
Einfache Geschichten können manchmal sehr schwer zu erzählen sein. Doch eine einfache Geschichte kann oft viel stärker in der Seele des Zuschauers nachhallen als die komplizierteste und metaphorischste Filmkunst mit einem Haufen tiefgründiger Charaktere und komplexer Handlungsstränge. Die neuen „Ghostbusters“ sind denkbar einfach – und darin liegt ihr größter Reiz.
Zur Handlung
Callie (Carrie Coon) durchlebt schwere Zeiten. Das Geld reicht nicht für die Mietwohnung, ihr Sohn Trevor (Finn Wolfhard) kämpft mit der Pubertätskrise und ihre Tochter Phoebe (Mckenna Grace) ist kaum sozialisiert und interessiert sich nur für Wissenschaft.
Plötzlich erben sie eine alte Farm in Oklahoma von Callies einst aus der Familie geflohenem Vater. Jetzt müssen sie nicht nur die Farm in Ordnung bringen und versuchen, sich am neuen Ort einzuleben, sondern auch den Schleier der Familiengeschichte lüften, um eine künftige Katastrophe zu verhindern…
„Ghostbusters“ und ihre Fortsetzungen
Sehen wir den Tatsachen ins Auge – nach dem Albtraum, der die berüchtigten „Ghostbusters: Antwort ruft!“ war, glaubte nur noch der hartnäckigste Optimist an das Franchise. Weder die durchaus talentierten komödiantischen Schauspielerinnen, noch der recht ordentliche „Brautalarm“ im Portfolio der Kreativgruppe, noch die Cameo-Auftritte der originalen Jäger konnten das Werk von Paul Feig retten.
Eine leise Hoffnung, dass der kommende Film nicht ebenso grandios schlecht sein würde, keimte mit der Nachricht auf, dass Jason Reitman, der Sohn von Ivan Reitman, der bei den ersten Filmen des Franchise Regie führte, den Regiestuhl übernehmen würde.
Und was bekommen wir? Tatsächlich ein Remake des ersten Films, adaptiert an die heutige Zeit. Praktisch ein großartiges, fesselndes und sehr amüsantes Abenteuer für alle Altersgruppen. Eine maximal klassische Handlung (ganz nach der Theorie der „Heldenreise“), weshalb dieser Film auch noch Jahre später perfekt für einen Familienabend geeignet sein wird.
Trotz der unterschiedlichen Genres erinnerte mich „Ghostbusters: Legacy“ am meisten an den Film „Es“ von 2017. Vorstadt, gelber Farbfilter, paranormale Phänomene, die charmante Kinder zu ergründen versuchen. Und doch, selbst wenn man die Inspiration anerkennt, kann man sich nur darüber freuen, wie passend sie in eine völlig andere Geschichte integriert wurde.
Referenzen und Easter Eggs
Dadurch, dass die neuen „Ghostbusters“ direkt an die Originalfilme anknüpfen und nicht an den Neustart von 2016, werden wir sehr viele Referenzen und sogar direkte Übernahmen sehen.
Ich kann mir vorstellen, dass eine ganze Reihe von Zuschauern nach dem Verlassen des Kinos sagen wird: „Dieser Film ist zu sekundär! Unverhohlener und dreister Fan-Service in Reinform!“. Und ich kann nachvollziehen, woher diese Ansicht kommt. In der Tat, angefangen bei kleinen Referenzen und Zitaten bis hin zu großen Handlungswendungen – überall schimmert das Zitieren durch.
Warum ist das nicht so schlimm? Erstens sind alle Zitate angebracht und fügen sich perfekt in die allgemeine Handlungslogik ein. Schamloser Fan-Service ist ein Easter Egg um des Easter Eggs willen, nicht für ein größeres Ziel, und das kann man dem neuen Film kaum vorwerfen. Hier feuern alle Tschechowschen Ostereier auf die eine oder andere Weise. Zweitens kann man den neuen Film auch ohne Kenntnis der Vorgänger sehen. Das bedeutet, dass die geistreichen Szenen auch von denen geschätzt werden, die die Zitate nicht bemerken.
Das ist wirklich großartig, meisterhaft gemacht und dient dem Film.
Charaktere
„Ghostbusters: Legacy“ ist das gelungen, was viele, selbst die renommiertesten Regisseure, nicht immer können. Nämlich uns Charaktere zu geben, die interessant zu beobachten sind. Auf die eine oder andere Weise wurden uns alle wichtigen Helden vorgestellt, jeder erhielt einen Charakter und Ziele, die er zu erreichen versucht.
Besonders hervorheben möchte ich die erstaunlich gute schauspielerische Leistung von Mckenna Grace. Kinder können selten eine Hauptrolle auf ihren schmalen Schultern tragen, aber Mckenna meistert dies spielerisch. Merkt euch meine Worte: Bald werden wir diese Schauspielerin genauso oft auf der Leinwand sehen wie ihren Partner Finn.
Die Nebenfiguren enttäuschen nicht nur nicht – sie reißen manchmal die ganze Show an sich. Phoebes Sommer-Schul-Kamerad namens Podcast, gespielt von Logan Kim, ist erstaunlich gut gelungen. Es ist unklar, ob es am charismatischen jungen Schauspieler, den guten Dialogen, der Chemie zwischen ihm und der Hauptfigur oder einer Kombination aller Faktoren liegt.
Plus das komödiantische Talent von Paul Rudd, der genau richtig ist, kann nur erfreuen. Er ist großartig.
Fazit
„Ghostbusters: Legacy“ ist ein echtes dunkles Pferd, auf das niemand gesetzt hat und das es geschafft hat, als Erstes ins Ziel zu kommen. Es ist ein Beispiel dafür, wie man Remakes/Neustarts/Fortsetzungen nach vielen Jahren drehen kann und sollte. Ein einfacher und unkomplizierter Film, der seinen Vorgängern Tribut zollt und neue Zuschauer erfreuen wird.
Gleichzeitig ist der Film erstaunlich schön, der Groteske wird mit Geschmack präsentiert, es gibt ein paar sehr unerwartete und daher homerisch lustige Cameo-Auftritte (die ich euch nicht spoilern werde, da sie nicht einmal Kinopoisk spoilert), abgesehen von den durchaus erwartbaren Cameos, denen in unserem Saal sogar applaudiert wurde.
Uneingeschränkt empfehlenswert für Filmfans jeden Alters.
Und wenn ihr die Originalfilme liebt, dann vergesst nicht, bis zur Post-Credit-Szene sitzen zu bleiben.
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