
Die Rückkehr zur Belletristik nach einer langen Pause ist wie das Eintauchen in kaltes Wasser: erst ein leichter Schock, dann absolute Klarheit. Lange Zeit hatte ich weder den Wunsch noch die Möglichkeit, mich der Fiktion zu widmen, aber der Roman "Der Postbote klingelt zweimal" von James M. Cain hat diese Routine durchbrochen.
Die Handlung ist auf den ersten Blick trügerisch einfach. Keine komplexen philosophischen Labyrinthe, keine verworrene Intrige. Doch in dieser scheinbaren Einfachheit liegt eine fesselnde Kraft. Die Geschichte hat mich von den ersten Seiten gepackt und jede freie Minute in einen Anlass verwandelt, das Lesen nicht zu unterbrechen. Cain beweist meisterhaft, dass man für eine wirklich fesselnde Erzählung keine mehrbändigen Beschreibungen braucht. Es genügen ein paar Charaktere, Leidenschaft, eine schicksalhafte Entscheidung und ein Gefühl der Unausweichlichkeit. Das ist Literatur in ihrer reinsten, fast ursprünglichen Form. Sie überredet nicht, sie zieht einen in ihren Strudel.
Jetzt steht die Verfilmung auf dem Plan. Es ist immer interessant zu sehen, wie das Kino versucht, genau die Atmosphäre einzufangen, die der Autor allein durch den Rhythmus der Sätze erzeugt. Kann die visuelle Darstellung die Spannung vermitteln, die zwischen den Zeilen entsteht? Das werden wir bald erfahren.
Ich bin froh, dass ich Zeit für diese Begegnung gefunden habe. Manchmal muss man, um wirklich auszuruhen, nicht den Kanal wechseln, sondern in eine fremde Geschichte eintauchen, die einen dazu bringt, die eigene mit neuen Augen zu sehen.
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