
Doppelgänger von „Scream“ oder eigenständiger Horror? Typischer Slasher oder Beginn von etwas Kultigem? Wir erzählen, was „Fear Street. Teil 1: 1994“ ausmacht.
Netflix experimentiert weiter mit Formaten und Formen und bietet diesmal eine Horror-Trilogie „Fear Street“ an, basierend auf den Werken des Kultautors R.L. Stine, die im Wochenrhythmus erscheint. Der erste Teil trägt den Untertitel „Fear Street. Teil 1: 1994“ (Fear Street. Part One. 1994). Und das ist echter Trash, im positiven Sinne.
Offensichtliche Stilisierung zu Jugendhorror der 90er
In einer Kleinstadt namens Shadyside (von den Nachbarn aus dem wohlhabenden Sunnyvale auch Shittyside genannt) ereignen sich regelmäßig tragische, mysteriöse Vorfälle. So auch im Jahr 1994, als ein maskierter Halloween-Mörder ohne ersichtlichen Grund ein Massaker in einem Supermarkt anrichtet.
Ob man will oder nicht (aber wahrscheinlich will man), „Fear Street. Teil 1: 1994“ weckt sofort Nostalgie und Assoziationen mit einer Reihe von Jugend-Slashern der 90er, insbesondere mit dem größten Hit des Jahrzehnts, dem Film „Scream“. Dabei kopiert der Regisseur des Films Leigh Janiak (übrigens die Ehefrau von Ross Duffer („Stranger Things“)) seinen Vorgänger nicht gedankenlos, sondern zollt ihm eher eine Hommage, denn der Clou liegt hier nicht im maskierten Mörder und der Ironie über das Genre.
Die Figuren sind größtenteils im gleichen Geist der 90er recht stereotyp, aber mit einer Anpassung an die Zeitströmungen – das klassische verliebte Pärchen im Zentrum der Geschichte besteht aus Lesben, als der Nerd, der am besten weiß, was los ist, ein pummeliger schwarzer Junge, und der Chaot lackiert sich die Nägel und trägt Frauenkleidung. O tempora, o mores!
Unter den Schauspielern sind allenfalls Maya Hawke (als bekanntestes Gesicht im Cast) und Kiana Madeira zu erwähnen, die Fans von Netflix aus der Serie „Trinkets“ kennen. Ansonsten sind die jungen Leute typenhaft, erfüllen aber eher strikt ihre Drehbuchfunktionen, nicht mehr.
Stereotype haben sich auch in die Handlung verlagert, jedoch mit einer Einschränkung (dazu später mehr). Es wird Sie kaum überraschen, wenn Sie mindestens 5-7 Jugend-Slasher des späten 20. Jahrhunderts gesehen haben. Man kann sich beim Anschauen amüsieren, indem man darauf wettet, welcher Held in welcher Reihenfolge stirbt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit können Sie auch das vorhersagen.
Aber so einfach ist es nicht
Man könnte den Film als durchschnittlich und minderwertig bezeichnen. Schließlich ist es nicht das Niveau von „Scream“, und in der Erfindungsgabe steht er deutlich hinter Filmen wie „The Final Girls“ zurück. Aber es gibt gleich zwei „Aber“:
- Der Film nimmt sich selbst nicht zu ernst. Der alberne, oberflächliche Erzählton scheint zu sagen: „Hey, Zuschauer, wir albern hier herum, mach mit!“;
- Der Untertitel „Fear Street. Teil 1: 1994“ deutet klar an, dass dies nur der Anfang einer Trilogie ist. Diese Tatsache an sich überrascht nicht, aber die Entscheidung der Autoren, die Geschichte vom Ende her zu erzählen (Teil 2 wird das Jahr 1978 behandeln, Teil 1 das Jahr 1666), ist zumindest interessant. Und nach dem Anschauen des ersten Teils wissen wir bereits genau, was in den quasi Fortsetzungen passieren muss. Wie sich diese Umstände auf das Zuschauererlebnis auswirken, werden wir schon bald erfahren. Aber für die Spannung kann man schon jetzt danken.
Sollte man den Film „Fear Street. Teil 1: 1994“ sehen?
Die Atmosphäre der 90er mit Musik von The Prodigy und Garbage, vertraute Typen und Handlungselemente für Slasher-Fans sowie der Versuch, eine unkonventionelle Erzählweise mit umgekehrtem Zeitverlauf über eine ganze Trilogie zu schaffen – all das hebt „Fear Street. Teil 1: 1994“ von anderen Sommerpremieren ab und kann nicht nur eine Welle der Nostalgie auslösen, sondern auch fast vergessene Emotionen schenken. Was soll’s, auch Trash-Filme können gut sein.
Trailer:
P.S. Bemerkenswert ist, dass Leigh Janiak zuvor an der Serie „Scream“ gearbeitet hat. So sehr liebt sie das Kultwerk von Wes Craven.
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