
Wir erzählen, was man vom Film „Erinnerung“, der neuen Arbeit des Preisträgers der Filmfestspiele von Cannes, Apichatpong Weerasethakul, erwarten kann.
Im Rahmen des Festivals Strelka Film Festival by KION feierte der Film „Erinnerung“ von Apichatpong Weerasethakul seine russische Premiere. Der offizielle Kinostart ist am 4. November 2021.
Apichatpong Weerasethakul ist ein erstaunlicher Künstler: Er verwandelt seine Zuschauer in kontemplative Skulpturen. Anders lässt sich nicht erklären, wie der Zuschauer 2,5 Stunden regungslos dasitzt und all diese langen, stillen, meditativen Einstellungen betrachtet.
Vergangenheit und Gegenwart
Der thailändische Regisseur gewann 2010 in Cannes die Goldene Palme für seinen Film „Onkel Boonmee…“. Der Protagonist dieses Films konnte seine früheren Leben sehen – und was ist mit dem neuen Film des Regisseurs, „Erinnerung“? In Weerasethakuls erstem englisch-spanischsprachigen Film, der in Kolumbien gedreht wurde, sieht die Hauptfigur Jessica das Leben ihres Gesprächspartners und durchlebt es praktisch im Geiste. Das ständige Thema des Regisseurs, der die Welt in der Einheit von Vergangenheit und Gegenwart wahrnimmt und zeigt, ist hier wie in seinen anderen Filmen zentral.
Die Hauptrolle im Film „Erinnerung“ spielte die außerirdische Tilda Swinton. Ihre Figur erwacht eines Nachts von einem seltsamen Geräusch. Es stellt sich heraus, dass nur sie es hört. Sie begibt sich auf die Suche nach dem Ursprung dieses Geräusches.
Im 18. Jahrhundert glaubten Gelehrte, dass jedes Objekt oder Ereignis einen Klang hat, der den Menschen nach Jahrhunderten erreichen und Informationen über die Geschehnisse übermitteln kann. Nachdem sie den Schlaf verloren hat, begibt sich Jessica auf eine Reise, um das geheimnisvolle Geräusch zu finden, und möchte wissen, wohin es sie führen wird. Und es führt sie zu einem geheimnisvollen Mann, der ein eidetisches Gedächtnis hat, das heißt, er erinnert sich an jedes einzelne Ereignis seines Lebens, beginnend mit dem Moment seiner Geburt. Irgendwie stellt sich heraus, dass sich Jessica ebenfalls an alle Ereignisse seines Lebens erinnert. Und durch diese Bekanntschaft und dieses Wissen findet sie Frieden.
Kein Film, sondern Meditation
Die Auflösung des Films „Erinnerung“ ist so entwaffnend, dass der Zuschauer einmal mehr davon überzeugt wird, dass Weerasethakuls Filme nicht als Kino im herkömmlichen Sinne zu identifizieren sind. Es handelt sich eher um eine Meditationssitzung, bei der man durch die Erfahrungen des Protagonisten in sich selbst eintauchen und sogar Antworten auf Fragen finden kann, die einen schon lange quälen.
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