
Auf den ersten Blick mag die einfache Prämisse des Animationsfilms „Luca“ oberflächlich wirken. Und ja, sie ist tatsächlich denkbar einfach. Reicht das aus, um Ihren Blick an den Bildschirm zu fesseln?
Kurz zur Handlung
Der junge Luca hat eine Mutter, einen Vater, eine Großmutter, viele Pflichten und eine ausgezeichnete Fantasie. Und Luca ist eines jener Seeungeheuer, die die provinziellen Fischer so sehr erschrecken. Seine Eltern verbieten Luca, sich der Oberfläche zu nähern, was der Junge sein ganzes Leben lang strikt befolgt.
Alles ändert sich, als er den unbekümmerten und selbstbewussten Alberto kennenlernt, der, obwohl er ebenfalls ein Monster ist, ihm alle Vorzüge des Lebens an Land zeigt. Und schon ist Luca in echte Abenteuer verwickelt, lernt die Tochter des örtlichen Fischers, Giulia, kennen und macht sich sogar Feinde.
Das Wichtigste: Niemand darf ihr und Albertos Geheimnis erfahren.
„Luca“ und Originalität
Das Erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man den Trailer zu „Luca“ sieht oder die kurze Zusammenfassung liest, sind die unbestreitbaren Ähnlichkeiten mit Disneys „Arielle, die Meerjungfrau“. Es geht nicht nur darum, dass anthropomorphe Unterwasserbewohner im Mittelpunkt stehen, sondern auch um das Konzept des Verbots jeglichen Kontakts mit dem Leben außerhalb des Meeres.
Ziemlich schnell beginnt sich die Geschichte jedoch in eine etwas andere Richtung zu entwickeln, ihre Schwerpunkte verschieben sich und der Fokus verlagert sich vom dargestellten Konflikt auf die Beziehungen zwischen den Hauptfiguren.
Ist das originell? Absolut nicht. Und dennoch gehört dieser Animationsfilm zu jenen angenehmen und seltenen Ausnahmen, bei denen man nicht an die Zweitrangigkeit denken möchte, sondern einfach die atemberaubenden Bilder, die interessanten Charaktere und die erstaunliche Atmosphäre genießen möchte, über die wir etwas später sprechen werden.
Ist ein Kinderfilm schlecht?
Pixar und Disney verwöhnen ihr Publikum seit einigen Jahrzehnten damit, dass sie es schaffen, Filme gleichzeitig für Kinder und Erwachsene zu schaffen. In jedem ihrer Animationsfilme findet man eine Anspielung, einen Witz oder ein Cameo, das für die Eltern gedacht ist, die ebenfalls im Kinosaal sitzen.
Wir müssen nicht weit gehen – erinnern wir uns an den kürzlich erschienenen Animationsfilm „“. Es ist unwahrscheinlich, dass ganz kleine Kinder Witze über Carl Jung oder die Misserfolge des Basketballteams der Knicks verstehen.
„Luca“ unterscheidet sich insofern deutlich von den letzten Werken, als es keinen einzigen anzüglichen Witz oder erwachsene Anspielung gibt. Der Animationsfilm ist von Anfang bis Ende auf Kinder und nur auf Kinder ausgerichtet. Und noch dazu auf ziemlich kleine.
Doch Mamas und Papas sollten sich darüber nicht ärgern. Denn manchmal gibt es nichts Schöneres, als für zwei Stunden das Kind in sich zu wecken und einfach ein naives und ehrliches Kinderwerk zu genießen, das versucht, die Welt um uns herum ein wenig heller und besser zu machen.
Außerdem kann man stundenlang darüber diskutieren, wie schwer es ist, gute Kindergeschichten zu erschaffen, die ihre Zielgruppe nicht für kleine Idioten halten und gleichzeitig ihre Botschaft nicht unnötig verkomplizieren.
Italienische Riviera
Eine der wichtigsten und unbestreitbarsten Errungenschaften des Animationsfilms ist seine unglaubliche Atmosphäre. Der Film ist einfach durchdrungen von Sonne und Meeresgeruch und ruft Gefühle der Nostalgie nach Orten hervor, an denen man noch nie war.
Hier gebührt dem Regisseur Enrico Casarosa Anerkennung, der zugab, dass er sich stark von seinen eigenen Kindheitserinnerungen an Genua inspirieren ließ, wo er ebenfalls einen Freund namens Alberto hatte – ganz wie Luca.
Das große Bild setzt sich aus kleinen Details zusammen. Dorfpasta mit Pesto-Soße, die man mit den Händen essen möchte, Fahrradrennen, Baumhäuser – all das sprüht von der Leinwand in den Zuschauerraum; und plötzlich ist es egal, was und wann man in seinem langen und erwachsenen Leben gesehen hat – man ist wieder zehn Jahre alt und rennt wieder hüpfend über die Steine, um Freunde zu treffen.
Fazit
„Luca“ erhebt nicht den Anspruch, hohe Animationskunst zu sein. Es kann nicht auf eine Stufe mit Werken wie „Chihiros Reise ins Zauberland“ oder „Avatar – Der Herr der Elemente“ gestellt werden. Aber darin liegt ein gewisser Reiz – wenn die Macher sich dessen bewusst sind und einfach alles tun, um ihre Geschichte zu erzählen.
Es ist ein wunderschöner, gutherziger, kluger Animationsfilm, den man ohne Bedenken ganz kleinen Kindern zeigen und dabei selbst Freude haben kann.
Denn es ist in keinem Alter beschämend, Freude an Kinderwerken zu haben. Hauptsache, das Werk ist auf würdige Weise gemacht. Und „Luca“ fällt definitiv unter diese Definition.
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