für den Drachen). Daher könnte dieser Ansatz Zuschauer, die dem zustimmen, abschrecken.

ENDE DES SPOILERS

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Audiovisuelle Perfektion

Die Handlung des Anime „Die Schöne und der Drache“ weckt den Wunsch zu diskutieren, über die Natur von Cybermobbing nachzudenken, ähnliche Motive wie in „Matrix“ zu finden, aber noch größere Emotionen ruft seine visuelle und musikalische Gestaltung hervor. Da Suzu-Belle hier als Sängerin auftritt, gibt es im Film viele musikalische Episoden, die jeweils an ein unglaublich farbenfrohes Musikvideo erinnern.

Die Schöne und der Drache Mamoru Hosoda

Jede Performance wird von einem Farbenrausch und effektvollen Kamerafahrten vor der „Inception“-ähnlichen Welt U begleitet, an deren Design der britische Architekt Eric Wong gearbeitet hat. Dadurch gelingt es Hosoda, das Gefühl der Geburt eines Online-Idols mit Millionen von Fans im Netz zu erzeugen. Daher ruft der Höhepunkt, der ebenfalls als Musiknummer gestaltet ist, echte Emotionen hervor. Und es ist einfach verdammt schön, das alles!

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Die Schöne und der Drache“ eine interessante, wenn auch nicht eindeutig gelungene Neuerfindung der Motive von „Die Schöne und das Biest“ ist, die Ohr und Auge verwöhnt und in eine absehbare Zukunft blickt, in der jeder einen Avatar erschaffen und ein Online-Star sein kann. Oder, notfalls, ein Drache.

„Die Schöne und der Drache“ ab 14. April in allen Kinos.

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