
Die potenziell fesselnde Serie „Strudel“ enttäuscht von Anfang an.
Neulich erschien auf KinoPoisk der Artikel „5 Gründe, die Serie „Strudel“ zu sehen“, aber nachdem wir uns die beiden bisher verfügbaren Episoden angesehen haben, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass man sich dieses Projekt besser nicht anschauen sollte. Und hier sind 5 Gründe, warum man das nicht tun sollte.
Grund Nr. 1 – Unästhetischer „Schwarzer Humor“ und Gewalt
Buchstäblich von den ersten Bildern an wird dem Zuschauer klar gemacht, dass ihn eine düstere und blutige Show mit rituellen Morden, Zerstückelung und anderem manischen Treiben erwartet. Aber dieselben ersten Bilder zeigen auch, dass es den Szenenbildnern der Serie an grundlegender ästhetischer Seherfahrung und Geschmack mangelt, Gott verzeih mir. In einer Welt, in der es Projekte wie „Hannibal“ und „True Detective“ gab, sollte es dieses Problem eigentlich nicht geben, aber … Einfach eine nackte Leiche zu zeigen, eine Gallone Kunstblut auszuschütten und eine Menge Symbole zu zeichnen, reicht nicht aus, damit so eine Einstellung einen künstlerischen Wert hat.
Grund Nr. 2 – Ruckartiger Schnitt
Der Kameramann des Projekts, Wladimir Baschta, übrigens ein sehr talentierter Mensch in seinem Metier, hat irgendwie beschlossen, dass das endlose Ausspielen des Serientitels „Strudel“ durch Drehen der Kamera im Uhrzeigersinn dem Bild Effekt verleiht. Nein, es verursacht nur Schwindel. Außerdem entwertet die wiederholte Anwendung desselben Tricks ihn eindeutig. Und dann diese Kreise in jeder zweiten Szene …
Und das ist nur die halbe Miete. Das Hauptproblem ist der ruckartige Schnitt. Ruckartige Übergänge zwischen den Szenen, unbeholfene und unnötige Zeitlupen, spontane Beschleunigungen der Kamerafahrten – all das nervt und lenkt von der Erzählung ab, anstatt sie effektvoll zu machen, wie es offensichtlich beabsichtigt war.
Grund Nr. 3 – Aufgesetzte Dramatik
In der Serie „Strudel“ gibt es einige interessante Charaktere mit potenziell interessanten Geschichten, nehmen wir zum Beispiel die Figur des Aristarch Wenes, einen ehemaligen Junkie, der sich auf den Weg der Besserung begeben hat (die Handlung ist offensichtlich konstruiert, aber unterhaltsam). Dennoch sticht der übermäßige Wunsch der Autoren ins Auge, eine heruntergekommene Stadt zu zeigen, in der bei jedem Menschen alles im Leben schief läuft. Der eine hat eine Frau, die an Krebs stirbt, und eine Teenager-Tochter, die alles noch komplizierter macht, der andere hat eine alkoholkranke Frau, die dritte einen Stiefvater, der ein Vergewaltiger ist. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Es ist klar, dass jede der Geschichten für sich genommen eine Daseinsberechtigung hat, und im wirklichen Leben passieren manchmal noch schlimmere Dinge, aber wenn das alles in einer einzigen Schale der Negativität zusammenfließt, wirkt das nicht nur unrealistisch, sondern deprimiert auch beim Anschauen. Übermäßige Dramatik kommt der Geschichte in diesem Fall keineswegs zugute.
Grund Nr. 4 – Unverhohlener Blick nach Westen
Es scheint, dass es im Jahr 2020 ein Sakrileg ist, auf Hollywood und amerikanische Serien zu schauen. Zum Glück haben wir auch schon längst gelernt, eigenständige und originelle Projekte zu drehen. Dieselben amerikanischen Streamingdienste schauen immer mehr auf den europäischen Markt und die dortigen Filmemacher als Inspirationsquellen, und nicht umgekehrt. Aber Andrei Stempkowski, der Drehbuchautor von „Strudel“, versucht aus irgendeinem Grund, unsere Antwort auf „True Detective“ und „Gotham“ zu erfinden (ja, die zweite Serie scheint im Vergleich unpassend, aber wie sonst soll man die totale Düsternis der Stadt in dem besprochenen Projekt erklären?!).
Natürlich sagt niemand, dass gute Referenzen böse sind. Ganz und gar nicht. Aber man kann sich auf Lieblingsfilme oder -serien viel subtiler stützen, und nicht so plump. Außerdem geht bei dem Versuch der blinden Nachahmung das eigene Kolorit verloren. Denselben Autoren von „Epidemie“ ist es irgendwie gelungen, Elemente der fiktiven „Walking Dead“ mit ihrer eigenen Filmvision und lokalen Besonderheiten und Mängeln recht passabel zu kombinieren. Über „Strudel“ kann man das nicht sagen.
Grund Nr. 5 – Furchtbare musikalische Untermalung
Das Hauptproblem der russischen Filmindustrie ist unserer Meinung nach das Drehbuch. Das zweite Problem kann man getrost die Komponisten nennen. Die in vielerlei Hinsicht hervorragende Serie „Ex“ wird durch eine miserable musikalische Rahmung verdorben. Ähnliches geschieht auch mit „Strudel“. Der Wunsch, moderne Jugendlieder zu verwenden, ist lobenswert, aber ihre so sinnlose Kombination mit instrumentaler Begleitung verdirbt den Gesamteindruck drastisch.
Es nervt auch ungemein, wenn versucht wird, jeder zweiten Einstellung durch laute und ausladende Musik Epik zu verleihen. Wenn der Held Motorrad fährt, muss unbedingt ein Stück hinzugefügt werden, als ob die Figur nach Walhalla aufbrechen würde, nichts anderes. Wenn Tränen im Bild sind, muss im Hintergrund eine ergreifende tragische Melodie spielen, die alle Saiten der Seele des gefühllosen Zuschauers berührt.
Was ist gut an der Serie „Strudel“?
Trotz aller beschriebenen Mängel, von denen einige zu den subjektiven Beanstandungen gezählt werden können, hat das Projekt „Strudel“ eine Reihe positiver Aspekte – solide schauspielerische Leistungen, besonders erfreut die 24-jährige Aljona Michailowa, die Atmosphäre einer düsteren Kleinstadt und nicht das schon zum Hals heraushängende Großstadtambiente, potenziell interessante Charaktere. Was davon wichtiger ist, muss jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.
Trailer:
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