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Der Film „Der Mann aus Podolsk“, basierend auf dem gleichnamigen Stück von Dmitri Danilow, balanciert auf dem schmalen Grat zwischen absurder Komödie, scharfer Gesellschaftskritik und existenzieller Tragödie. Warum man sich diesen Film im Kino ansehe...

Am 26. November kommt das Regiedebüt „Der Mann aus Podolsk“ von Semjon Serzin in die Kinos. Die Adaption des in Theaterkreisen beliebten Stücks von Dmitri Danilow ist ambitioniert, mutig, maßvoll geistreich und überraschend gut für die Übertragung in die Filmsprache geeignet.

Alle aus Podolsk sind dumm

Ein junger Mann namens Kolja (Wadik Koroljow von der Musikgruppe OQJAV) möchte von der Arbeit in Moskau nach Podolsk zurückkehren, doch die alltägliche Heimreise wird gleich von zwei Ereignissen unterbrochen: Auf halbem Weg lässt ihn seine Freundin sitzen, und dann bringen ihn Polizisten ohne ersichtlichen Grund auf die Wache.

Statt Erklärungen, warum Nikolai festgenommen wurde, beginnen die Ordnungshüter, ihm weitläufige Fragen über Podolsk, die Geschichte der Stadt und ihre Bevölkerung zu stellen. Als sie keine klaren Antworten erhalten, stellen sie lapidar fest: „Alle aus Podolsk sind dumm.“ In diesem Moment wird dem Zuschauer, genau wie Kolja selbst, klar, dass den Helden nicht die offensichtlichsten und legalsten Prozeduren erwarten.

Der Mann aus Podolsk Film

Irrationalität und russische Melancholie

Fast sofort beginnt sich im Bild ein echtes Theater des Absurden mit Elementen im Stil von Franz Kafka zu entfalten: Die Polizisten bringen Kolja einen Tanz zur Gehirnentwicklung bei und helfen ihm, ein wortloses Lied zu lernen, der Held wird in ein seltsames Labor geführt und an ihm werden Experimente durchgeführt, sie bewirten den Jungen mit Gurken aus dem eigenen Gewächshaus, und einer der Räume der sogenannten Polizeiwache entpuppt sich als Schwimmbecken, in dem der Held nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele entblößen muss.

Der Mann aus Podolsk 2020

Trotz all dieser Farce und Symbolik schimmert im Film „Der Mann aus Podolsk“ die klassische hoffnungslose russische Melancholie durch. Kolja gehört zu jenen Bewohnern Russlands, für die ihre eigene Stadt nur die Kulisse eines tristen Lebens ist, während das ferne Amsterdam der Inbegriff ihrer Träume ist. Er kann nicht lieben, hat keine Freude an der Arbeit, hält es nicht für möglich, sich an Kleinigkeiten zu erfreuen, und gibt für alles der umgebenden Realität die Schuld. Und die ganze zermürbende Psychoanalyse mit unerwarteten VHS-Flashbacks in die Kindheit wird den Helden, der sich längst mit allem abgefunden hat, wohl kaum verändern.

Und wer sind die Richter?

Semjon Serzins Film „Der Mann aus Podolsk“ kann aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. So wird hier neben der Angst, mit sich selbst allein zu sein, auch über eine andere in unseren Breiten verbreitete Phobie nachgedacht – die Angst, mit Vertretern der Strafverfolgungsbehörden zusammenzustoßen.

Danilow und Serzin stellen die Polizisten als realitätsferne und in vielerlei Hinsicht sogar karikaturhafte Figuren dar, die jedoch leicht Angst einjagen können, ohne auch nur auf Schlagstöcke zurückzugreifen.

Umso amüsanter und interessanter erscheint der Gedanke, dass die Polizisten hier lediglich Beobachter sind, aber keineswegs Richter über Kolja. Sie versuchen in keiner Weise, dem Jungen sein rechtmäßiges „Recht, ein Arschloch zu sein“ zu nehmen, denn das ist seine bewusste Entscheidung. Ob die Zuschauer jedoch genau diese Richter sein werden, ist eine offene Frage.

„Der Mann aus Podolsk“ ab dem 26. November in allen Kinos des Landes.

Trailer:

Wir danken der Firma Prowzgljad für die Möglichkeit, den Film zu sehen, und für die Unterstützung des hervorragenden einheimischen Autorenkinos.