
Es gibt Serien für alle. Es gibt Serien „für Nicht-Fans“ – na ja, diese Erhabenen, die auf Twitter schreiben: „Ich habe keine einzige Folge von Game of Thrones gesehen. Ja, ich existiere“, und dann auf Reddit diskutieren, ob allen aufgefallen ist, dass in „Severance“ auf den Tastaturen der Helden die Tasten Escape und Control fehlen.
Und es gibt Serien für Nicht-Fans zweiter Ordnung, die selbst auf solchen Diskurs mit höflichem Unverständnis blicken und nicht einmal dorthin gehen, um demonstrativ wieder zu gehen. Und nein, ich meine nicht „Pluribus“ (der ist auch nicht elitär genug, pff).
Ich meine „The Chair Company“, die dieses Jahr mit Abstand in Ihrer Kategorie „Linksgewinde“, „WTF des Jahres“ oder wie auch immer Sie die abgefahrensten, durchgeknalltesten und völlig benebelten Werke nennen, führt. Persönlich mag ich das Wort auf „e“, das an den Namen meiner Nichte Nina erinnert.
Alles beginnt recht komödiantisch: Ron Trospar, Regionalmanager einer Hypermarkt-Kette, spricht vor zukünftigen Mitarbeitern eines neuen Geschäfts. Direkt auf der Bühne bricht unter ihm ein Stuhl zusammen, und Ron liegt am Boden – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Demütigung verlangt nach Genugtuung. Trospar versucht, sich beim Hersteller des Stuhls zu beschweren, aber es stellt sich heraus, dass es diese Firma gar nicht gibt. Genauer gesagt, existiert sie, aber statt einer Möbelfabrik gibt es ein leeres Lagerhaus mit einem riesigen roten Ball darin und einem ungepflegten Mann in einem schrecklichen Hemd am Ausgang. Der Mann schwingt ein Stück Wasserrohr und verlangt, dass Ron seine Nase nicht in Dinge steckt, die ihn nichts angehen.
Es geht weiter wie ein Corporate-Thriller, gedreht von Leuten, die Corporate-Thriller hassen: mit Verschwörungstheorien, die sich plötzlich als Teil anderer, noch größerer Verschwörungstheorien entpuppen. Jede neue Hypothese von Ron erscheint absolut logisch, bis zur nächsten Folge, in der die Logik plötzlich stirbt und die Serie fröhlich ohne Bremsen und Sicherheitsnetz weiterrollt.
Die Figuren der Coen-Brüder leben in der Handlung von David Lynch, Gespräche gehen am Sinn vorbei, und jeder Versuch, Klarheit zu gewinnen, versinkt nur tiefer im klebrigen Möbelsurrealismus. Die Welt verhält sich so, als ob die Verschwörung sich nicht versteckt, sondern es einfach nicht für nötig hält, sich zu verstellen. Das Unbehaglichste ist, dass die Serie dem Zuschauer nie zuzwinkert im Sinne von „entspann dich, das ist nur absurd“. Nein, Paranoia ist hier kein Genre-Trick, sondern ein Arbeitsmodus. Die Norm. Ein Zustand, in den man dich nach und nach versetzt, wie auf einen Bürostuhl, und prüft, ob er unter dir bricht oder hält.
#habe_serie_geschaut
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