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„Jemand muss sterben“ verspricht einen Psychothriller, versinkt aber in Eintönigkeit. Wir analysieren, wo der Film mit Snigir und Derewjanko den Zuschauer verliert – und sich selbst.

Zwei Ehepaare kommen für ein Wochenende, um sich zu erholen, aber was als psychologisches Experiment beginnt, verwandelt sich schnell in ein tödliches Spiel. „Jemand muss sterben“ verspricht ein intensives Kammerspiel mit Julia Snigir, Pawel Derewjanko und Aglaja Tarassowa, doch die Idee erweist sich als stärker als die Umsetzung. Der Zuschauer ist von der Idee gefesselt, verliert sie aber in der Eintönigkeit der Handlungsprüfungen und seltsamen emotionalen Sprüngen.

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Valeria Stoikova
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Auftakt: Der erste Schritt zur Katastrophe

Jemand muss sterben 2026
Standbild aus dem Film „Jemand muss sterben“

Der Film positioniert sich als eine Analyse der Grenzen von Beziehungen durch eine Extremsituation. Die Heldin von Julia, die den Betrug ihres Mannes Michail (Pawel Derewjanko) mit ihrer Freundin Anja (Aglaja Tarassowa) entdeckt, geht nicht einfach – sie vergiftet beide.

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RomaWho
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Am 13. Februar startete in den Online-Kinos KION und START die Serie „Tango auf Scherben“, in der die Heldin von Julia Snigir versucht, ihren verlassenen Ehemann und gleichzeitig sich selbst durch Tanzen kennenzulernen.

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Dies ist ein kompromissloser Schachzug, der sofort den Ton angibt: Wir sind in einer Welt, in der Gefühle auf die Probe gestellt werden und der Preis eines Fehlers das Leben ist. Leider verliert der Film nach diesem anfänglichen Schlag von Jewgeni Grigorjew an Schwung. Der Konflikt eskaliert nicht, sondern dreht sich im Kreis: Die Heldin zwingt die Schuldigen, ihre Liebe durch eine Reihe gleichartiger Aufgaben zu „beweisen“. 

Jede weitere Prüfung wiederholt nur die vorherige und ersetzt die Handlungsentwicklung durch ein psychologisches „Hamsterrad“. Die Spannung, die in einem Thriller steigen sollte, verpufft hier schnell und verwandelt den Film in die Beobachtung eines langwierigen Familienstreits, bei dem die Einsätze die Länge offensichtlich nicht rechtfertigen.

Snigirs Spiel: Eine Insel der Aufrichtigkeit in einem Meer der Statik

Standbild aus dem Film „Jemand muss sterben“
Standbild aus dem Film „Jemand muss sterben“

Die Einzige, die „Jemand muss sterben“ vor einem völligen dramaturgischen Kollaps bewahrt, ist Julia Snigir. Ihre Heldin ist weder Opfer noch Monster, sondern eine müde, sarkastische und kompromisslose Führerin durch dieses grausame Experiment: Hinrichten, nicht begnadigen.

Snigirs Heldin trägt die Handlung, macht sie emotional greifbar und intim. Pawel Derewjanko und Aglaja Tarassowa sind lobenswert, aber ihre Figuren sind eher funktional: Sie sind Ziele für die Prüfungen, keine eigenständigen Persönlichkeiten. Es ist Snigirs Können, das den Film als lebendige Beobachtung eines moralischen Spiels erscheinen lässt, nicht nur als eine Ansammlung sich wiederholender Szenen. Kamera und Schauspiel kompensieren die Schwäche des Drehbuchs.

Ein Thriller, der Angst davor hatte, ein Thriller zu sein

Jemand muss sterben Film
Standbild aus dem Film „Jemand muss sterben“

Genau hier liegt die Hauptambivalenz des Films. Grigorjew wird als Autor eines psychologischen Thrillers angekündigt, aber tatsächlich dreht er ein Kammerspiel mit Elementen eines moralischen Puzzles (es fehlt nur noch „Freude“, „Wut“ und „Traurigkeit“).

Der visuelle Stil – realistisch, bodenständig, fast dokumentarisch – ist eine Stärke. Er erzeugt das Gefühl, dass eine Katastrophe in jedem Haus passieren könnte. Aber genau diese Kammerspiel-Atmosphäre wird zur Falle (für Grigorjew).

Es gibt keine visuellen Metaphern, kein Spiel mit dem Raum, keine Steigerung des Soundtracks (danke an Bulanowa natürlich) – nur statische Einstellungen auf Gesichter, in denen die Emotionen für sich selbst sprechen sollen. Und sie, wie bereits gesagt, sagen immer dasselbe. Der Film traut sich nicht, ein echter Thriller zu sein (mit Spannung, Bedrohung, unerwarteten Wendungen), wird aber auch kein tiefgründiges Drama. Er bleibt in einem misslungenen Hybrid stecken, in dem melodramatische Dialoge die Handlungsbewegung ersetzen.

Ein Finale, das keine Spur hinterlässt

Standbild aus dem Film „Jemand muss sterben“
Standbild aus dem Film „Jemand muss sterben“

Das Finale des Films ist logisch im Sinne des angekündigten „Überlebensspiels“: Die Heldin, die die Bedingungen gestellt hat, akzeptiert sie für sich selbst. Die Selbstaufopferung am Ende ist keine Katharsis, sondern eine Tatsachenfeststellung. Und hier stellt sich die schmerzhafteste Frage: Wozu das Ganze?

Der Film thematisiert Betrug als Trauma, bietet aber keine Reflexion darüber – nur eine extreme, sinnlose Reaktion. Er verspricht zu untersuchen, was von der Liebe nach dem Verrat übrig bleibt, reduziert die Antwort aber auf eine einfache Formel: „Wenn du Schmerz zugefügt hast, musst du bezahlen“.

Weder moralische Komplexität, noch sozialer Subtext, noch echte psychologische Tiefe. Die Stille im Saal nach dem Abspann ist die beste Kritik an diesem Film: Sie zeigt, dass der Film keinen Widerhall gefunden hat, keine Frage hinterlassen, keine Debatte ausgelöst hat. Er ist einfach zu Ende.

Fazit

Standbild aus dem Film „Jemand muss sterben“
Standbild aus dem Film „Jemand muss sterben“

„Jemand muss sterben“ ist ein seltener Fall, in dem der Film selbst zum Opfer seiner eigenen Idee wird. Er beginnt als kühnes psychologisches Experiment, findet aber nicht die Kraft, es weiterzuentwickeln. Stattdessen schließt er sich in einem Kreislauf sich wiederholender Situationen ein, in dem die Kamera Statik einfängt und die Schauspieler (außer Snigir) keine Chance haben, über funktionale Rollen hinauszuwachsen. Der Film will über Liebe und Verrat sprechen, tut dies aber in der Sprache des Melodrams, nicht des Thrillers. Das Ergebnis: eine starke Idee, die verschwendet wird, und Stille im Saal, die lauter klingt als jeder letzte Schuss.