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„Mare of Easttown“ ist der neue Hit, den alle Liebhaber hochwertiger Geschichten sehen sollten. Und wir erklären jetzt, warum.

Im Gegensatz zu Netflix, das Serie um Serie am Fließband produziert und sich nicht allzu sehr um deren Qualität schert, präsentiert HBO dem Publikum weniger Projekte, trifft dafür aber häufiger ins Schwarze. „Mare of Easttown“ ist ein weiteres glänzendes Beispiel, das sich durchaus in eine Reihe mit Hits wie „True Detective“, „Big Little Lies“ und „Chernobyl“ stellen kann, und in gewisser Hinsicht übertrifft dieses Krimidrama seine Vorgänger sogar.

Typischer Detektiv in einer typischen Provinz oder doch mehr?

Mare (Kate Winslet) ermittelt im Fall des Verschwindens eines Mädchens in ihrer Heimatstadt Easttown, als unerwartet ein weiteres Verbrechen geschieht – diesmal handelt es sich um den Mord an einem anderen jungen Mädchen, das alle Einheimischen kannten, Mare eingeschlossen. Zur Unterstützung bei der Aufklärung dieser Fälle wird Detective Colin Zabel (Evan Peters) nach Easttown geschickt, der kürzlich unter ähnlichen Umständen einen Serienmörder gefasst hat. Gemeinsam müssen sie herausfinden, ob die beiden Verbrechen miteinander zusammenhängen, die Geheimnisse der Dorfbewohner lüften und Gerechtigkeit wiederherstellen – und dabei ihre eigenen Dämonen bezwingen.

Mare of Easttown ansehen

Alle Zutaten für einen guten Krimi sind in der Serie „Mare of Easttown“ vorhanden: eine Vielzahl von Verdächtigen mit offensichtlichen und weniger offensichtlichen Motiven, verstreute Hinweise und unerwartete Wendungen in der Ermittlung. Besonders beeindruckt, mit welcher Sorgfalt die Autoren der Show die Details behandelt haben – wenn man in der letzten Folge versteht, dass die Hinweise auf die Lösung bereits ganz am Anfang der Serie aufblitzten, möchte man unwillkürlich für diese Akribie applaudieren.

Gleichzeitig wird das Finale selbst den aufmerksamsten Zuschauer beeindrucken, der den Mörder bereits vor der Heldin Kate Winslet identifiziert hat. Es ist einfach zu emotional, schockierend und reißt einem den Boden unter den Füßen weg.

Nicht nur Krimi, sondern auch Drama

Verstehen Sie mich nicht falsch, „Mare of Easttown“ ist wirklich ein exzellenter Krimi. Aber noch besser funktioniert die Serie als dramatische Geschichte. Verstrickte Schicksale, die man sich nicht ausdenken könnte, die Überwindung psychischer Traumata unter Anleitung eines Psychologen, die Suche nach sich selbst und ein paar Flaschen Bier nach einem weiteren miesen Tag als Therapie – die Serie lädt den Zuschauer nicht nur ein, Detektiv zu spielen, sondern gibt auch Einblick in das Leben einfacher Menschen, die so viel Schmerz und Leid in sich tragen können.

Dabei kann man nicht sagen, dass das Drama hier übertrieben wurde, wie in „Ich weiß, dass das wahr ist“, wo man das Licht am Ende des Tunnels nicht einmal aus einem Meter Entfernung sehen konnte. Nein. Die Autoren flößen Hoffnung ein, als wollten sie sagen: Ihr habt immer eine Chance auf eine Kugel in den Kopf etwas Besseres, egal in welcher Notlage ihr euch befindet.

Mare of Easttown 2021

Interessanterweise werden die Beziehungen der Figuren, die hier in irgendeiner Form miteinander verwandt sind, nicht als bloße Nebenhandlungen dargestellt, die lediglich als Überbau für die Haupthandlung dienen. Sie beeinflussen diese und eure Wahrnehmung des Geschehens direkt. Details, Charaktere (sowohl der Verdächtigen als auch der Opfer) und Umstände sind wichtig, denn am Ende fügen sie sich alle zu einem Gesamtbild zusammen. Das Gefühl nach dem Anschauen von „Mare of Easttown“ gleicht dem, das nach der Lektüre eines großen und fesselnden Romans entsteht. Das ist wohl das größte Lob, das man den Drehbuchautoren zollen kann.

Serie Mare of Easttown

Und natürlich Kate Winslet

An Kate Winslets Stelle in der Serie von Craig Zobel hätte jede andere Schauspielerin stehen können, und die Qualität hätte darunter wohl kaum gelitten. Aber der Star aus „Titanic“ und einem Dutzend anderer bedeutender Projekte wurde für „Mare of Easttown“ zum wertvollsten Juwel in einer mit Edelsteinen besetzten Krone. Winslet schlüpfte sozusagen in die Rolle einer Frances McDormand, die zwar völlig ohne äußeren Glanz, aber nicht ohne weiblichen Charme und Anziehungskraft ist.

„Mare of Easttown“ ist eine kraftvolle Symbiose aus Krimihandlung, emotionalem Drama, schauspielerischer Leistung (nicht nur Kate Winslet ist großartig, sondern die gesamte Besetzung) und der souveränen Regie des aufstrebenden Hollywood-Stars Craig Zobel, der zuvor bereits mit dem unkonventionellen „The Hunt“ von sich reden machte. Und es scheint, dass die Diskussion um die beste Serie des Jahres bereits beendet ist. Zumindest nach dem ersten Halbjahr ist dieses Projekt der absolute Spitzenreiter mit einem deutlichen Vorsprung vor allen anderen Konkurrenten.

Trailer: