"Sternenstädtchen" (USA, 2026)
Während ich für ein paar Tage aus dem Leben gefallen bin und mich in verschiedenen Wäldern niedergelassen habe, ist es an der Zeit, daran zu erinnern, dass auf Apple TV "Sternenstädtchen" [Spin-off von "For All Mankind"] erschienen ist, und das ist einer der Fälle, in denen ein Spin-off die Erwartungen erfüllen konnte.
"Sternenstädtchen" erzählt die Kehrseite des sowjetischen Raumfahrtprogramms in einer alternativen Realität. Und wenn "For All Mankind" mehr über die wunderbare wissenschaftlich-technologische Zukunft war und der Fokus entsprechend lag [es ist buchstäblich die Geschichte, wie Wissenschaft und Technologie die Welt verändern], dann entpuppte sich "Sternenstädtchen" als Spionagethriller darüber, wie das Streben nach den Sternen zu einer Quelle der Paranoia für einen ganzen Staat wurde. Und das ist großartig geschrieben und gezeigt. Sowohl visuell [gedämpftes Licht, dunkle Töne, viele Schatten und "Grautöne" im Bild] als auch handlungstechnisch [wo buchstäblich jedes Ereignis wie ein Grund für Besorgnis und Blicke über die Schulter wirkt].
Ich persönlich hatte nicht das Gefühl von Klischee oder übertriebener Atmosphäre. Die Ästhetik und Atmosphäre sind dem Russen gut bekannt [vom Gefühl her wie in "Chernobyl" von HBO]. Und ich denke, es liegt daran, dass wir alle genau verstehen, unter welchen Bedingungen das reale Raumfahrtprogramm in der UdSSR entstand, dass es keinen Raum für Fehler gab, dafür aber viele Verdächtigungen und Denunziationen. Dabei versuchen die Macher nicht, alles pauschal zu verunglimpfen: Vor uns stehen einfache Menschen, die nach einem Ideal streben, aber auf Doppelzüngigkeit und Gleichgültigkeit des Systems gegenüber Menschenleben stoßen. Wir sehen, zu welchem Preis jede Errungenschaft und jede Beförderung erkauft wird.
Die Charaktere sind nicht eindimensional geschrieben, sie sind widersprüchlich, aber nach und nach empfindet man Sympathie für sie. Denn im Grunde sind sie alle Geiseln der Situation und eines bestimmten alternativen Regimes. Und zu beobachten, wie sie versuchen zu überleben und ihre Seele zu bewahren, ist gleichzeitig fesselnd und beängstigend. Beängstigend durch das Bewusstsein, dass darin viel realistischer Sinn steckt.
"For All Mankind" ist eine Ode an die Menschheit und ihren grenzenlosen Mut trotz aller Meinungsverschiedenheiten. "Sternenstädtchen" ist die Geschichte, wie man in sich den Menschen bewahrt, obwohl es leichter ist, unmenschlich zu leben. Dennoch ist Hoffnung spürbar. Es ist merkwürdig, wie eine der größten Errungenschaften der Menschheit – der Flug ins All – sowohl das Beste als auch das Schlechteste in den Menschen offenbart.
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