Preview image

Der neue Film des Horrormeisters James Wan, „Malignant“, ist in den Kinos. Kann der Zuschauer ein Meisterwerk auf dem Niveau von „Saw“ oder „Conjuring“ erwarten?

James Wan hat sich längst als Meister des Horrorfilms etabliert. Ihm verdanken wir die Franchises „Saw“ und „Conjuring“. Er versteht es, uns in die Welt der Angst und des Schreckens zu entführen, selbst wenn sich die Handlung nie über ein Zimmer oder ein Haus hinausbewegt. Wie ist nun sein neuer Film „Malignant“ geworden?

Enttäuschte Erwartungen

„Malignant“ erzählt die Geschichte der jungen Frau Madison. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als ihr Mann, der sie wiederholt misshandelt hatte, unter ungeklärten Umständen stirbt und sie bei einem Einbruch in ihr Haus ihr ungeborenes Kind verliert. Zur gleichen Zeit geschehen in der Stadt mysteriöse und brutale Morde an Ärzten, die alle in den 90er Jahren zusammengearbeitet haben. Was hat Madison mit diesen Ereignissen zu tun? Das müssen die Filmfiguren und die Zuschauer herausfinden.

Malignant ansehen

Vor uns liegt ein Film, bei dem einem nicht das Blut in den Adern gefriert. Man zuckt bei keinem Geräusch zusammen. Der Zuschauer erlebt eine Kino-Achterbahn mit reichlich Blut. Auch wenn die Handlung zunächst wie ein klassisches „Herumrennen“ im Haus wirkt, bei dem hinter jeder Ecke ein Schrecken, zuschlagende Türen und ähnliche Mittel lauern.

In den ersten Minuten erhält der Zuschauer – ganz nach dem Willen des Regisseurs – das volle Programm klassischer Horrorfilm-Tricks. Flackernde Lichter, plötzlich angehende Fernseher. Auch der Einsatz der „Vogelperspektive“ („Blick Gottes“) wirkt harmonisch. Eine der ersten, die diese Technik nutzte, war Alfred Hitchcock. Der Zuschauer betrachtet die Geschehnisse von oben. Meist wird dieses Mittel bei Verfolgungsjagden oder Morden eingesetzt – der Zuschauer blickt verurteilend auf den Mörder und kann dem Opfer nicht helfen.

Malignant (2021)
Die Vogelperspektive in „Malignant“

Wer meine alten Arbeiten gesehen hat, kam sicher ins Kino und dachte in den ersten Minuten, dass ich wieder meinen typischen Film drehe – und genau da schnappe ich sie mir. Ich wiederhole mich nicht gern.

James Wan

Sprechen wir über die Pluspunkte

  • Wan erschafft eine nicht banale Geschichte. Bis fast zum Finale bleibt die Natur des „Bösen“ im Film unklar. Wer oder was ist es? Ein Geist, ein missglücktes Experiment oder etwas Größeres? Man will die Schlussszenen kaum erwarten, um alle Rätsel zu lösen und die Puzzleteile zusammenzusetzen.
  • Der Zuschauer wird Teil spannender Actionszenen. Wer nicht viel Blut mag, könnte einige Szenen als besonders grausam empfinden.
  • Ohne gute Musik gibt es keine gute Optik. Die moderne musikalische Untermalung trägt dazu bei, die Nerven des Zuschauers zu kitzeln.

Und was ist falsch an „Malignant“?

Leider muss man anmerken, dass die schauspielerische Leistung hier schwächelt. Vor der magnetischen Annabelle Wallis, bekannt aus den Serien „Die Tudors“ und „Peaky Blinders“, werden die anderen Schauspieler zu einer blassen Kulisse. Dieselben Polizistenfiguren wirken klischeehaft, und in manchen Szenen hat man das Gefühl, die Darsteller würden gleich aus der Rolle fallen und loslachen, wie bei misslungenen Takes.

Malignant Film

Ein weiterer Minuspunkt ist die Lokalisierung des Films im heimischen Verleih. Im Original heißt der Film „Malignant“, was wörtlich „bösartig“ bedeutet. In diesem Fall könnte der Zuschauer bereits auf die Entstehungsgeschichte des Hauptantagonisten schließen. Der Titel „Das Böse“ hingegen lässt der Fantasie freien Lauf, um das Genre zu bestimmen. Geister, ruhelose Seelen, dunkle Mächte könnten in einem Film mit einem solchen Titel die Hauptrolle spielen. Und das kann den Zuschauer bei der Entscheidung, ob er ihn sehen will, verwirren.

Was bleibt unterm Strich?

Also, der Film „Malignant“ gleicht eher einem Versuch von James Wan, zwischen den Dreharbeiten zur „Aquaman“-Dilogie zum Horror-Genre zurückzukehren. Dabei hat der Regisseur viele Genres gemixt: Sci-Fi, Thriller, Horror, Krimi und stellenweise Action mit einem Rache-Motiv im Kern. In gewisser Weise gleicht der Film eher einem Computerspiel – schöne Übergänge zwischen Visionen, Verfolgungsjagden von Punkt A nach Punkt B. Ja, das ist nicht der klassische Wan, aber der Film verdient die Aufmerksamkeit von Liebhabern des Gruselns.

Trailer: