
Carey Mulligan und Ralph Fiennes suchen nach Schätzen und finden den Sinn des Lebens in „The Dig“.
Einen englischen Roman zu verfilmen, ist eine dankbare Aufgabe. Aber andererseits ist es keine leichte Aufgabe, einen Film zu machen, der der Vorlage würdig ist. Der junge Regisseur Simon Stone hat sich mit dem Film „The Dig“ an diesem Feld versucht, der auf wahren Begebenheiten und der Arbeit von John Preston basiert.
Gibt es eine Zukunft ohne Vergangenheit?
Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs lädt die Witwe Edith Pretty (Carey Mulligan) den Archäologen Basil Brown (Ralph Fiennes) ein, auf ihrem Grundstück in Suffolk nach Gold in den Hügelgräbern zu suchen. Statt der erwarteten Schätze wird in den alten Gräbern ein Fund entdeckt, der eine enorme Rolle für das Verständnis der Weltgeschichte spielen könnte.
Der Film, der auf dem Streamingdienst Netflix veröffentlicht wurde, taucht in gemächlichem Tempo und mit faszinierenden Aufnahmen typisch englischer Landschaften in die Geschichten zweier komplexer Helden mit komplexen Schicksalen ein.
Sie – eine alleinerziehende Mutter mit Gedanken an die Zukunft. Er – ein talentierter, aber nach den Maßstäben seiner Gemeinschaft nicht ausreichend qualifizierter Archäologe, der nur in der Erde wühlen und nach Spuren der Vergangenheit suchen kann. Und nein, dies ist keine Liebesgeschichte zwischen Angehörigen verschiedener sozialer Schichten. Es ist eine eher flüchtige Verbindung, die jedem der Helden hilft, sich selbst und seine Wünsche besser zu verstehen und sich im Bewusstsein des Lebenssinns zu festigen.
In „The Dig“ kann man viele Subplots und unterschiedlichste Bedeutungen für sich entdecken. Es gibt Überlegungen, dass die Zukunft ohne Wissen über die Vergangenheit unmöglich ist, und es gibt Raum für die Konfrontation von Leben und Tod (nicht umsonst schwebt die Annäherung des Krieges über der Geschichte, und parallel dazu entsteht die Geschichte der hellsten aller Gefühle). Und all diese Vielschichtigkeit bezaubert und kaschiert geschickt die Mängel der Geschichte, wie das Fehlen jeglicher Spannung oder Unvorhersehbarkeit.
Schönheit in allem
Im Ernst. „The Dig“ ist ein sehr schöner Film. Er ist schön gefilmt (erdige Töne passend zum Thema der Geschichte dominieren), schön gespielt (Mulligan verdient für diese Rolle mehr eine Golden-Globe-Nominierung als für „Promising Young Woman“, und Ralph Fiennes hat überhaupt eine seiner besten Rollen seit Jahren gespielt), schön mit Musik untermalt. Es gibt keine Spur von Vulgarität, und selbst die unerwartete und viele verwirrende Liebesgeschichte zwischen den Figuren von Lily James und Johnny Flynn beeinträchtigt den Eindruck nicht, denn wenn man Vorurteile beiseite lässt, ist es eine schöne und reine Liebesgeschichte. Wenn man diesen Film mit einem Wort beschreiben könnte, dann wäre dieses Wort „Schönheit“.
Sollte man den Film „The Dig“ sehen?
Vielleicht hätte niemand diesen Film gesehen, wenn nicht Carey Mulligan und Ralph Fiennes darin wären. Vielleicht wäre es ein ganz anderer Film, wenn andere Schauspieler darin mitspielen würden. Aber sie sind hier und haben aus „The Dig“ etwas Größeres gemacht, als dieses bescheidene, wenn auch sehr schöne englische Drama über die Ausgrabung eines alten Schiffes tatsächlich ist.
Trailer:
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