
Hinter dem unscheinbaren Titel „365 Tage“ verbirgt sich ein weiterer skandalöser Netflix-Hit. Aber ist er einen Blick wert?
Auf den Weiten von Netflix findet man die unterschiedlichsten Projekte: von amerikanischen Serien über Teenager bis hin zu indischen Blockbustern. In dieser Vielfalt kann man leicht einen Film mit dem nichtssagenden Titel „365 Tage“ (365 dni) übersehen. Dabei ist er ein Vertreter einer in den letzten Jahren eher seltenen Filmkategorie – des Genres „Erotik“.
Der offensichtliche Hauptbezugspunkt in Form von „50 Shades of Grey“ wird bereits aus der Beschreibung deutlich, aber hat das polnische Projekt ein eigenes Gesicht? Das erfahren Sie in unserer Rezension.
Die Zähmung der Widerspenstigen
Die Handlung des Films „365 Tage“, der auf dem gleichnamigen Roman von Blanka Lipińska basiert, erzählt von Massimo (Michele Morrone), dem Erben eines großen Imperiums, der nach dem Tod seines Vaters plötzlich dessen Chef wird. An der Grenze zwischen Leben und Tod erscheint Massimo in Visionen das Gesicht eines geheimnisvollen Mädchens. Der junge Mann beschließt, um jeden Preis diejenige zu finden, die ihm geholfen hat, wieder auf die Beine zu kommen.
Es ist nicht schwer zu erraten, dass es ihm gelingt, Laura (Anna Maria Sieklucka) aufzuspüren. Allerdings wählt er eine eher ungewöhnliche Art der Bekanntschaft – er entführt das Mädchen und schlägt ihr vor, sich innerhalb von 365 Tagen in ihn zu verlieben, andernfalls sei sie frei.
Nach einem recht seltsamen Einstieg begibt sich die Handlung auf die Schienen eines gewohnten und in gewisser Weise sogar veralteten erotischen Dramas – sie wehrt sich, er zeigt Nachdruck, sie verlieben sich, streiten sich und der Rest folgt der Liste. Das Wichtigste bei dieser Zähmung der Widerspenstigen ist der Prozess. Genauer gesagt, seine Hülle.
Sex, sexuelle Gewalt und noch mehr Sex
Der Schwerpunkt des Films „365 Tage“ lag offensichtlich auf Provokation und der Inszenierung erotischer Szenen. Solche Episoden gibt es im Film sehr, sehr viele. Irgendwann tritt die Handlung völlig in den Hintergrund, und die Regisseure Barbara Białowąs und Tomasz Mandes schwelgen mit Hilfe recht attraktiver Schauspieler in der Darstellung von Sex in verschiedenen Positionen und an verschiedenen Orten.
Manchmal werden die Bettszenen durch Gewaltepisoden aufgelockert, wohl um eine „Würze“ hinzuzufügen. Das wirkt seltsam und ist nicht immer angebracht. Wahrscheinlich werden einige Zuschauer solche Mittel sogar inakzeptabel finden, zumal in solchen Episoden oft eine offenkundige Objektivierung von Frauen stattfindet.
Sollte man den Film „365 Tage“ sehen?
Der Film von Białowąs und Mandes ist eine äußerlich schöne, aber oberflächliche Geschichte mit einer Fülle von Sex, einem nicht immer passenden Soundtrack und einer allgemein altmodischen Erzählweise. Er eignet sich ausschließlich für Fans des Genres, die die Erotik im großen Kino vermisst haben, oder für TikTok-Liebhaber, denn auf dieser Plattform gab es zeitweise sogar eine beliebte Challenge im Zusammenhang mit dem Anschauen der heißesten Szenen des Films.
Statt eines Trailers der Soundtrack des Hauptdarstellers Michele Morrone mit Szenen aus dem Film:
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