So entschied ich, als ich morgens aufwachte, und machte mich auf einen Spaziergang durch die Gegend. Im Kolesnikow-Garten wählte ich die Erzählung "Der Wasserturm" von Pelewin aus und folgte wenige Augenblicke später der verschlungenen Gedankenwelt des namenlosen Helden der Geschichte, wie Touristen dem Stalker in die Zone folgen.
Aber ich kehrte schnell zurück. Die Erzählung reichte buchstäblich für 15 Minuten, und ich fand mich im Birkenhain wieder. In einem erweiterten, aber unbefriedigten Bewusstseinszustand. Dann vertraute ich in meiner Verzweiflung dem Empfehlungssystem von Yandex.Books und schaltete den ersten Treffer aus der Liste ein. Es war "Walpurgisnacht" von Jerofejew im Format eines Hörspiels...
Drei Stunden später ließen mich die Handlung der russischen Version von "Einer flog über das Kuckucksnest" und die Stimme von Weniamin Smechow erneuert und beseelt in alle vier Himmelsrichtungen ziehen.
Ich weiß nicht, wie ich diese Erfahrung anders beschreiben soll, denn als einen Trip im Stile Castanedas. Denn der Strom von Narrativen, durch den Jerofejew einen führt – das ist keine Literatur, das ist eine Art immersive Anthropologie des Bewusstseins der sowjetischen Intelligenzija. Die Handlung, gewoben aus Werken der klassischen Literatur, Nachrichten, Radiosendungen, sowjetischen Leitartikeln, städtischer und Theater-Folklore, ist so authentisch zusammengesetzt, dass das Gefühl der Dokumentarität des Geschehens bis zum Ende nicht verlässt.
Irgendwann entsteht das Gefühl (und verlässt mich bis jetzt nicht), dass die absurden Dialoge zwischen den Figuren nun fast eins zu eins in Form von intelligenten Social-Media-Feeds und Nachrichtenströmen von Telegram-Kanälen reproduziert werden. Was sogar ein wenig beängstigt – immerhin sind fast 40 Jahre seit der Veröffentlichung des Werkes vergangen.
Also, wenn ihr euch auf den Weg zur Tankstelle macht, hier ist ein Weg, die Zeit zu vertreiben und den heutigen Tag besser zu verstehen.
Mit Liebe, P.
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