"Big Pharma" ist eines der bemerkenswertesten russischen Serienprojekte des zu Ende gehenden Sommers, und die ersten Folgen bestätigen, dass das Interesse daran kein Zufall ist. Es ist ein solides Familiendrama mit medizinischem Hintergrund, das eine spannende Handlung, eine würdige visuelle Ästhetik und eine ernsthafte Schauspielerbesetzung vereint. Natürlich gibt es einige Unebenheiten, aber das allgemeine Ausführungsniveau verdient Respekt.

Die Handlung dreht sich um einen klassischen Konflikt: Wissenschaftler entwickeln ein bahnbrechendes Medikament, woraufhin die Erfindung zum Zankapfel für Pharmakonzerne wird. Die Ausgangslage ist für das Genre recht vorhersehbar, aber das Drehbuch hält die Aufmerksamkeit durch klar definierte Motivationen der Figuren und das Fehlen offensichtlicher Handlungslücken. Die Frage, ob die Gesellschaft bereit für ein Allheilmittel ist und was wirtschaftlich rentabler ist – heilen oder auskurieren –, wird ohne übermäßige Moralisierung präsentiert, wenn auch ohne tiefe philosophische Neuheit.

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Unwillkürlich drängt sich ein Vergleich mit dem jüngsten Hit "Goldener Boden" auf, wo Familienbeziehungen als ein endloser Krieg um Ressourcen und Macht dargestellt wurden, in dem nahestehende Menschen bereit sind, für Geld über Leichen zu gehen.

In "Big Pharma" schlagen die Autoren ein grundlegend anderes Modell vor: Die Familie Gireev ist keine Arena für Auseinandersetzungen, sondern ein lebendiger Organismus, vereint durch eine gemeinsame Sache und den aufrichtigen Wunsch, den Menschen zu nützen. Ihre Entdeckung wird nicht als Instrument der Bereicherung wahrgenommen, sondern als Mission. Das Problem ist, dass diese familiäre Ordnung mit der Außenwelt des großen Pharmageschäfts kollidiert, wo die Spielregeln ausschließlich vom Profit diktiert werden und Moral und menschliches Leben zur Ware werden. Genau dieser Kontrast – innere Einheit gegen äußere Gnadenlosigkeit – bildet den wichtigsten dramatischen Nerv der Serie und macht sie nicht nur zu einem Medizinthriller, sondern zu einer Geschichte darüber, wie schwer es ist, das Gesicht zu wahren, wenn um einen herum eine Unternehmensmaschine agiert, die keine Grenzen kennt.

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Die visuelle Gestaltung verdient eine besondere Erwähnung. Die Kameraführung ist auf hohem professionellem Niveau, mit deutlicher Orientierung an westlichen Vorbildern – kalte Farbpalette, angeschnittener Schnitt und ungewöhnliche Kameraperspektiven erzeugen ein anhaltendes Gefühl von Nervosität und Unklarheit der Situation, selbst wenn alles auf Erfolgskurs ist.

Dabei wird das Bild manchmal absichtlich unscharf, als ob der Zuschauer selbst durch ein Mikroskopobjektiv auf das Geschehen blicken würde, was zusätzlich in die Welt der Laborforschung und medizinischen Entdeckungen eintauchen lässt, obwohl dieser Effekt gelegentlich übertrieben wirkt und mit der Handlung um die Aufmerksamkeit des Zuschauers konkurriert.

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Die Schauspielerbesetzung ist gut gewählt. Igor Gordin wirkt organisch in der Rolle des Wissenschaftlers und Vaters, der zwischen wissenschaftlicher Pflicht und familiären Verpflichtungen hin- und hergerissen ist. Sergei Goroshko und Olga Lerman meistern ihre Rollen ohne merkliche Schwächen, auch wenn ihre Figuren noch nicht vollständig entfaltet sind, aber man spürt bereits ein großes inneres Drama, das sich hoffentlich am Ende entfalten wird. Svetlana Khodchenkova als Vertreterin des Pharmageschäfts verleiht der Geschichte die nötige Schärfe, aber ihre Antagonistin wirkt bisher eher schematisch als vielschichtig.

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 Insgesamt hinterlässt "Big Pharma" den Eindruck einer soliden, sorgfältig gemachten Serie, die nicht versucht, etwas zu sein, was sie nicht ist. Sie revolutioniert das Genre nicht, zeigt aber einen stetigen Anstieg der Qualitätsstandards in der russischen Serienproduktion. Wenn die ersten Folgen keine Begeisterung auslösen, enttäuschen sie zumindest nicht und geben Anlass, die weitere Entwicklung zu verfolgen.