
Der neue Film von Lisa Joy hatte alles, um ein herausragender Film zu werden – eine hervorragende Besetzung, eine interessante Idee, Liebe zur Filmklassik, ein großartiger Soundtrack. Dennoch kann man „Reminiscence“ kaum als herausragenden Film bezeichnen. Warum?
Kurze Zusammenfassung
Nick (Hugh Jackman) hat einen äußerst interessanten Job – als Betreiber eines Geräts zur Wiedergabe von Erinnerungen hilft er seinen Kunden, angenehme Momente aus ihrer eigenen Vergangenheit noch einmal zu erleben oder sich an Dinge zu erinnern, die sie vergessen haben (z. B. verlorene Gegenstände zu finden).
Sein ganzes Leben wird an jenem Morgen auf den Kopf gestellt, als die bezaubernde Mae (die überirdische Rebecca Ferguson) seine Schwelle überschreitet und Nick sofort den Kopf verdreht. Eines schönen Tages verschwindet sie, und Nick muss nun herausfinden, wer seine Geliebte wirklich war.
„Reminiscence“ voller Hommagen
Schaut man auf die Grundlage des Films, wird klar, dass er eine Hommage an das Hollywood vergangener Jahre ist. Seine Prämisse ist reiner Noir: Die Handlung spielt nachts, eine atemberaubende Schönheit stellt das Leben eines brutalen Mannes auf den Kopf, um bald spurlos zu verschwinden und ihn mit der Untersuchung ihres Verschwindens zurückzulassen. Ist das nicht ein Kriminaldrama der Vierzigerjahre?
Und dabei ist Lisa Joys Liebe zur Science-Fiction der Neunzigerjahre ebenfalls unbestreitbar. „Reminiscence“ zitiert, ob zufällig oder absichtlich, sehr genau den Film „Strange Days“ von Kathryn Bigelow. Wir haben einen Betreiber einer Maschine, die die Gehirnaktivität eines Menschen beeinflusst, seine dunkelhäutige Kampfgefährtin (Thandiwe Newton), eine unerreichbare Geliebte, deren Erinnerungen den Protagonisten immer wieder quälen…
Viele Kultregisseure haben Projekte, die nicht die verdiente Zuneigung und Aufmerksamkeit des Publikums erhalten haben. Wir erinnern an solche Filme aus den 80er und 90er Jahren.
Open materialUnd wenn man die Beteiligten an „Westworld“ aufzählen wollte (von den Schauspielern bis zum Soundtrack von Ramin Djawadi) – die Finger an einer Hand würden nicht reichen.
Dabei wirkt das Regiedebüt von Lisa Joy nicht wie ein Plagiat, sondern vielmehr wie eine Liebeserklärung und der Wunsch, ebenfalls ein großes und interessantes Genre zu berühren, was ungemein lobenswert ist und die Erwartung an neue Arbeiten von Joy schürt. Sie wird sich zweifellos noch zeigen.
Die Welt der Zukunft
Kommen wir nun zu dem, was den vollen Genuss des Geschehens auf der Leinwand beeinträchtigt. Als Erstes fällt das interessante Konzept einer postapokalyptischen Zukunft auf, das … fast keinen Einfluss auf irgendetwas hat.
Es gibt versunkene Städte und riesige Dämme, die Wassermassen zurückhalten, aber der Film erlaubt sich keine direkten Spiele mit dieser Idee. Es gibt Erwähnungen eines brutalen und groß angelegten Krieges, der sich nur in den erstaunlichen Kampffähigkeiten der unzerstörbaren Helden niederschlägt. Entfernt man jedes dieser Elemente (oder sogar beide) – am Film würde sich nicht viel ändern.
Viel mehr Aufmerksamkeit wird hier der Mechanik des Abspielens und Erlebens von Erinnerungen gewidmet, die bei näherer Betrachtung ebenfalls viele Fragen aufwirft. So „erinnern“ sich die Figuren beispielsweise von Zeit zu Zeit recht detailliert an Dinge, die sie nicht gesehen haben könnten. Oder sie „erinnern“ sich selbst von außen mit allen Falten in der Kleidung. Diese Konvention kann man jedoch verzeihen und sogar Freude daran haben.
Inszenierung und Drehbuch
Zunächst kleine Kritikpunkte. Der Film enthält ausreichend Actionszenen, um den Zuschauer nicht langweilen zu lassen, doch ihre Inszenierung lässt einen manchmal den Kopf kratzen. So begrüßen wir freudig lange und schöne Schießereien, nur um durch einen falschen Schnitt für eine Sekunde verwirrt zu sein, wo sich die Figuren im Raum befinden.
Das Hauptproblem des Films ist jedoch die Übersättigung mit Pathos. Manchmal sprechen die Figuren völlig anders, als Menschen im echten Leben sprechen. Manchmal handeln sie völlig unlogisch und aus dem Charakter. Und wofür? Um eine einzige amüsante und ungemein prätentiöse Szene zu bekommen.
Hinter diesem aufgesetzten Pathos geht der Kern der Geschichte verloren – irgendwann interessiert es uns nicht mehr, ob Nick den Faden findet, der zu Mae führt, oder nicht. Und auch das Rätsel ihres Verschwindens ist so zweitrangig und uninteressant, dass man bei seiner Lösung keine Befriedigung verspürt, wie es sein sollte. Wenn dein Film mehr wie eine Ansammlung von Szenen wirkt denn als eine zusammenhängende Erzählung, überrascht es sogar, dass er seinen eigenen Handlungsfaden nicht vergessen hat.
Fazit
Das alles ist sehr bedauerlich, denn die Geschichte hätte man etwas nachbearbeiten können, um einen wirklich herausragenden Film zu erhalten. Hätten die Macher das Pathos reduziert, die Naivität und Vorhersehbarkeit der Handlungswendungen etwas gemildert und die Welt um sie herum voll ausgeschöpft, dann hätte der Film ein Konkurrent von Nolans „Inception“ sein können.
Doch wir haben, was wir haben. Und wir haben einen netten, zahnlosen Sci-Fi mit Noir-Elementen, der niemanden überraschen oder in das Genre verliebt machen wird. Aber dennoch ist das Anschauen von „Reminiscence“ eine angenehme Zeitvertreibung, daher zur Ansicht empfohlen.
Science-Fiction ist eines der vielfältigsten Filmgenres, und die Beobachtung seiner langjährigen Evolution kann einige äußerst interessante Trends aufdecken.
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