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Wir erzählen, was an dem italienischen Drama „Verdammte Bindung“ des Regisseurs von „Meine geniale Freundin“ bemerkenswert ist.

Der Italiener Daniele Luchetti präsentiert dem Publikum sein neues Werk mit dem Titel „Verdammte Bindung“ (Lacci). Der Film drängt sich förmlich zu einem von vornherein verlorenen Vergleich mit „Marriage Story“ von Noah Baumbach auf, bietet jedoch eine andere Perspektive auf die zerbrechende Ehe zweier Menschen, die sich einst liebten. Lassen Sie uns herausfinden, was dabei herausgekommen ist.

Was ist schlimmer: Untreue oder ein Leben mit einem ungeliebten Menschen?

Es ist wohl offensichtlich, dass der Ausdruck „verdammte Bindung“ starke Assoziationen mit Ehebruch hervorruft. Aber was, wenn Untreue eine Tugend ist und das Leben mit einem Menschen, für den man keine Gefühle mehr hat, das wahre Laster ist?! Genau diese Frage schwingt in der Geschichte von Aldo (Luigi Lo Cascio) und Vanda (Alba Rohrwacher) mit, deren Beziehung zerbricht, als der Mann gesteht, mit einer anderen Frau geschlafen zu haben.

Verdammte Bindung 2021

Es ist kein Geheimnis, dass die Italiener ein temperamentvolles Volk sind und ein lebhafter Ausdruck von Gefühlen für sie selbstverständlich ist. Daher gibt es im Bild zerbrochenes Geschirr, Geschrei und sogar Selbstmordversuche. Gleichzeitig rufen die Emotionen seltsamerweise keine Reaktion hervor. Der Grund dafür ist, dass beide nominellen Hauptfiguren nicht die angenehmsten Menschen sind. Der eine ist ein selbstverliebter Narzisst, der die Meinung und Gefühle seiner Nächsten nicht respektiert, die andere eine Neurotikerin, die aus heiterem Himmel eine Szene machen kann. Sie klammern sich nicht an die Liebe, sondern an irgendwelche Abmachungen vergangener Tage, und in ihren Worten schimmert immer wieder Falschheit durch. Selbst die Kinder sind für sie kein Kitt der Ehe. Sie sind eher ein äußerer Umstand, mit dem man sich abfinden muss, als ein echter Grund, das eigene Ego zurückzustellen.

Und genau hier entsteht die größte Dissonanz: In einem Moment dreht sich die Handlung des Films „Verdammte Bindung“ um 180 Grad, und im Zentrum der Erzählung stehen plötzlich die Kinder der Helden Lo Cascio und Rohrwacher. Ihre Geschichte hat tatsächlich einen Sinn. Nicht die toxische Beziehung der sich nicht mehr liebenden Erwachsenen, sondern die traumatischen Erfahrungen ihrer Kinder (möglicherweise eine Sublimation der realen Erfahrungen des Regisseurs selbst). Sie wachsen auf, beobachten die Streitereien ihrer geliebten Menschen, versuchen, eine Rechtfertigung für ihr Verhalten zu finden, sich für eine Seite zu entscheiden, und wollen am Ende einfach nur Rache für ihre verdorbene Kindheit und (möglicherweise) erschütterte Psyche.

Verdammte Bindung ansehen

Diese Perspektive der Untersuchung des Prozesses des Beziehungszerfalls und des Scheiterns einer Ehe wirkt recht interessant. Das Problem ist nur, dass sie nicht allzu offensichtlich und nicht ausreichend ausgeführt ist. Wir erfahren nicht viel über das Leben der erwachsenen Kinder von Aldo und Vanda. Und selbst eine der wichtigsten emotionalen Szenen des Films, die Daniele Luchetti ihnen gewidmet hat, ändert nichts an der Situation.

Am Ende gibt es hier Alba Rohrwacher

Wenn die Handlung des Films „Verdammte Bindung“ eher an einen nicht besonders gut geschriebenen Roman erinnert und viele Fragen aufwirft, gibt es keinerlei Beanstandungen an der technischen Seite und den schauspielerischen Leistungen. Alba Rohrwacher ist wunderschön. Punkt. In ihren Augen kann man ertrinken. Ihren flüchtigen Stimmungsschwankungen glaubt man. Sie ist überzeugend, selbst wenn man mit dem Verstand versteht, dass ihre Figur offensichtlichen Unsinn redet und Gott weiß was tut.

Ihr Partner Luigi Lo Cascio steht Rohrwacher in nichts nach; es gelingt ihm, das Bild eines fast emotionslosen Egoisten zu schaffen. Zusammen spielen sie eine Reihe interessanter Szenen, die noch heller hätten sein können, wenn sie etwas talentierter geschrieben worden wären.

Alba Rohrwacher Verdammte Bindung

Ein vollwertiger Held des Films „Verdammte Bindung“ ist die italienische Stadt Neapel, die wir zu verschiedenen Zeiten sehen: von den unbeschwerten 80ern bis zur harten und freudlosen Realität. Der Schauplatz spiegelt hier manchmal die Stimmung des Films und seiner Helden wider, indem er sich mal in eine lebensfrohe, mal in eine tragische Richtung verändert.

Sollte man den Film „Verdammte Bindung“ ansehen?

Trotz der oben genannten Kritikpunkte ist Luchettis Film recht gut gelungen. Ja, er ist weit entfernt von der brillanten und bis ins Detail ausgefeilten „Marriage Story“, aber auch ein solcher Film hat dem Publikum etwas zu bieten. „Verdammte Bindung“ ist ein solider Vertreter des Festivalkinos mit gutem Schauspiel, ansprechenden Bildern und interessanten Gedanken des Autors, die zum Nachdenken über das eigene Leben und die Einstellung zur Liebe und zu den Nächsten anregen können.

Trailer:

Wir danken der Firma PROVZGLYAD für die Bereitstellung der Materialien und den Verleih des Films in Russland. Sehen Sie ihn ab dem 22. April in den Kinos.