
Das Leben ist eine endlose Reise ohne Ziel und klare Absichten. Auch Joaquin Phoenix erkundet in dem neuen Drama „C'mon C'mon“ von Studio A24 die Welt, aber durch die Augen von Kindern, und wird dabei erwachsener, empathischer und klüger.
Der Journalist Johnny bereitet ein Projekt vor, bei dem er durch amerikanische Städte reist und die Gedanken von Kindern über die Probleme der modernen Welt, ihre Zukunftspläne, Beziehungen zu Menschen, Ängste und Hoffnungen aufzeichnet. Das letzte Jahr lebt er etwas trüb und traurig, bis seine Schwester Viv ihn bittet, auf ihren neunjährigen Sohn Jesse aufzupassen. Johnny, der fast keinen Kontakt zu seinem Neffen hatte, willigt ein, für ein paar Tage auf den Jungen aufzupassen, die sich unerwartet zu einer Woche ausdehnen. Am Ende verwandeln sich die Ferien eines Erwachsenen mit einem Kind in eine aufrichtige und berührende Geschichte über Akzeptanz, Vergebung und Demut.
„C'mon C'mon“ ist ein Dialogfilm, bei dem es nicht darauf ankommt, was getan, sondern was gesagt oder nicht gesagt wird. Johnny (Joaquin Phoenix), der den Tod seiner Mutter und die Trennung von seiner geliebten Frau verarbeitet und nicht weiß, was er mit dem Kind anfangen soll, wirkt verloren in dieser Welt der Menschen. Die Interviews mit Kindern werden für ihn zum Versuch, das Leben zu verstehen. Doch es sind die unangenehmen Gespräche mit dem neunjährigen Neffen, gespielt von dem wunderbaren Woody Norman, die den Alltag klarer machen und ihm helfen, zumindest einige Orientierungspunkte zu finden. „Warum redest du selten mit Mama?“, „Warum bist du einsam?“, „Warum hast du keine Kinder?“ – die Fragen prasseln auf den Helden ein, der es gewohnt ist, auf der anderen Seite des Mikrofons zu stehen und Gedanken zu solchen Themen zu ignorieren.
Regisseur Mike Mills begann das Drehbuch zu „C'mon C'mon“ in zwei Anläufen zu schreiben: vor und nach der Geburt seines Sohnes. Die neue Erfahrung der Vaterschaft half ihm zu spüren, wie sich das Leben mit der Ankunft eines Kindes neu ordnet, wenn die Bedürfnisse anderer wichtiger werden als die eigenen. All dieses Wissen hat er behutsam auf die Leinwand übertragen und durch die Beziehung von Johnny und Jesse ausgedrückt, die sich streiten, diskutieren und versuchen, nicht nur miteinander, sondern auch mit der Welt einen gemeinsamen Nenner zu finden. „C'mon C'mon“ ist die Geschichte eines erwachsenen Egoisten mit einem neunjährigen Jungen, der Geduld, Nachgiebigkeit, Offenheit und die Fähigkeit zu reden lernt, statt wegzulaufen. Und allmählich werden zwei Fremde zu einer echten Familie.
Das neue Drama von Mike Mills ist für einen monochromen Film erstaunlich warm, hell und lebendig geworden. Als hätte der Regisseur die Schwarz-Weiß-Palette gewählt, damit der Zuschauer nicht vom Bild abgelenkt wird, sondern sich voll und ganz auf die Geschichte einlassen und die Momente gemeinsam mit den Helden erleben kann.
Das Gefühl der Teilhabe wird durch das dokumentarische Format der Gespräche mit Kindern unter Beteiligung von Joaquin Phoenix verstärkt. „Was macht dich glücklich?“, „Was würdest du den Erwachsenen sagen?“, „Wie siehst du die Zukunft?“ – in den Interviews teilen sie ihre Erfahrungen, Träume und Weltansichten mit. Wenn man ihnen zuhört, wird einem klar, dass die jungen Gesprächspartner mehr Empathie und Mitgefühl haben als so mancher Erwachsener, der nach Enttäuschungen und Verlusten verhärtet und erstarrt ist. Das deutet unweigerlich darauf hin, dass wir viel von denen lernen können, die noch keine 15 sind, wenn wir ihnen Beachtung schenken.
„C'mon C'mon“ ist der Satz, den Jesse für Johnny aufschreibt, als würde er seinen Onkel auf diesem langen Lebensweg anfeuern, auf dem man sich manchmal durch Wände des Unverständnisses und der Gleichgültigkeit kämpfen muss. Eine unerwartet tiefgründige Botschaft von einem neunjährigen Jungen, der vielleicht gar nicht das damit gemeint hat. Und im offenen Ende lässt der Regisseur jeden für sich selbst entscheiden, was dieser Satz „c'mon c'mon“ bedeutet.
Der Film wird in Russland von der Filmverleihfirma A-One gezeigt.
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