
Der Regisseur des neuen russischen Horrorfilms „Syndrom“, Wjatscheslaw Rudenko, bediente sich der gängigen Klischees des Genres, versetzte sie aber in das Sankt Petersburger Ambiente. Auf Splatter wurde verzichtet, aber es wurde unheimlich und atmosp...
Am 17. Februar kommt der Film „Syndrom“ in die Kinos – ein weiterer Versuch junger russischer Filmemacher, einen Horrorfilm in der besten Tradition amerikanischer Jugendfilme zu drehen. Klassische Jumpscares, farbenfrohe und abwechslungsreiche Tode, ein interessantes Konzept. Aber ist es ihnen gelungen, daraus einen stimmigen und wirklich interessanten Film zu machen?
Interessantes Konzept
Sankt Petersburg wird von einer Reihe mysteriöser Selbstmorde erschüttert. Jeder Verstorbene sprach laut Aussage von Freunden und Verwandten vor seinem Tod von einer Person in Weiß. Was noch seltsamer erscheint: Ähnliche Ereignisse gab es bereits vor 5 Jahren. Diese Todesfälle verbinden die jungen Leute Jegor (Ilja Korobko), Karina (Darja Melnikowa) und ihren Bruder Bogdan (Timofei Daschuk), die versuchen, das Geschehen zu verstehen, das ihre Familien betroffen hat.
Der Handlung nach sammeln die Helden wie waschechte Detektive nach und nach Informationen, um den scheinbar zusammenhanglosen Selbstmorden auf den Grund zu gehen. Wie durch ein Wunder gelingt ihnen das ohne sichtbare Schwierigkeiten: Mal haben sie plötzlich Ermittlungsakten mit Hinweisen zur Hand (Jegors Vater arbeitete vor seinem Verschwinden bei den Behörden), mal werden sie ohne bürokratischen Aufwand in die Psychiatrie gelassen (was für Russland wie ein größeres Wunder erscheint als der übernatürliche Hintergrund des Geschehens).
Aber wohl kaum jemand wird „Syndrom“ ernsthaft als Beispiel für durchdachtes und detailliertes Storytelling betrachten. Solche Filme schaut man der Unterhaltung und der Schauwerte wegen! Damit ist es bei der Arbeit von Wjatscheslaw Rudenko nicht unbedingt zum Besten bestellt, aber auf konzeptioneller Ebene ist der Film durchaus interessant anzusehen.
Die geheimnisvolle Person in Weiß erscheint nicht einfach so vor den Selbstmördern. Sie sagt ihnen, auf welche Weise sie sich das Leben nehmen sollen. Wäre da nicht das offensichtlich bescheidene Budget des Films, hätte das sehr, sehr effektvoll aussehen können. Aber selbst mit minimalen Mitteln gelang es dem Team, stellenweise einen ziemlich unheimlichen Effekt zu erzielen.
Beklemmende Leere im Inneren
Wenn es um das Konzept des Films „Syndrom“ geht, ist alles mehr oder weniger in Ordnung, aber mit seiner Umsetzung sieht es nicht so rosig aus. Moderne Horrorfilme lassen sich grob in zwei Richtungen unterteilen: reiner Spaß, Unterhaltung („Happy Death Day“ als Beispiel) und Filme mit einem hohen Konzept und einer metaphorischen Geschichte (wie die Filme von Ari Aster, Jordan Peele und Konsorten).
Justin Benson und Aaron Moorhead sind Horrormacher, Filmfans und Allroundtalente. Solchen Leuten gehört die Zukunft unserer geliebten Kunst.
Open materialDer neue russische Horrorfilm blieb irgendwo in der Mitte stehen. Dabei fehlt es dem Film von Rudenko für eine konzeptionelle Geschichte an Metaphern und Subtexten (selbst die Übertragung des „Syndroms“ hätte man inhaltlich interessanter gestalten können, wie in „It Follows“, anstatt es dem allmächtigen Zufall zu überlassen). Und als Unterhaltung für einen Abend ist „Syndrom“ aufgrund seiner allgemeinen Düsterheit und Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit viel zu ernst und sogar bedrückend. Nun ja, Petersburg ist kein Ort für schwache Nerven.
Lohnt es sich, den Film „Syndrom“ anzusehen?
Mit einer recht interessanten Idee, den Zuschauer zu erschrecken, und einem stimmungsvollen Sankt Petersburger Ambiente, das geradezu nach Horrorfilmen schreit, schöpft „Syndrom“ sein Potenzial nicht optimal aus. Die Geschichte überrascht nicht. Die Autoren haben im Großen und Ganzen nichts zu sagen. Und die Unterhaltung gelingt aufgrund der übermäßig angestrengten Atmosphäre nicht so richtig. Dagegen gibt es an den Hauptdarstellern nichts auszusetzen. Ilja Korobko und besonders Darja Melnikowa verkörpern die Rollen nicht der hellsten, aber mutigen jungen Leute organisch. Und Gott sei Dank kommt der Film ohne die in solchen Fällen obligatorische romantische Peinlichkeit aus.
Wenn Ihnen solche Voraussetzungen ein guter Grund zu sein scheinen, sich zu gruseln, dann sehen Sie sich „Syndrom“ ab dem 17. Februar im Kino an.
Trailer:
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