Na, liebe Kollegen Schriftsteller und Künstler, habt ihr auch bemerkt, dass die Leute euch lesen, anschauen, aber euch die Likes vorenthalten? Und ihr, liebe Leser, habt auch schon bemerkt, dass einem manchmal etwas im Netz gefällt, aber man keinen Like setzen möchte?
Man sollte meinen, warum? Ein Like zu setzen ist doch nicht schwer. Ihr werdet lachen, aber es gibt tatsächlich wissenschaftliche Studien dazu. Und zu folgenden Ergebnissen sind sie gekommen.
Also, warum Menschen nicht einmal das liken, was ihnen gefällt.
1. Informationsüberflutung. Der Nobelpreisträger Herbert Simon warnte bereits 1971: Wenn es zu viele Informationen gibt, wird Aufmerksamkeit zur Mangelware. Eine Studie aus Stanford (2024) zeigte: Das Gehirn empfindet selbst die sekundenschnelle Entscheidung zu liken als Energieverlust. Im endlosen Feed sparen wir an allem, sogar am Klick.
2. Angst um den eigenen Ruf. Berliner Neurowissenschaftler (2023) fanden heraus: Ein öffentlicher Like aktiviert Bereiche, die für die soziale Identität zuständig sind. Mit einem Herzchen sagen wir nicht „das ist gut“, sondern „das bin ich“. Wenn ein Werk komplex, zu persönlich oder mehrdeutig ist, könnte der Betrachter Angst haben, sich damit zu identifizieren. Es gefällt ihm, aber er schweigt, um sein „Profil nicht zu beschmutzen“.
3. Der Zuschauereffekt. Eine Studie der Universität Chicago (2022) übertrug das klassische Syndrom auf soziale Medien: Wenn viele Leute da sind, gehen sie leicht an dem vorbei, der Hilfe braucht. Unter einem Beitrag mit hundert Likes denkt jeder: „Meiner wird nicht mehr gebraucht.“ Und unter einem leeren: „Vielleicht habe ich etwas nicht verstanden? Ich warte ab.“ Am Ende erhält der Autor Stille.
4. Inflation. Der Psychologe Adam Alter verglich Likes mit Geldmenge: Die Plattformen haben einen Überschuss geschaffen, es kam zur Hyperinflation. Die Leute vertrauen Massenreaktionen nicht mehr. Der Like ist entwertet, aber paradoxerweise wird die entwertete Münze doppelt geschont, selbst der Klick erscheint sinnlos.
So sieht es aus, liebe Schaffende und Leser. In diesem Bild fehlt wohl nur eine Studie, die die Frage beantwortet, warum all diese schüchternen Menschen, die Angst haben, was andere über sie denken könnten, und sich scheuen, ein unbeliebtes Buch zu liken, zum Beispiel, sich nicht schämen, Trash-Inhalte zu liken und zu teilen, die sicherlich niemandes Ruf nützen. Und all diese müden, selbst bei Likes Energie sparenden armen Seelen – ebenfalls... Ein Rätsel!
Und ein persönlicher Wunsch zum Schluss: Unterstützt diejenigen, die das tun, was ihr liebt. Mit einem freundlichen Wort, mit Geld, notfalls wenigstens mit einem Like. Ohne moralische und materielle Unterstützung wird der kreative Mensch irgendwann die Hände sinken lassen und aufhören zu schaffen. Denn wie lange kann man schon ins Leere schreien.
Ohne positive Reaktionen auf Kreativität wird sie von den Empfehlungsalgorithmen begraben, und niemand wird sie mehr sehen. Und das Ergebnis wird sein: Der normale Mensch wird in einer Welt voller Trash-Inhalte leben müssen, in der es nichts anderes mehr gibt. Normale Inhalte bleiben, aber nur kostenpflichtig, für Kenner.
Unterstützt das, wovon ihr mehr in der Welt sehen wollt. Ignoriert das, was ihr aus der Welt entfernen wollt. Von eurer Unterstützung, selbst einem kleinen Like, hängt viel mehr ab, als ihr denkt.
#nützlich #Kreativität
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