
Wir erzählen, wem „Séance“ gefallen könnte und warum er so zwiespältig ausgefallen ist.
Am 27. Mai kommt der Debütfilm Simon Barretts „Séance“ (Seance) in die Kinos. Der Filmemacher ist vor allem für seine langjährige Partnerschaft mit Adam Wingard bekannt, mit dem er Hits wie „The Guest“ und „You're Next!“ schuf. Und während Wingard sich in die Arbeit an großen Blockbustern über antike Monster stürzte, beschloss Barrett, sich im Regiestuhl bei einem Langfilm zu versuchen und drehte einen ambitionierten Horrorfilm über Schülerinnen, die versuchen, mit Geistern zu kommunizieren.
Eine typische Geistergeschichte oder etwas mehr?
Nach dem mysteriösen Tod einer Oberstufenschülerin eines alten Internats für Mädchen nimmt eine Neue namens Camilla (Suki Waterhouse) den freigewordenen Platz ein. Doch mit ihrem Auftauchen werden die seltsamen Ereignisse in der Bildungseinrichtung nur noch mehr. Um die Ursachen des Geschehens herauszufinden, beschließen die Schülerinnen, eine Séance abzuhalten und den Geist des in den Mauern des Gebäudes verstorbenen Mädchens zu rufen.
„Séance“ mag zunächst an den Kultfilm „The Craft“ erinnern oder wie eine typische Geistergeschichte wirken: altes Schloss, mysteriöse Todesfälle, Spiritismus, hier und da auftauchende Erscheinungen, die sowohl Halluzination als auch Wahrheit sein könnten. Aber Barrett wäre nicht er selbst, wenn er nicht ein paar Überraschungen für die Zuschauer parat hätte. Da wären Camillas geheimnisvolle Vergangenheit, über die praktisch nichts bekannt ist, die mögliche Anwesenheit gleich zweier Geister in der Handlung und eine Reihe von Twists (stellenweise vorhersehbar, aber dennoch).
Warum „alles auf einmal“ nicht immer funktioniert
In seinem Debütwerk wollte Simon Barrett scheinbar gleichzeitig alles zeigen, was er kann, der Klassik huldigen und die Zuschauer überraschen. Dies erklärt das Durcheinander der Genres (der Geisterfilm geht hier in einen Jugend-Slasher über und zurück, gleichzeitig sind Motive der Rache und eine Coming-of-Age-Geschichte erkennbar) und, wenn nicht direkte Zitate, so doch Anspielungen auf Hommagen an die Werke von Mario Bava.
Das Bestreben, über die Grenzen eines recht begrenzten Genres hinauszugehen, ist lobenswert, macht „Séance“ aber gleichzeitig zu einem unausgeglichenen Film. Vielleicht fehlt es Barrett noch an Augenmaß. Wenn Wingard seine kreativen Impulse zügeln und stilvoll einrahmen konnte (im selben „The Guest“ gab es sowohl Bezüge zur Klassik als auch eine gelungene Genremischung), so fehlen seinem Partner diese Fähigkeiten. Zudem hat der Regisseur in der Jagd nach dem Wunsch zu überraschen einen der wichtigsten Aspekte einer guten Geschichte vergessen – die Figuren. Hier erfüllen sie strikt die Funktionen, die für den Fortgang der Handlung nötig sind, sind aber von keinem Interesse. Wenn ein solcher Ansatz für den traditionellen Giallo angemessen war, da dort die Akzente dennoch auf anderen Dingen liegen, ist diese Entscheidung für den modernen Horror sehr fragwürdig.
Lohnt es sich, „Séance“ anzusehen?
Trotz des gemächlichen Erzähltempos, der schablonenhaften Figuren und der Überfülle an szenarischen Überbauten kann der Film „Séance“ dennoch Fans von Horrorfilmen mit seiner Atmosphäre, Spannung, einer nicht allzu vorhersehbaren Auflösung und dem Spiel von Suki Waterhouse erfreuen, die sich hervorragend in die Rolle des geheimnisvollen Mädchens mit unklaren Motiven einfügt.
Trailer:
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