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„Devs“ oder „Die Entwickler“ von Alex Garland, dem Schöpfer der Filme „Ex Machina“ und „Auslöschung“ – der erste Anwärter auf den Titel Serie des Jahres.

Alex Garland, der sich im letzten Jahrzehnt zu einem der einfallsreichsten Regisseure des Spielfilms entwickelt hat, beschloss, sich im Serienformat zu versuchen. Herausgekommen ist dabei nicht ganz eine Serie, sondern ein fesselnder 8-stündiger Film, geschickt in Episoden unterteilt, mit dem Titel „Devs“. Ist es dem Regisseur der Filme „Ex Machina“ und „Auslöschung“ erneut gelungen, die Zuschauer mit einer Mischung aus Science-Fiction, Drama und Philosophie zu überraschen? Spoiler: Und wie es ihm gelungen ist.

Devs

Detektivischer Auftakt

Im Zentrum der Handlung steht das Hightech-Unternehmen Amaya, in dem die Liebenden Sergei (Karl Glusman) und Lily (Sonoya Mizuno) arbeiten. Die Firma wird von dem exzentrischen Genie mit dem Jesus-ähnlichen Aussehen Forrest (Nick Offerman) geleitet, der eines schönen Tages Sergei einlädt, Teil einer geheimen Abteilung namens „Devs“ zu werden. Statt sich für ihren Geliebten zu freuen, beginnt die junge Frau, sich Sorgen zu machen, denn ihr Partner verschwindet bereits am zweiten Tag seiner Arbeit an dem neuen Ort spurlos.

Devs

Trügerische Einfachheit

Um die Zuschauer zu fesseln, spinnt Garland, der alle 8 Episoden der Show „Devs“ persönlich geschrieben und inszeniert hat, von Anfang an eine detektivische Intrige. Aber dieser Schachzug sollte Sie keinesfalls in die Irre führen, denn die Hauptintrige dieser Geschichte beruht nicht auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: „Wer ist schuld?“. Der Autor scheint zu versuchen, den Zuschauer mit einfachen Methoden an den Haken zu nehmen, um ihm dann das Hauptgericht zu servieren, dessen Zutaten man selbstständig erkunden möchte.

Devs

Von der Wissenschaft zum Unmöglichen ist es nur ein Schritt

Alex Garland lädt die Zuschauer ein, in eine Welt der Science-Fiction einzutauchen, in der jeder auf den ersten Blick unmögliche Schritt eine durchaus überzeugende Begründung in Form wissenschaftlicher Theorien hat. Vielleicht sind Ihnen die Namen Everett, de Broglie und Bohm vor dem Anschauen der Serie nicht bekannt, aber nach dem Gesehenen werden Sie sicherlich ihre Werke kennenlernen wollen, denn ihre Gedanken und Ideen wirken äußerst faszinierend.

Der Serienschöpfer reflektiert durch Worte und Taten der Figuren über komplexe und weitreichende Themen wie die Prinzipien des Determinismus, Fragen nach dem Vorhandensein von Willensfreiheit und religiösen Überzeugungen oder der Existenz von Multiversen. Immer wieder wird uns appetitliche Denknahrung ohne offensichtliche Schlussfolgerungen seitens des Erzählers angeboten.

Einige der Figuren stimmen den vorgebrachten Theorien und Annahmen zu, andere akzeptieren sie nicht blind und versuchen, in allem den gesunden Menschenverstand zu suchen. Genau das wird auch dem Publikum angeboten, insbesondere dem, das des oberflächlichen Kaugummis überdrüssig ist, den man in jeder zweiten Science-Fiction-Serie sieht.

Alex Garland Devs

Unvermeidlicher Symbolismus

Die von Garland gewählte gemächliche Erzählweise ist nicht nur eine hervorragende Methode, um eine beklemmende und fast hypnotische Atmosphäre zu schaffen, sondern auch eine wunderbare Gelegenheit, die Bilder mit Symbolismus zu füllen. Hier und da kann man ein „Augenzwinkern“ des Autors an aufmerksame Zuschauer bemerken. Um ehrlich zu sein, selbst im Titel des Projekts steckt ein „Insider-Witz“. Solche Momente mögen manche stören, aber andererseits wird der Symbolismus hier unaufdringlich präsentiert und spielt keine Schlüsselrolle für das Verständnis des Geschehens, sondern umrahmt die Geschichte lediglich und verleiht ihr zusätzliche Nuancen.

Serie

Faszinierendes Spektakel

An der Serie „Devs“ (in der deutschen Lokalisierung auch „Die Entwickler“) arbeitete der Kameramann Rob Hardy, ein ständiger Weggefährte von Alex Garland, der bereits die erwähnten Filme „Ex Machina“ und „Auslöschung“ gedreht hat. Auch hier gelang es ihm, eine einzigartig schöne Bildsprache zu schaffen, die zur Erzeugung der notwendigen Stimmung nicht weniger beiträgt als die immer wieder erklingende Ambient-Musik.

Hardy wechselt geschickt zwischen perfekt symmetrischen Einstellungen und Nahaufnahmen, erfinderischen Kamerafahrten und statischen Szenen. Praktisch jedes Bild in dieser Serie könnte man als stilvolles Desktop-Hintergrundbild verwenden.

Die häufige Verwendung von Nahaufnahmen half den Schauspielern auch, ihre Fähigkeiten angemessen zu entfalten. Am meisten hat dabei Nick Offerman überzeugt, der sein traditionelles Image als Komiker aus „Parks and Recreation“ abgelegt und eine der bemerkenswertesten Fernsehfiguren der letzten Jahre geschaffen hat.

devs

Sollte man die Serie „Devs“ sehen?

Wenn die vorherigen Zeilen Sie nicht überzeugt haben, dann sagen wir es direkt: „Devs“ („Die Entwickler“) ist die beste Serie des Frühlings 2020, anfangs etwas schwer zugänglich, aber am Ende der letzten Episode, die alle Fragezeichen auflöst, aber Raum für persönliche Schlussfolgerungen und Überlegungen lässt, bereitet sie unermessliches Vergnügen.

Trailer:

https://www.youtube.com/watch?v=j3NmHZJIkmM