In den weiten Verleih ist der unverwüstliche Teil der Franchise „Tanz der Teufel“ mit dem Untertitel „Inferno“ zurückgekehrt. Das neueste Kapitel aus dem Buch der Toten bekommt einen blassen Anstrich; es scherzt wie üblich düster und vervielfacht mit beharrlichem Eifer die Ultragewalt, um sich selbst zu übertreffen.

Alice (Souheila Yacoub) – die Witwe von Will (George Puller) – kommt zur Villa seiner Familie, um an der Trauerfeier teilzunehmen. Die Aussicht auf diesen Besuch verheißt ihr nichts als bedrückende Anspannung: Die Verwandten, mit Ausnahme von Wills jüngerem Bruder und seiner Freundin, begegnen ihr misstrauisch, ja regelrecht feindselig. Will selbst kam am Vortag bei einem Unfall ums Leben, der direkt durch ein von einem Dämon besessenes Mädchen verursacht wurde – und nun, wie in einer Kette, fließt das Böse in die Familie des Verstorbenen. Und dort, in den Tiefen der Familiengeschichte, versteckt sich ein Dolch, den einst der Großvater fand: eine Klinge, die die Existenz der Deadites beenden kann. Genau diese wird nun für sie zum Hauptziel.

Erstaunlich widerstandsfähig, trotz ihres Namens, die Franchise von Sam Raimi, die bereits 1981 als Low-Budget-Horrorfilm begann. Ihr macht das Fehlen eines durchgehenden Helden (Ash – eine schöne Geschichte, aber lange her), die ständige Rotation der Regisseure und der Wechsel der Schauplätze bei jeder Wendung überhaupt nichts aus. Das einzige verbindende Glied ist das verfluchte Buch, das immer wieder seine Dämonen freisetzt. Im Laufe der Zeit wurden die „Toten“ zu einer Art Testgelände für junge Regisseure, die ihre wilde Kühnheit im Wettstreit zeigen wollten: wer mehr Dekaliter Kunstblut vergießt.

Es ist etwas seltsam, aber wenn man mit frischem Blick (wenn auch flüchtig) alle Teile der Franchise durchgeht (zum Glück braucht das nicht viel Zeit), kann man feststellen, dass es in der sich allmählich verlängernden Kette von Filmen keine völlig belanglosen Werke gibt. Nun, vielleicht mit Ausnahme des dritten Teils. Da hat Raimi offen herumgealbert, aber das ist Geschmackssache, mehr nicht. Vielleicht liegt es genau daran, dass nach Sam nur Regisseure mit einem bereits etablierten Stil und Blickwinkel an das Projekt herangelassen wurden, dass es bis heute lebt. Und Raimi selbst behält sein Werk väterlich im Auge, ohne es endgültig untergehen zu lassen (alle haben sich schon an das Fehlen von Ash gewöhnt, aber ohne ihn ist es, wie man es auch dreht, nicht dasselbe).

Standbild aus dem Film „Tanz der Teufel: Inferno“
Standbild aus dem Film „Tanz der Teufel: Inferno“

Diesmal ist der Autor des neuen Teils der „Toten“ der französische Regisseur Sébastien Vaniček, der den starken arachnophoben Film „Das Spinnennetz“ vorzuweisen hat, und vieles daraus ist erwartungsgemäß in das neue Projekt übergegangen. Das erste, was ins Auge fällt, ist das blasse, trübe und unansehnliche Bild, das sich stark unterscheidet, zum Beispiel von „Tanz der Teufel: Die Rückkehr“, wo die Farben buchstäblich über den Bildschirm spritzten.

Übrigens wurde dieser Teil von dem bekannten Visionär Lee Cronin geleitet, der in diesem Jahr die völlig zu Unrecht verrissene „Die Mumie“ herausbrachte, die man leicht ins Regal der besten Horrorfilme des Jahres 2026 stellen kann. Vaniček blieb jedoch nicht untätig: Auch er erwies sich dem flotten Visionärstum und einer leicht angeberischen Aufnahmemanier nicht abgeneigt und verwandelte „Inferno“ in eine Attraktion mit schwindelerregender Kameraführung, in der „The Raid“, „Ich finde dich“ und, völlig unerwartet, der erste „Terminator“ dick eingemischt sind. Vaniček schämt sich übrigens überhaupt nicht für seine zur Schau gestellte Cinephilie. Im Gegenteil, er bietet dem Zuschauer gerne die Möglichkeit, die hier und da verstreuten Anspielungen zu erraten. Wenn er jemals im Criterion vorbeischauen würde (falls er dort noch nicht war), würde seine Wahl wohl niemanden überraschen.

Standbild aus dem Film „Tanz der Teufel: Inferno“
Standbild aus dem Film „Tanz der Teufel: Inferno“

Aber es geht nicht nur um die Anspielungen, sondern darum, wie Vaniček überhaupt mit dem Stoff des Films umgeht. Seine Erfahrung ist nicht nur ein angesammelter Zuschauerhintergrund, es ist das Wissen, wie Kino zusammengenäht ist, aus welchen Fäden und wie man hier die heimische, lokale Textur einwebt. Daher kam in „Inferno“ ein Stück französischen Extremkinos mit ohrenbetäubenden Gewaltszenen – den wohl härtesten der Serie. Den traditionellen Humor hat Vaniček trotz aller Prognosen ebenfalls nicht vergessen. Die Episoden mit der Beerdigung und dem Transport der Großmutter die Treppe hinunter brennen sich lange ins Gedächtnis ein. Jedoch glückte ihm die ideale Balance zwischen Horror und Groteske, die in den klassischen Teilen der 80er so leicht zu erblühen schien, nicht. Aber dadurch wurde es nicht viel schlechter. Wenn Sie mitten in diesem zweistündigen sardonischen Albtraum wenigstens einmal lächeln – dann war alles nicht umsonst.

Natürlich durfte auch die im modernen Horror übliche Sezierung seelischer Traumata nicht fehlen. Obwohl Raimi selbst im zweiten Teil seines Horror-Almanachs Ähnliches tat. Dort verlor Ash in einem verschlossenen Haus den Verstand vor erdrückender, fast existenzieller Schuld am Tod seiner Freundin, und die Deadites warfen natürlich nur noch Holz ins lodernde Feuer des Wahnsinns.

Standbild aus dem Film „Tanz der Teufel: Inferno“
Standbild aus dem Film „Tanz der Teufel: Inferno“

Und in „Inferno“ legt Vaniček die Tragödie einer einzelnen Familie frei, in der Überbehütung ein Synonym für Toxizität, Selbstzerstörungstendenz, Vertuschung von Problemen und permanenten Missbrauch ist. Der sechste Teil der Franchise erwies sich auf erstaunliche Weise als mehr über Menschen und ihre Beziehungen zueinander als über Dämonen.

Dafür kann man den Regisseur sowohl loben als auch tadeln, aber seine Sicht auf das Material ist insgesamt wohl die kreativ originellste der letzten Zeit. Hier erstickt das Genre nicht in einer dramaturgischen Hülle. Und wo die Dramatik versiegt, schaltet Vaniček einfach den Rasenmäher ein – und die seelischen Qualen weichen den physischen.