
Am 24. Juni startet der mexikanische Horrorfilm „Juega Conmigo“ im russischen Verleih, der besonders beeindruckbaren Zuschauern die Nerven kitzeln wird, aber kaum jemanden überraschen dürfte.
Ein riesiges Herrenhaus, gruselige ungezogene Kinder, knarrende Türen, ein Kindermädchen mit einer geheimnisvollen Vergangenheit, Geister – all diese Elemente haben wir in Horrorfilmen schon unzählige Male gesehen. Doch die Macher des Films „Juega Conmigo“ unter der Regie von Adrian García Bogliano („The ABCs of Death“) entschieden, dass sie sich aus der Schar der eintönigen Horrorfilme abheben könnten, indem sie eine mexikanische Gruselgeschichte in die Handlung einweben, die den Film farbenfroh machen soll. Wir erzählen, was aus dieser Idee geworden ist.
Klassischer Genre-Auftakt
Die junge Sofía (Liz Dieppa) wird auf Empfehlung ihrer Schwester Kindermädchen in einer reichen Familie, die in einem riesigen Anwesen lebt. Die Eltern sind ständig mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt, daher sind die eigensinnigen Kinder oft sich selbst überlassen. Das vorherige Kindermädchen haben sie ins Krankenhaus gebracht, also verspricht niemand Sofía ein leichtes Leben. Aber auch das Mädchen hat ihre eigenen Leichen im Keller.
Sofías Schwester Natalia (Alejandra Rodríguez) erzählt zum Schutz ihrer Verwandten eine Gruselgeschichte über Morno, einen Dämon, der es liebt, mit ungezogenen Kindern zu spielen und ihnen das Wertvollste zu nehmen (à la unserem Kreisel, der „beißen wird“). Aber niemand glaubt so recht an diese Geschichte, bis Sofía und die jungen Bewohner des Anwesens allein im Haus bleiben.
Eindimensionalität der Erzählung
Die von den Machern des Films „Juega Conmigo“ erzählte Geschichte erwies sich weder als originell noch als fesselnd. Fakt.
Anstatt zu versuchen, einen interessanten Antagonisten mit ungewöhnlichem Hintergrund zu erschaffen und die Handlung durch dieses Element voranzutreiben, bietet der Film nur einen wenig fesselnden und äußerst vorhersehbaren Kampf der Helden ums Überleben während einer Nacht. Dabei macht Morno keine Angst. An seine Gefährlichkeit glaubt man nicht, denn dem Zuschauer werden keine Beweise für die Grausamkeit des Dämons präsentiert, abgesehen von einigen nicht eindeutigen Visionen Sofías. Zudem muss der Zuschauer selbst logische Ketten im Geschehen konstruieren und Details der Beziehung der Hauptfigur zur übernatürlichen Macht hinzudenken, weil die Drehbuchautoren dies offen vernachlässigt haben.
Statt zu versuchen, einen psychologischen Horror nach dem Vorbild des Kultfilms „The Babadook“ oder des letztjährigen „The Lodge“ zu zeigen, in denen Kinder ebenfalls eine nicht offensichtliche, aber entscheidende Rolle in der Geschichte spielten, setzte „Juega Conmigo“ auf Spektakel und Atmosphäre. Aber auch auf dieser Ebene läuft beim Film nicht alles rund.
Mehr Jumpscares für den Gott der Jumpscares
So stereotyp die Geschichte geraten ist, so vorhersehbar sind auch die Methoden, den Zuschauer zu erschrecken. „Juega Conmigo“ ist ein ganzer Strauß an Jumpscares unterschiedlicher Lautstärke und Dauer. In einigen Szenen wirken sie tatsächlich aufgrund der Plötzlichkeit, in anderen nerven sie regelrecht und drohen, den Ohren der Zuschauer zu schaden. Dazu gibt es hier plötzlich zuschlagende Türen und ein „sich selbst“ bewegendes Spielzeug – offenbar dachte der Regisseur, dass dies im Jahr 2021 tatsächlich jemanden erschrecken könnte.
Irgendwelche originellen oder mutigen Entscheidungen wurden leider nicht eingebracht. Selbst das Design von Morno wirkt irgendwie sekundär, als wäre es aus dem Universum von „Conjuring“ übernommen. Dafür sind die animierten Endtitel gelungen. Das ist allerdings das Beste, was der Film zu bieten hat.
Sollte man den Film „Juega Conmigo“ sehen?
Im Endeffekt kann man sagen, dass Boglianos Film nichts Neues bietet. Dabei verfällt er nicht in offenen Trash und kann ein- oder zweimal einen Schrecken vor Überraschung auslösen. Vielleicht sollte man von solchen Filmen auch nicht mehr verlangen.
Trailer:
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