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„Sputnik“ – ein neuer Meilenstein im russischen Genre-Kino oder ein weiterer lauter Fehlschlag von Fjodor Bondartschuk?

Im Netz debütierte der russische Science-Fiction-Film „Sputnik“ von Jegor Abramenko, produziert von Fjodor Bondartschuk. Der Film wurde sofort mit dem legendären Film „Alien“ von Ridley Scott verglichen, und dafür gibt es eine Reihe offensichtlicher Gründe. Wie angemessen sind solche Vergleiche und was kann den Zuschauer an dem neuen Film reizen? Versuchen wir, diese Fragen in unserem Review zu beantworten.

Horror im sowjetischen Ambiente

Die Geschichte des Films beginnt mit einer Reise zweier sowjetischer Kosmonauten über die Erde hinaus. Nach einem unklaren Vorfall landet ihr Raumschiff, aber nur Konstantin Weschrjakow (Pjotr Fjodorow) überlebt. Mit ihm gelangt ein außerirdischer Parasit auf die Erde. Auf die Basis, die „Institut“ genannt wird, bringt Oberst Semiradow (Fjodor Bondartschuk) bald die Neurophysiologin Tatjana (Oxana Akinschina), um den Zustand des Volkshelden zu beurteilen und zu helfen, das Geschehen zu verstehen.

Sputnik

Die Hauptintrige des Films hält nicht besonders lange an. Zudem wurde sie irgendwie in die Synopsis aufgenommen, obwohl man auf dem geheimnisvollen Zustand des äußerlich unveränderten Kosmonauten geschickte Handlungsskizzen hätte aufbauen können. Die Filmemacher haben das Drehbuch offensichtlich nicht in den Vordergrund gestellt, sondern alles der Spektakularität und der bedrückenden Atmosphäre überlassen. Genau das sind die Stärken des Films „Sputnik“: Die asketischen sowjetischen Kulissen erzeugen Spannung nicht schlechter als ein gut gezeichneter außerirdischer Monster. Es gibt im Film auch ein paar wirklich spannende Szenen mit richtig gesetzten Akzenten und gut ausgewählter musikalischer Untermalung. All das zeigt, dass der Versuch, einen Horror im Ambiente der UdSSR (Gott sei Dank ohne Hurra-Patriotismus) zu spielen, recht interessant und spektakulär ausgefallen ist.

Wie „Sputnik“ an „Alien“ erinnert

Eigentlich gibt es nicht viele Gemeinsamkeiten zwischen dem heimischen Film und dem Genre-Klassiker. Zunächst einmal verbindet sie das Motiv der Angst vor dem Unbekannten, das die Menschen größtenteils immer erschreckt hat und erschrecken wird.

Ein weiterer ähnlicher Aspekt ist die zentrale Rolle einer starken Heldin in der Geschichte. Aber während Ripley der Mensch war, der sich mit Fäusten den Weg zu seiner Rettung bahnte und selbst eine außerirdische Kreatur ihn nicht daran hindern konnte, ist Akinschinas Figur ein hundertprozentiges Beispiel für Menschlichkeit und Korrektheit, wenn man so will. Selbst nach all den gesehenen Schrecken versucht sie, eine rationale Lösung ohne unnötigen Schaden für andere zu finden.

Filmkritik "Sputnik"

Natürlich verbindet die Filme auch die Anwesenheit eines furchterregenden außerirdischen Monsters. Seine Verwendung ist jedoch durch völlig unterschiedliche Ziele bedingt. In der einen Geschichte dient es als Katalysator für menschliches Verhalten in einer Extremsituation und als Motivation, die eigenen Grenzen zu erreichen, in der anderen wird es benötigt, um Gedanken über die Existenz von Wahlfreiheit und persönlicher Freiheit zu demonstrieren.

Das Drehbuch als Problem des russischen Mainstream-Kinos

Und gerade wenn es scheint, dass wir einen hundertprozentigen und intelligenten Hit für das Massenpublikum vor uns haben, stößt „Sputnik“ auf das ständige Problem des russischen Publikumsfilms: ein schwaches Drehbuch. Alle Vorzüge (Ambiente, solide Kameraführung, überzeugende Schauspieler, interessante Idee) werden durch eine erneute Manifestation der Drehbuchimpotenz der heimischen Autoren zunichte gemacht.

Etwa ab der Mitte des Films beginnen die Figuren, völlig unlogische Handlungen zu begehen (wer, bitte schön, lässt einen mit einer unerforschten Seuche infizierten Menschen frei in den Räumlichkeiten herumlaufen?!), in die Geschichte wird hastig ein sozialer Subtext eingebaut, um die Persönlichkeiten der Hauptfiguren zu enthüllen, und die unbegründete Sentimentalität wirkt im Film nicht weniger fremdartig als das Monster in Weschrjakows Körper.

Sputnik Rezension

Das letzte Drittel des Films verwandelt sich sogar in ein Durcheinander mit unklarer Action, gequälter Dramaturgie und einem völlig überflüssigen Twist, der angeblich den Zuschauer beeindrucken und ihn mit offenem Mund vor Staunen zurücklassen soll.

Warum konnte man das Drehbuch nicht ausarbeiten? Klare Rückblenden zur Enthüllung der Charaktere von Akinschinas und Fjodorows Figuren hinzufügen, die Erzählung etwas weniger linear gestalten, den Zuschauer zum Nachdenken anregen – all das hätte „Sputnik“ in eine neue Umlaufbahn des Genrekinos bringen können.

Russischer Film "Sputnik"

Warum hat zum Beispiel der in gewisser Weise ähnliche Film „Arrival“ von Denis Villeneuve die Zuschauer beeindruckt und sich in ihr Gedächtnis eingebrannt? Es gab keine zahnbrechende Action, aber es gab eine Seele und den Versuch, dem Publikum interessante Gedanken zu vermitteln, es zu berühren. Abramenko und Co. haben diese Möglichkeit zugunsten von „Brot und Spielen“ aufgegeben, aber es reicht nicht, die Bedingungen für eine fesselnde Geschichte zu schaffen, man muss sie auch richtig präsentieren. Eine äußere Rahmung allein reicht leider nicht aus.

Sollte man „Sputnik“ sehen?

Trotz aller Probleme ist das Debütwerk von Jegor Abramenko interessant geworden. Es ist ein ungewohnt stilvoller und atmosphärischer Film, allein dafür kann man ihm eine Chance geben. Aber wieder einmal muss man in Bezug auf das russische Kino über verpasste Möglichkeiten klagen, und das ist sehr schade.

Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=SSR4UmxOaBE