Sam Neill ist gegangen…

Nicht, dass er der wichtigste „Dinosaurier“ Hollywoods gewesen wäre, aber wohl einer der wichtigsten auf diesem Gebiet. Der neuseeländische Schauspieler irischer Abstammung und britischer Staatsbürger. Dreimal für den Golden Globe nominiert, Officer of the Order of the British Empire, Knight Companion des neuseeländischen Order of Merit.

Er begann seine Karriere bei großen europäischen Autoren – was nicht verwunderlich ist: Neill hat einen Bachelor of Arts in Literatur. Er meisterte „Die Besessene“ vor der scheinbar endlosen Berliner Mauer (Andrzej Żuławski), verliebte sich in eine Teilnehmerin der französischen Résistance in „Fremdes Blut“ (Claude Chabrol), war ein abenteuerlustiger Spezialagent in „Reilly: Der König der Spione“ von Martin Campbell, wartete bei Wim Wenders auf das Ende der Welt, überlebte mit Mühe mit Nicole Kidman auf einer Yacht in „Dead Calm“ von Phillip Noyce.

Dann kamen natürlich „Das Piano“ von Jane Campion, „Bekenntnisse eines Unsichtbaren“ von John Carpenter, „Jurassic Park“ von Steven Spielberg…

Neill raste mutig durch „Event Horizon“, beschwor mit Robert Redford Pferde (vielleicht treffen sie sich jetzt wieder auf einer Wolke), jagte Wilde in der halbverrückten Welt von Taika Waititi. Und natürlich bereitete er der Bande der „Peaky Blinders“ so manche Probleme.

Fast wäre er nach dem Ausstieg von Roger Moore der nächste Bond geworden, verlor die Rolle des Elrond in „Der Herr der Ringe“ an Hugo Weaving und die des Doctor Octopus an Alfred Molina.

Als bei Neill 2022 eine seltene Form von Blutkrebs diagnostiziert wurde, sagte der Besitzer eines großen Weinguts und einer Farm :
„Ich habe keine Angst zu sterben, aber es würde mich ärgern. Ich möchte noch zehn oder zwanzig Jahre leben. Wir haben all diese schönen Terrassen gebaut, wir haben Olivenbäume und Zypressen. Ich möchte dabei sein und sehen, wie das alles reift. Außerdem habe ich meine wunderschönen kleinen Enkelkinder – ich möchte Zeuge sein, wie sie aufwachsen.“

Die Bäume und Enkel werden wachsen, und ich möchte glauben, dass Neill das sehen wird – nur aus einer etwas anderen Höhe 🕊