
„Die Nachbarn von oben“ – ein Film darüber, wie ein ungewöhnlicher Vorschlag der Nachbarn zu einer Sitzung Familientherapie werden kann.
Am 7. Januar kommt der neue Film des gefeierten spanischen Theatermachers Cesc Gay, „Die Nachbarn von oben“ (Sentimental), in die Kinos. Dieser nach Theaterregeln inszenierte Streifen gibt sich auf den ersten Blick nur als Komödie für alle über 18, spricht aber in Wirklichkeit über einfache und wichtige Dinge, über die man in langjährigen Ehen nicht zu sprechen pflegt.
Oben oder unten?
In der Handlung laden Julio (Javier Cámara) und Ana (Griselda Siciliani), die seit über 15 Jahren verheiratet sind, ihre Nachbarn Salva (Alberto San Juan) und Laura (Belén Cuesta) zum Abendessen ein. Die Situation wird dadurch pikant, dass aus der Wohnung der eingeladenen Gäste traditionell Leidenschaftsgeräusche zu hören sind, was Julio wahnsinnig nervt. Doch statt einer Klärung der Verhältnisse bei Wein und Schinken sehen sich die Protagonisten damit konfrontiert, dass die unbefangenen Nachbarn von oben einen äußerst ungewöhnlichen Vorschlag machen, der das Leben des reifen Paares von Grund auf verändern könnte.
Cesc Gay folgt in „Die Nachbarn von oben“ den Geboten von Roman Polanskis „Der Gott des Gemetzels“: Ein Ereignis bringt zwei Paare zusammen, die bereit sind, in ein verbales Gefecht zu verwickeln und dabei alle Hüllen der Moral und Prinzipien fallen zu lassen. In den Dialogen erwarten den Zuschauer jede Menge Ironie und Sarkasmus, eine Prise Moral und eine große Dosis Psychoanalyse. Nicht umsonst ist eine der Heldinnen von Beruf Psychologin.
Was ist wichtiger: das Leben genießen oder anständig sein? Offen über Probleme sprechen oder angestaute Kränkungen in sich hineinfressen? Das flüchtige Familienglück bewahren oder den Sinn in fleischlichen Freuden suchen? All diese Themen werden im Laufe eines scheinbar endlosen Dialogs auf die eine oder andere Weise angesprochen.
Im Rahmen des Erlaubten
„Die Nachbarn von oben“ ist ein typischer Kammerspielfilm, dessen Handlung eine einzige Wohnung nicht verlässt. Diese Technik schränkt zwar die Möglichkeiten des Autors ein, eine groß angelegte Geschichte zu erzählen, erlaubt ihm aber, mit Zwischentönen zu spielen, sofern talentierte Schauspieler im Bild sind, und verleiht dem Geschehen eine spürbare Spannung und Realitätsnähe.
Das Schauspielerquartett verteilt die Rollen meisterhaft unter sich: Im ersten Paar tarnt sich einer mit Sarkasmus statt Offenbarungen zu schmerzhaften Themen und sorgt für den Großteil des Humors im Film, während die andere eher auf Andeutungen setzt; das andere Paar fungiert eher als Katalysator für die Bestandsaufnahme der Nachbarn und als externe Beobachter.
Interessant ist: Der Zuschauer kann sich leicht sowohl mit den widersprüchlichen Hauptfiguren Julio und Ana identifizieren, deren Ehe nicht rund läuft (die Probleme sind recht alltäglich und universell), als auch mit den für alles Neue in Sex und Beziehungen offenen Laura und Salva, die beiläufig eine alte Wunde der Nachbarn aufdecken und versuchen, das Geschehen zu analysieren. Und das kommt dem Film zweifellos nur zugute.
Sollte man den Film „Die Nachbarn von oben“ sehen?
„Die Nachbarn von oben“ ist eine eigenwillige gesprächige Dramödie, die zwar nicht ganz Kino, aber auch weit entfernt von Theater ist. Sie gibt sich als komische Geschichte, spricht aber über ernste Dinge. Sie ist auf vier Wände beschränkt, aber universell und in jeder Sprache der Welt verständlich. Ob Sie Ihren Abend in Gesellschaft kontroverser und nicht gerade sympathischer Figuren verbringen möchten, ist eine offene Frage, aber aus Cesc Gays Film lässt sich viel herausholen.
Trailer:
Wir danken der Firma ПРОВЗГЛЯД für die Bereitstellung der Materialien und den Verleih des Films in Russland. Ab 7. Januar in den Kinos.
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