"An der Kette" (2025, Großbritannien, Polen)
Sobald der Abspann läuft, möchte man zuerst über das Stockholm-Syndrom, Ethik und Moral [oder besser gesagt Amoralität] der gewählten Umerziehungsmethoden sprechen. Aber wenn man ein wenig wartet, rückt ein anderes Thema in den Vordergrund, die Ursache von allem – die Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber dem menschlichen Leben.
Genau aus dieser Gleichgültigkeit und Desinteresse entsteht die Gleichgültigkeit der Eltern gegenüber ihren Kindern. Und in der Folge beginnen die Kinder, unglaubliche Dinge zu tun, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das destruktive Verhalten der Jugend ist eine Art Protest gegen die Gefühllosigkeit der Gesellschaft. Und wenn man von dieser Position ausgeht, bedeutet Vandalismus nicht immer hundertprozentiges Böses und Hass. Er erweist sich auch als Gefährte von Einsamkeit und Verzweiflung.
Und genau in diesem Moment tauchen interessante Fragen auf. Wo beginnt die Freiheit des anderen? Und wenn sie die Rechte anderer verletzt, hat dann ein anderer Mensch das Recht, die Freiheit des Störenfrieds einzuschränken? Obwohl die konkretere Frage, "kann man einen anderen an die Kette legen, um ihn zu erziehen und zum Wohle der Gesellschaft", klingt wohl genauso wie die Frage, "darf man Kinder schlagen, damit sie besser verstehen". Besonders, wenn alles aus guten Absichten geschieht. Hier möchte man noch eine Frage hinzufügen – "kann ein Gefängnis mit grausamer Behandlung von Gefangenen jemanden bessern" [wenn es um kleine und mittlere Vergehen geht].
Insgesamt bleiben nach dem Anschauen viele diskussionswürdige Fragen, auf die es scheinbar keine richtigen Antworten gibt. Dafür sagt die [hypothetische] Position der Menschen viel über diese Menschen aus.
Ich würde sagen, dass "An der Kette" ein Spiegel-Film ist, der die Zersetzung der modernen Konsumgesellschaft widerspiegelt, in der die Werte so verzerrt sind, dass Zügellosigkeit nicht zum Guten, sondern zum Bösen wird. Aber nicht weil diesen Werten angeblich Böses zugrunde liegt, sondern einfach weil die Menschen kein Maß kennen, nicht zurechtkommen und die Kontrolle verlieren. Sie gehen vom Guten aus, aber gebären das Böse.
Es war ein interessanter Filmabend. Das ist natürlich überhaupt kein Horror, sondern ein psychologisches Drama, in dem jeder zutiefst traumatisiert ist. Und wir als Zuschauer können nur raten, wie sehr diese Menschen zerbrochen sind, dass sie sich zu so etwas entschlossen haben. Es gibt hier keine eindeutig positiven Helden, aber das hindert nicht daran, Mitgefühl zu empfinden.
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